Achern / Oberkirch

Arno Schmidt schätzte sein Werk

Autor: 
Von Heinz G. Huber
Lesezeit 3 Minuten
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09. Mai 2013
Quelle: Stadtarchiv Oberkirch - Der Schriftsteller Max Uebelhör, hier als junger Student im Alter von 23 Jahren, zog 1943 nach Oberkirch und arbeitete dort als Übersetzer für die Franzosen.

Quelle: Stadtarchiv Oberkirch - Der Schriftsteller Max Uebelhör, hier als junger Student im Alter von 23 Jahren, zog 1943 nach Oberkirch und arbeitete dort als Übersetzer für die Franzosen.

In Oberkirch kannte kaum jemand den geheimnisumwitterten Schriftsteller Max Uebelhör, obwohl er 20 Jahre lang bis zu seinem Tod am 10. Mai 1963 hier wohnte. Dabei erfreute sich Uebelhör als Romancier großer Wertschätzung. So setzte sich der avantgardistische Schriftsteller Arno Schmidt (1914-1979) in den 50er Jahren für die Wiederentdeckung seines Werkes ein und führte mit Uebelhör einen Briefwechsel.

Uebelhör wurde 1881 in Konstanz als jüngster Sohn eines höheren Postbeamten geboren. Der Vater wurde nach Thann ins Elsass und später nach Mannheim versetzt, wo Max seine Abiturprüfung ablegte. Als Nesthäkchen genoss er gegenüber seinen beiden älteren Brüdern das Privileg, in Genf und Paris Philosophie, Geschichte und Volkswirtschaft studieren zu dürfen. Nach einer Dissertation über das Pressewesen in Zürich (1908) wurde er Hauslehrer beim Fürsten Hans von Pless in Oberschlesien und hatte die Möglichkeit, halb Europa bereisen zu können.

Er meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger und verlor im Krieg ein Auge. 1916 wurde er Chefredakteur des deutschsprachigen »Osmanischen Lloyd«, der in Istanbul seit 1908 erschien. In einer neueren Beiruter Dissertation über dieses Organ wird auch auf Uebelhörs Wirken eingegangen: Er legte sich mit der Botschaft an, indem er sich weigerte, sich den Notwendigkeiten der Kriegspropaganda unterzuordnen. Uebelhör wurde entlassen und verlieh später seinem Groll über das Auswärtige Amt literarischen Ausdruck.

Gründung des »Skorpion«

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Die 1920er Jahre wurden zum schöpferischen Jahrzehnt des nach Konstanz zurückgekehrten Schriftstellers. Er gründete mit dem »Skorpion« eine satirische »Wochenschrift gegen die Vielzuvielen for the happy few« (so der Untertitel) und wurde freier Mitarbeiter beim Münchener »Simplicissimus«. In seinem satirischen Frankreichroman »Die goldene Republik« (1920) und seinem kritischen Deutschlandroman »Traugott oder Deutschland über alles« erreicht er nicht nur ein beachtliches Niveau, sondern kommt zu erstaunlich klarsichtigen Erkenntnissen über die Zusammenhänge von Finanzwelt, Wirtschaft und Politik. Traugott, die Hauptfigur seines Romans, ist ein Südseeprinz, der sich vorgenommen hat, Deutschland zu erforschen. Seine Reise wird zu einer Art deutscher Ethnologie mit satirischem Potential.

Uebelhör zog 1926 nach Paris um und beschloss – auch angeregt durch seine neue Umgebung – Kriminal-, Spionage- und Abenteuerromane zu schreiben. Conrad Veidt setzte sich für die Verfilmung seines Romans »Der Ruf der Tiefe« ein, es kam jedoch nicht dazu. In den 1930er Jahren war die Phase des fruchtbaren Schaffens abgerissen – Uebelhör lebte von journalistischen Gelegenheitsarbeiten und den Geldüberweisungen seiner Mutter (er bezeichnet sich in seinen Briefen an sie als ihr »Sorgen-Mäxle«). Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er aus Frankreich ausgewiesen und heiratete in Konstanz seine vermögende Jugendfreundin Lilly Schoerlin.

Endstation Mülltonne

1943 zog das Paar nach Oberkirch um, wo sich der frankophile Schriftsteller wegen der Nähe zu Straßburg wohler fühlte als in der Enge seiner Heimatstadt. Nach dem Krieg arbeitete er als Übersetzer für die Franzosen – er sprach auch Arabisch und Türkisch. Versuche, seine Romane neu herauszubringen, scheiterten. Seine umfangreiche Lebensgeschichte, an der er arbeitete, landete nach seinem Tod in der Mülltonne. Von einer Nichte kaufte Oberkirch Reste des Nachlasses auf, die sich heute im Heimatmuseum befinden.

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