Kinderbuch-Klassiker aufgeführt

Ausverkaufte Halle bei Oberkircher Literaturtagen

Autor: 
Johanna Graupe
Lesezeit 3 Minuten
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21. Oktober 2019

Das „Theater auf Tour“ zeigte den Kinderbuchklassiker mit einem sieben-köpfigen Ensemble in einer ansprechenden Theaterfassung im Rahmen der Literaturtage. ©Johanna Graupe

„Theater auf Tour“ war zu Gast in der Erwin-Braun-Halle mit „Michel aus Lönneberga“ im Rahmen der Literaturtage. Das bedeutete ein komplett ausverkauftes Haus mit vielen Familien an einem verregneten Samstag.
 

1963 schrieb Astrid Lindgren „die ersten kleinen Worte“ für Michel aus Lönneberga nieder. Seither wurde  der Geschichtenzyklus um den fünfjährigen blonden Bauernsohn aus Lindgrens Heimat  weltweit mehr als 30 Millionen Mal verkauft, in 53 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt. Marco Böß hat verschiedene Episoden aus den Michel-Erzählungen als Grundlage für sein Theaterstück benutzt und zu einer Geschichte verwoben, die ebenso lustig wie spannend und berührend ist. 
Die Stadthalle war mit begeisterungsfähigen Experten gut besetzt, die in den Michel-Geschichten schon ganz gut zu Hause waren. Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom frechen Blondschopf, der mehr Streiche ausgeheckt hat als alle anderen Kinder zusammen? Das Besondere an Lindgrens Michel: Er ist dennoch im Grunde ein netter, liebenswerter Kerl. Seine Streiche plant er nicht, sie passieren ganz von alleine. Aber Michel ist auch hilfsbereit, großzügig und mutig – kein Wunder, dass er eine der Lieblingsfiguren von Lindgren war.  So verzeihen ihm seine Familie und Freunde die Ungezogenheiten meist schnell, und die Leser der weltberühmten Bücher sowieso. Die Michel-Geschichten genießen auch heute noch Kultstatus bei Groß und Klein. Lindgrens Botschaft: „Kindheit ist die Spanne Zeit, in der man alles gewinnen muss, was man im Leben braucht.“ Das „Theater auf Tour“ war gut vorbereitet: Die verschiebbaren Kulissen liebevoll naturalistisch gestaltet, die Kostüme  klasse ausgewählt, das Programmheft als großes Ausmal-Poster entworfen, mit direkter Ansprache an das junge und jüngste Publikum verfasst. Ein Problem ist, dass, wenn Erwachsene Kinder spielen,  dies von dem Publikum viel Fantasie abverlangt, glücklicherweise sind Kinder damit meist gut ausgestattet.
In der Inszenierung ist Marc Christopher-Theis ein toller Lausbub, Oda Bergkemper (Jahrgang 1994), absolut klasse als Klein-Ida, gibt das kleine Mädchen mit so viel kindlicher Leichtigkeit und Albernheit, dass man ihr die Rolle abnimmt.  Besonders gefordert war Georg Raisch als Alfred, Doktor und Frau Petrell – gerade die beiden letzteren zum Schreien komisch, wie Lara Gesell aus verliebte Lina. Ebenso mit Doppelrollen ausgestattet sind Ulrich Göke (Bauer Anton, Bulte), Sabine Neudeck (Alma, Polizist). Gemeinsam lassen sie etwa Michel mit dem Kopf in der Suppenschüssel stecken und Klein-Ida am Fahnenmast hochziehen. Den Kindern gefielen die turbulenten Geschichtchen sehr gut, wie dem zwölfjährigen Jonah Roth aus Oppenau, selbst Theaterspieler, der vor allem von dem Bühnenbild beeindruckt war. Langer Applaus der jungen Zuschauer verabschiedete die Schauspieler im Foyer.

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