Hogut in Ottersweier

Aspichhof: Wein- und Gemüseanbau top, Obstbau flop

Autor: 
Joachim Eiermann
Lesezeit 3 Minuten
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17. August 2019
Verkaufsschlager Tomaten: Simon und Ewald Glaser (rechts) im Gewächshaus der Aspichhof-Gärtnerei.

Verkaufsschlager Tomaten: Simon und Ewald Glaser (rechts) im Gewächshaus der Aspichhof-Gärtnerei. ©Joachim Eiermann

Die Krise in der Landwirtschaft endet nicht vor den Scheunentoren des Aspichhofs. »Im Agrarbereich wird kein Stein auf dem anderen bleiben«, malt Ewald Glaser, Geschäftsführer des gemeinnützigen Landkreis-Betriebs, ein allgemein düsteres Bild. Dennoch freuen sich alle auf das beliebte Hoffest am 25. August.

»Wir befinden uns in einer Sandwich-Position.« Auf der einen Seite ein von der Parole »Geiz ist geil« getriebener Handel, auf der anderen der Preisdruck steigender Erzeugerkosten bei Betriebsstoffen, Maschineneinsatz und Löhnen, skizziert Aspichhof-Geschäftsführer Ewald Glaser die Situation.

Weniger im Ackerbau als vielmehr bei den Sonderkulturen spürt der oberhalb von Ottersweier gelegene, mehr als 750 Jahre alte Gutshof die Auswirkungen eines ruinösen Wettbewerbs durch immer billigere Importe. Erste Konsequenz: Ein Hektar Land mit Zwetschgenbäumen, die altersbedingt gerodet wurden, wird zunächst nicht wieder mit Obst bestückt. Das Gleiche kündigt Glaser im nächsten Jahr für einen 0,5 Hektar großen Bestand an alten Apfelbäumen an. Der Obstbau, derzeit noch auf neun Hektar betrieben, sei zum Drauflege-Geschäft geworden. »Wir warten ab, wohin die Reise geht.«

Regen gut verteilt

Über die Witterung will Glaser indes nicht klagen: »Wir kommen über die Runden.« Zwar habe es auch in diesem Jahr insgesamt zu wenig geregnet, aber immerhin seien die Niederschläge gut verteilt, sodass nur beim Mais Ertragseinbußen von etwa 20 Prozent zu erwarten seien. Die Landwirtschaft werde sich langfristig jedoch umstellen müssen: auf neue Getreide- und Maissorten, die besser mit der Trockenheit zurechtkommen.

Eine soziale Aufgabe des Aspichhofs ist es, psychisch Kranken ein Zuhause und eine Arbeit, entsprechend ihren Fähigkeiten, zu geben. Acht Personen wohnen derzeit betreut auf dem Hofgut, zwei Plätze sind frei. Unerlässlich sei das Probewohnen neuer Interessenten, bevor sie in die Gemeinschaft aufgenommen werden, so Glaser. Außerdem packen sieben Integrationskräfte mit eingeschränkter Belastbarkeit bei der Hofarbeit mit an. Insgesamt arbeiten 35 Voll- und Teilzeitkräfte auf dem vielseitig aufgestellten Hof.

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Das »wichtigstes Projekt in diesem Jahr«, so Glaser, war die Verlagerung der Bäckerei ins Weinbrennerhaus – mit der Eröffnung des Cafés am Park, dessen Betrieb »super angelaufen« sei. Zur Zufriedenheit der Bäckereimitarbeiter habe auch die Einführung des arbeitsfreien Montags beigetragen.

Im Hofladen nehme der Weindirektabsatz seit Jahren zu. Ewald Glaser: »Vor allem der Sauvignon blanc wächst als Nischenprodukt stark.« Auch der trockene Rotwein-Cuvee »1265« finde viel Beachtung. Angedacht sei, die Palette um einen Rosé oder Spätburgunder Weißherbst zu ergänzen.

