Serienauftakt

ARZ widmet sich zur Fußball-WM Russlanddeutschen in Achern

Autor: 
Stefan Bruder
Lesezeit 3 Minuten
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24. Mai 2018
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Das Wochenblatt Russkaja Germanija (Russisches Deutschland) an einem Zeitungsstand in der Acherner Hauptstraße: Russischsprachige Menschen, meist Spätaussiedler, gibt es in Achern viele – nicht immer erkennt man sie als solche.

(Bild 1/2) Das Wochenblatt Russkaja Germanija (Russisches Deutschland) an einem Zeitungsstand in der Acherner Hauptstraße: Russischsprachige Menschen, meist Spätaussiedler, gibt es in Achern viele – nicht immer erkennt man sie als solche. ©Stefan Bruder

Zur Fußball-WM in Russland veröffentlicht die Acher-Rench-Zeitung eine Serie zu Russlanddeutschen in Achern. Wer sind sie und woher kommen sie? Was verbinden sie mit ihrer alten und neuen Heimat und gibt es »den Russlanddeutschen« überhaupt? Eine Spurensuche.

Läuft man durch  Achern, begegnet man oft Russisch sprechenden Menschen, aber in den meisten Fällen nimmt man sie als solche gar nicht wahr. Vor allem die zweite und mittlerweile sogar dritte Generation der erst in großen Zahlen seit Ende der achtziger Jahre nach Deutschland gekommenen Spätaussiedler ist bestens integriert und kennt keine Sprachbarrieren. Nicht wenige wollen gar nicht als Zugezogene aus dem Osten wahrgenommen werden. 

»Viele fragen, ob ich aus Frankreich komme, und in Berlin hat man mir schon mal gesagt ›Grüße an die Schweiz‹«, meint etwa Lilli Gelbling (39) lachend, mit Blick auf ihren leichten Akzent. Die Acher-Rench-Zeitung porträtiert die in Usbekistan geborene Russlanddeutsche, die 1990 in die BRD ausreiste, in einem der folgenden Serienbeiträge.

Wie viele Russlanddeutsche es in Achern und dem Umland gibt, weiß keiner genau. Der Grund dafür ist einfach: Russlanddeutsche haben – etwa im Vergleich zu türkischstämmigen Mitbürgern – stets den deutschen Pass, eine doppelte Staatsbürgerschaft gibt es für sie nicht. »Eine Selektion aus dem Einwohnermelderegister ist nicht möglich, da dieser Personenkreis die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und somit kein Unterscheidungsmerkmal vorhanden ist«, erklärt dazu die Acherner Stadtverwaltung auf Anfrage.

Neue Heimat gefunden

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In Achern gehören die Danziger Straße und die Omerskopfstraße zu jenen Orten, wo besonders viele eine neue Heimat gefunden haben. Mitunter leben hier Menschen nebeneinander, die einst schon in Russland oder Kasachstan Nachbarn waren. In letzterer Straße gibt es sogar einen »Russenmarkt«. Das Geschäft verkauft nicht nur aus dem Osten importierte Lebensmittel, die viele Russischsprachige hierzulande mit Heimat verbinden, sondern ermöglicht auch ein Gespräch unter Seinesgleichen. »Wir sind wie eine große Familie«, erklärt Inhaberin Olga Weber-Oldenburg.

Aber auch in Schulen und Vereinen spiegelt sich »russlanddeutsches Leben« wider: Das Acherner Gymnasium zum Beispiel bietet seit 2013 einen Schüleraustausch mit einem Moskauer Gymnasium an. Treibende Kraft auf deutscher Seite ist Lehrerin Inna Weis (50), die selbst aus Wolgograd, dem einstigen Stalingrad, stammt. »Da entstehen Freundschaften«, weiß die Pädagogin aus Erfahrung. 

Wie es um die Integration der Russlanddeutschen aus Behördensicht bestellt ist und mit welchen Schwierigkeiten sich vor allem in den Anfangsjahren viele Neuankömmlinge konfrontiert sahen, weiß Dietmar Seiler-Fritsch. Der Sozialarbeiter des Diakonischen Werks im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau hat seit fast 30 Jahren beruflich mit ihnen zu tun – und hat sich auch schon vor Ort in Russland und Kasachstan umgeschaut. Sein Fazit: »Die meisten Spätaussiedler haben Arbeit und keine großen Probleme«, sagt er im Interview zum Serienauftakt.

Aus der städtischen Kindertageseinrichtung St. Nikolaus in der Berliner Straße, die von vielen russlanddeutschen Kindern besucht wir, berichtet in einer weiteren Folge Erzieherin Naciye Celik über ihre Erfahrungen aus dem Alltag.
 

Hintergrund

Begriffsfrage/Geschichte

Begriffsfrage
Russlanddeutsche ist ein Sammelbegriff für »Deutsche aus Russland«; er bezeichnet aber auch jene Deutschstämmige, die aus sonstigen ehemaligen Sowjetrepubliken einwanderten. So kommen zum Beispiel viele Russlanddeutsche aus Kasachstan; Russland selbst kennen viele von ihnen nur als Durchgangsstation nach Westen, wenn überhaupt. 

Im amtlichen deutschen Sprachgebrauch wird der Begriff Aussiedler genutzt: Gemeint sind deutsche Staatsangehörige oder Volkszugehörige und ihre Angehörige, die bis Ende 1992 aus den einstigen Ostblockstaaten einwanderten. Spätaussiedler werden diejenige genannt, die ab 1993 hierher kamen. 

Zu den bekanntesten Russlanddeutschen gehören die 1984 im sibirischen Krasnojarsk geborene Sängerin Helene Fischer und der aus Moskau stammende Schriftsteller Wladimir Kaminer.
Geschichte

Zu den ursprünglichen Siedlungsgebieten der Russlanddeutschen – die ersten kamen auf Einladung der aus Deutschland stammenden Zarin Katharina II. im 18. Jahrhundert – gehören der Wolga-Raum, die Krim, der Kaukasus und später Westsibirien. Nach dem Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion 1941 ließ Stalin die Russlanddeutschen aus Angst vor einer möglichen Kollaboration mit dem Feind nach Sibirien und Kasachstan deportieren. Die meisten Russlanddeutschen siedelten ab den 80er Jahren, vor allem aber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, in die BRD über. Heutzutage gibt es nur noch wenige Verbliebene im Osten. bru

Geschichte

Zu den ursprünglichen Siedlungsgebieten der Russlanddeutschen – die ersten kamen auf Einladung der aus Deutschland stammenden Zarin Katharina II. im 18. Jahrhundert – gehören der Wolga-Raum, die Krim, der Kaukasus und später Westsibirien. Nach dem Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion 1941 ließ Stalin die Russlanddeutschen aus Angst vor einer möglichen Kollaboration mit dem Feind nach Sibirien und Kasachstan deportieren. Die meisten Russlanddeutschen siedelten ab den 80er Jahren, vor allem aber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, in die BRD über. Heutzutage gibt es nur noch wenige Verbliebene im Osten. bru

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