Nach Gewaltexzessen mit 300 Jugendlichen

Aus für den Unzhurster Nachtumzug

Autor: 
Gerold Hammes
Lesezeit 3 Minuten
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06. Februar 2014
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(Bild 1/2) Fassungslos: Walter Kautz, Bürgermeister Jürgen Pfetzer und Vertreter der Himbeergeister (von rechts). ©Gerold Hammes

Nach den Gewaltexzessen rund um den Unzhurster Nachtumzug am vergangenen Freitag, wird eine bittere Bilanz gezogen: Der 17. Unzhurster Nachtumzug wird wohl der letzte gewesen sein.

Ottersweier/Bühl – Eine Bilanz des Schreckens und Grauens legten Polizei und Bürgermeister Jürgen Pfetzer zum 17. und zugleich letzten Unzhurster Nachtumzug vor. Ein Mob von 300 Jugendlichen prügelte wahllos auf Besucher ein und zeigte auch vor der Staatsgewalt keinerlei Respekt. Die Polizeibeamten sahen sich üblen Beschimpfungen ausgesetzt und wurden bespuckt. 

Das Ortsoberhaupt sprach von „Fassungslosigkeit“ und „Wut“ in der Gemeinde. Eine kleine, allerdings äußerst gewaltbereite Minderheit habe es geschafft, einer Traditionsveranstaltung den Garaus zu machen. „Dies kommt aber keiner Kapitulation gleich“, betonte Pfetzer, „aber wir müssen die Bevölkerung schützen, die kein Verständnis für solche Horrorszenarien hat.“ Er sprach von „importierter Kriminalität“. Das Gros der zumeist jugendlichen und nicht mal strafmündigen Täter stammt aus dem Raum Lahr, Rastatt und Karlsruhe. Kein einziger Schläger, so Pfetzer, sei in der Gemeinde wohnhaft.

Er forderte von Polizei und Justiz, diesem Mob, der keinerlei Hemmschwelle kenne, „null Toleranz entgegenzubringen“. Diese Kriminellen müssten vielmehr „die volle Härte des Gesetzes spüren. Ansonsten sehe ich keine abschreckende Wirkung, und die Spirale der Gewalt wird weitergehen“. Nach den Vorgängen in Unzhurst hätten viele Festveranstalter auch außerhalb der Fasnachtszeit inzwischen Angst, „dass diese offensichtlich nicht vorhersehbare und beherrschbare Gewaltwelle über ihre Veranstaltungen hereinbricht“.

Selbst die Polizei, die im Laufe des Freitagabends Unterstützung von der Bereitschaftspolizei erhielt, hatte einen schweren Stand. Viele zeigten sich, berichtete der Bühler Revierleiter Walter Kautz, gegenüber den Beamten renitent und ignorierten Platzverweise. Vier Heranwachsende mussten schließlich in Gewahrsam genommen werden. Schockierend für die Einsatzkoordinatoren war auch, dass der Vater eines Mädchens auf dem Revier erschien, nicht aber die Tochter maßregelte, sondern gegen die vorübergehende Gewahrsamnahme aggressiv protestierte und herumbrüllte.

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Elf zum Teil schwer verletze Personen

Die Bilanz der Nacht des Schreckens: Elf Verletzte, von denen drei in Krankenhäuser als Folge von schweren, gemeinschaftlich begangenen Körperverletzungen eingeliefert werden mussten, Diebstahl, Unterschlagung und Sachbeschädigungen. Immerhin: Den Beamten gelang es, die Personalien der meisten Täter zu ermitteln. Der höchste gemessene Promillewert bei einem 18-jährigen Mädchen lag bei 1,8, bei einem 17-jährigen Heranwachsenden bei 2,27 Promille.

Tobias Harter, Vorsitzender der Unzhurster Himbeergeister als Veranstalter des Umzugs, sprach von einer „Katastrophe“ und einem „absoluten Ausnahmezustand“. Aus dem Schock wachse inzwischen Wut. Wolfgang Langer vom Suchtpräventionsprogramm „HaLT“ (Hart am Limit) musste einräumen, dass seine Teams „absolut überfordert waren“. Die bereits angetrunken angereisten Jugendlichen seien „nicht mehr erreichbar“ gewesen. In Verbindung mit Gewaltdelikten seien dann „polizeiliche Maßnahmen“ alternativlos. Er stehe Nachtumzügen skeptisch gegenüber.

Dem Bürgermeister oblag das Schlusswort: „Wir müssen diesen Gewaltexzessen den Nährboden entziehen!“

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