Bad Peterstal-Griesbach

Augen-Bus stoppte in Peterstal

Autor: 
Jutta Schmiederer
Lesezeit 3 Minuten
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29. September 2017
Klaus-Martin Beskes erläutert die Handhabung eines Bildschirmlesegerätes, im Hintergrund arbeitet Augenarzt Rainer Dünzen.

Klaus-Martin Beskes erläutert die Handhabung eines Bildschirmlesegerätes, im Hintergrund arbeitet Augenarzt Rainer Dünzen. ©Jutta Schmiederer

Der Augen-Bus war am Dienstag am Gesundheitshotel in Bad Peterstal. Acht Patienten hatten sich für den ambulanten Service angemeldet.

Wenn das Lesen der Zeitung immer schwerer fällt und schließlich  unmöglich wird, das Gegenüber im Café nur noch undeutlich zu erkennen ist, dann versagen die Augen ihren Dienst. Um die Sehkraft möglichst lange zu erhalten, eine Verschlimmerung,  Schmerzen oder sogar drohende Blindheit zu verhindern, ist Hilfe  eines Augenarztes notwendig. 

Im ländlichen Raum sind diese Fachärzte relativ selten, die  Wege oft weit und für den Patienten mühevoll. Hier springt der Augen-Bus in die Bresche, der seit 2016 Arzt, Ausrüstung und Beratung in einzelne Orte im ländlichen Raum und damit zu den  Patienten bringt. In Bad Peterstal-Griesbach machte der Augen-Bus am Dienstag beim Gesundheitshotel Das Bad  Peterstal Station. 

Barrierefreiheit

Ausgewählt wurde dieser Ort, weil hier ein barrierefreier Zugang möglich war  und der Saal durch die Leitung des Hauses zur Verfügung gestellt wurde. Acht Patienten hatten  sich angemeldet, um sich untersuchen und beraten zu lassen. »Durchschnittlich haben wir etwa  vier oder fünf Anmeldungen«, erklärt Vanessa Nicklaus das Angebot richtet sich dabei speziell an  schwer Sehbehinderte und Blinde. Erste Anlaufstelle der Patienten war Claudia Baer, Krankenschwester der Augenklinik in  Freiburg. Sie nahm die Daten auf, klärte in einem ersten Gespräch, wie es den Patienten ging und  assistierte dem Augenarzt. 

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Mit aufwändigen Gerätschaften, die im Kleinbus transportiert und an  jedem Ort aufs Neue auf- und wieder abgebaut werden müssen, untersuchte Facharzt Rainer  Dünzen seine Patienten. Rezepte oder Verordnungen darf er nicht ausstellen. Aber er kann  Empfehlungen aussprechen, über Krankheiten und Möglichkeiten beraten und seine  Untersuchungsergebnisse und Ratschläge auch an den Augenarzt weiterleiten, der die Patienten  weiterbetreut. 

Auch wenn er selbst schon Rentner ist, so liegen ihm die Patienten doch am  Herzen. Vanessa Nicklaus übernimmt die Aufgabe, mit den Sehbehinderten und Blinden einen  Fragebogen auszufüllen. Die katholische Hochschule Freiburg verwendet die anonymisierten  Daten zu Forschungszwecken. Dabei soll erfahren werden, in welchem Maß die Sehbehinderung die Menschen beeinträchtigt, wie sie selbst ihre Situation bewerten und wie sie damit  zurechtkommen. Parallel kann das Team mehrere Patienten gleichzeitig betreuen. Ein Angebot, das ebenfalls viel Aufbau benötigt, in einer Augenarztpraxis aber kaum angeboten  werden kann, ist die Vorstellung zahlreicher Hilfsmittel, die Menschen mit geringen Sehvermögen helfen können, ihren Alltag besser zu bewältigen.

Elektronische Geräte

Von Lupen über sprechende  Uhren, Farberkennungsgeräte bis zum elektronischen Lesegerät reichte das Angebot.  »Das gibt den Menschen ein Stück Lebensqualität zurück«, so Klaus-Martin Beskes vom Blinden-  und Sehbehindertenverein. »Das habe ich so noch  gar nie probiert«, so die Reaktion einer überraschten Patientin, die erstmals wieder sehen  und lesen konnte, was der Kugelschreiber in ihrer eigenen Hand zu Papier brachte. »So kann ich  auch Formulare wieder selbst ausfüllen«, zeigte sie sich erleichtert. 

Stichwort

Augen-Bus

In einer Kooperation richten Blinden- und Sehbehindertenstiftung Südbaden, Augennetz  Südbaden, die Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg und die  Katholische Hochschule Freiburg das Projekt Augen-Bus aus. Außerdem fördert das Ministerium  für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg dieses Projekt von 2016 bis  2018 finanziell. Medizinisches Gerät und Fachleute verschiedener Gebiete kommen in den Ländlichen  Raum, um dort die Versorgung zu gewährleisten. Neben der augenärztlichen Untersuchung  wird ein großes Augenmerk auf Beratung gelegt. Dabei können die Patienten eine Vielzahl an  Hilfsmitteln ausprobieren, was üblicherweise in  Augenarztpraxen nicht machbar ist. juf

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