Betriebsleiter Simon Glaser: »Wir vermarkten 15 Prozent unseres Weins selbst.« Der große Rest wird seit jeher von den Affentaler Winzern ausgebaut und vertrieben. »Derzeit sieht alles nach einer normalen Lese 2019 aus.« Bis zum Bühler Zwetschgenfest wolle man wieder Müller-Thurgau für Neuen Wein lesen, kündigt Simon Glaser an.

Joghurt ohne Stabilisator

Ein Renner im Hofladen seien das Gemüse, insbesondere die Tomaten, gezogen in der eigenen Gärtnerei, mit neuen wie altbewährten Sorten von der kirschförmigen Super­sweet bis zum fleischigen Ochsenherz. Einer regen Nachfrage erfreut sich dem Juniorchef zufolge auch das kleine Sortiment an Käse, über den traditionellen Rahmkäse hinaus. Reißenden Absatz fänden zudem die ohne den Zusatz von Stabilisatoren gefertigten Joghurts aus der hofeigenen Molkerei.

Der Aspichhof profitiert davon, seine Milch selbst verarbeiten und vermarkten zu können. Wie es um diesen urbäuerlichen Erwerbszweig bestellt ist, zeigt folgende sich abzeichnende Entwicklung. »Ende des Jahres werden wir der letzte Ottersweierer Betrieb mit Milchviehhaltung sein«, schildert Ewald Glaser.

Stichwort

Hoffest im Zeichen des Mais’

»Die Maispflanze wird schlechter geredet, als sie ist«, ist Aspichhof-Betriebsleiter Simon Glaser überzeugt. Beim anstehenden Hoffest am letzten August-Sonntag will man auf dem Hofgut deshalb per Ausstellung mit vielen Vorurteilen aufräumen und beim Thema Mais ein wenig zur Versachlichung beitragen, sagt Geschäftsführer Ewald Glaser.

Immerhin könne ein Hektar Mais mindestens ebenso viel CO2 binden wie die gleiche Fläche Wald. Und auch der Humusgehalt des Bodens werde durch den Maisanabau nicht automatisch gesenkt: Dies geschehe nur beim Anbau für Biogas, wenn die komplette Pflanze abgetragen werde. Pflanze man Körnermais an, steige der Humusgehalt sogar noch, weil nach der Ernte ein Großteil der Maispflanze auf dem Feld bleibe.

Die Ausstellung ist aber nur eine von vielen Attraktionen, die für die Besucher beim Hoffest zur Verfügung stehen. In den Vorjahren kamen über den Tag verteilt um die 2500 Besucher auf den Hof, der in allen Produktionsbereichen Menschen mit Handicap beschäftigt.

Los geht es wie im Vorjahr bereits am Freitagabend, 23. August, mit einem Feierabendhock. Start ist um 18 Uhr, ab 19 Uhr sorgt die Blaskapelle Schießpulver für Stimmung.

Das eigentliche Hoffest am 25. August beginnt um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst. Festprediger ist Jürgen Württemberger. Gegen 10.30 Uhr startet dann das Fest, das bis zum späten Nachmittag dauert. Besonders voll wird es stets um die Mittagszeit, wenn ein Mittagessen mit Produkten des Aspichhofs serviert wird.

Es gibt zum Beispiel Führungen durch Ställe, Molkerei, Imkerei und Eierbrüterei. Auch alle Bewohner, alle Menschen mit Handicap haben an dem Tag ihre Aufgabe, wie Ewald Glaser betont. »Das ist ein Stück weit deren Fest.« Es spiele für alle eine wichtige Rolle.

Für Kinder gibt es kein klassisches »Bespaßungsprogramm«, wie Ewald Glaser deutlich macht. Stattdessen können sie eine Strohburg bauen. Das mache den Kindern stets viel Spaß, so Glaser. Außerdem gibt es wie in der Vergangenheit wieder ein Quiz, und am Ende werden als Höhepunkt Kräutergewächshäuser bepflanzt, die jedes Kind mit nach Hause nehmen darf.sre

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