Amtsgericht Oberkirch

Autofahrer wies Nötigung von sich – und zahlte doch

Autor: 
Peter Meier
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
18. Juni 2019

©Archiv: Rüdiger Keller

Ungerecht behandelt fühlte sich vor dem Amtsgericht Oberkirch ein Autofahrer aus Freiburg. Ihm wurde Nötigung vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft legte dem Angeklagten zur Last, im November 2018 auf der A 5 zwischen Appenweier und Achern auf der Überholspur mit hoher Geschwindigkeit so dicht auf ein anderes Fahrzeugt aufgefahren zu sein, dass dessen Fahrerin die Scheinwerfer im Rückspiegel nicht mehr sehen konnte. Zuvor soll er mehrfach die Lichthupe betätigt haben. Gegen den Strafbefehl wegen Nötigung hatte der Beschuldigte Einspruch eingelegt.

Seine Verteidigerin erklärte, ihr Mandant sei mit einem Firmenwagen auf der Heimfahrt von einer Familienfeier im Ruhrgebiet gewesen. Aufgrund der großen Distanz sei zwischendurch mehrfach seine Frau gefahren. Richter Max Bönnen wunderte sich über diese Stellungnahme, denn der Angeklagte habe gegenüber den Polizisten, die ihn am Arbeitsplatz aufgesucht hatten, die Tat eingeräumt. Das sei ein Missverständnis gewesen, so der Angeklagte. Er sei gefragt worden, wer den Firmenwagen mit diesem Kennzeichen fahre und er habe das auch gleich zugegeben. Er dürfe den Wagen auch für private Fahrten nutzen und dabei seiner Frau das Steuer überlassen. 

Dicht aufgefahren

Die Geschädigte berichtete, dass sie mit einer Freundin auf der Heimfahrt von Pforzheim mehrfach die Lichthupe eines Fahrzeugs direkt hinter ihr zu sehen bekommen habe. Das Fahrzeug sei sehr dicht aufgefahren, ausweichen habe sie nicht können, da auf allen drei Spuren starker Verkehr geherrscht habe. Erkennen konnte sie den Fahrer nicht genau, es sei ein Mann mit kurzen Haarengewesen. Die Freundin sagte, dass sie vor allem auf das Kennzeichen geachtet und dieses notiert hatte. Es sei nur eine Person im Auto gesessen, der Beifahrersitz sei leer gewesen. 

Ein Polizist sagte aus, der Angeklagte habe ihm gegenüber zugegeben, dass er mit dem Firmenfahrzeuge am Tattag unterwegs gewesen sei. Von einer privaten Nutzung oder auch der Frau am Steuer sei keine Rede gewesen. Richter Bönnen setzte einen zweiten Verhandlungstag an, um die Ehefrau des Angeklagten vernehmen zu können. 

- Anzeige -

Sie gab an, mit ihrem Mann ihren Vater besucht zu haben. Die Heimfahrt sei noch am selben Abend erfolgt. Sie sei ab und zu auch gefahren, wenn ihr Mann telefonieren wollte. Auf welchen Streckenabschnitten das gewesen sei, wisse sie aber nicht mehr. 

Richter Bönnen hatte nach wie vor Zweifel und stellte die Frage, ob ein weiterer Verhandlungstag angesetzt werden solle, um den Schwiegervater des Angeklagten und die 14 Jahre alte Tochter, die mit im Fahrzeug saß, zu befragen. Die Verteidigerin regte an, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Die im Strafbefehl geforderten 2000 Euro seien aber deutlich zu viel. Da ihr Mandant keine Eintragungen im Bundeszentral- und im Fahreignungsregister habe, seien 500 Euro ein faires Angebot. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft blieb nach einem Telefonat mit seinen Vorgesetzten bei der Forderung von 2000 Euro. Im Falle einer Verurteilung werde die Staatsanwaltschaft die tatsächlichen Einkünfte des Angeklagten ermitteln und bei der Bemessung des Tagessatzes zugrunde legen – das dürfte noch teurer kommen als der Strafbefehl. 

»Es widerstrebt mit fürchterlich, für etwas zur Verantwortung gezogen zu werden, was ich nicht gemacht habe«, erklärte der Angeklagte nach einer Beratungspause. Als Staatsbürger habe er kein Verständnis dafür, dass den Zeuginnen mehr Glauben geschenkt werde als seiner Frau. Im Unterschied zu seiner Verteidigerin habe er sich entschlossen, das Verfahren zu beenden und »einen Deckel drauf« zu akzeptieren. 

Strafbefehl akzeptiert

Er lehne es ab, dass an einem weiteren Prozesstag sei über 70 Jahre alter Schwiegervater und die 14-jährige Tochter vorgeführt würden. Deshalb sei er für die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 2000 Euro, was anschließend auch von der Staatsanwaltschaft und dem Gericht so akzeptiert wurde.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

vor 1 Minute
Oberkirch will Bauplätze im Schnelldurchgang schaffen
Auf den letzten Drücker will die Stadt Oberkirch drei Baugebiete in Oberkirch, Ringelbach und Bottenau ausweisen. Letzteres weckt bei einem Landwirt Existenzängste. Die Verwaltung gab der Familie in der Gemeinderatssitzung am Montag ein Versprechen.
vor 3 Stunden
Rheinauer Verein
Der Rheinauer Verein „Helfende Hände für Kinder“ stand kurz vor dem Aus. Ein monatelanger Behördenmarathon liegt hinter den Verantwortlichen – wegen dubioser Non-Profit-Organisationen.
vor 4 Stunden
Das "große Los" gezogen
„Segen bringen, Segen sein. Frieden!“ Diesen guten Wunsch dürfen die Sternsinger von Renchen  in diesem Jahr nicht nur ihren Mitbürgern in der Grimmelshausen-Stadt zusagen, sondern auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.  
vor 6 Stunden
Nesselried rüstet sich fürs Jubiläumsjahr
Nesselried rüstet sich für das Jubiläumsjahr: Der Mehrgenerationenplatz vor der Kirche ist fertig. Von September bis Mitte November wurde gebaut. Auch der Marienbrunnen steht und wurde jetzt enthüllt.  
vor 9 Stunden
Investor will bauen
In der Danziger Straße schafft die Stadt Achern auf eigenem Boden neuen Wohnraum. Mehrere Reihenhäuser und auch ein Mehrfamilienhaus mit drei günstigen Wohnungen sind geplant. Damit Letztere finanzierbar sind, bedienen sich die Planer eines Tricks.
vor 12 Stunden
Entscheidung über Ulmer „Ruheforst“ zurückgestellt
Auf das erwartet große Interesse stieß die Sitzung des Ortschaftsrates am Montagabend, die deshalb auch in die Ullenburghalle verlegt wurde. Nach der emotional geprägten Informationsveranstaltung wenige Tage zuvor waren die über 50 Bürgerinnen und Bürger gespannt darauf, welche Empfehlung das...
vor 14 Stunden
Seniorenadventsfeier
Mit einem anspruchsvollen Programm feierten die Senioren 65plus Zusenhofen am  Sonntag in der Freiwaldhalle den Advent. 
vor 14 Stunden
„Politische Kaffeestunde“
Zu einer „politischen Kaffeestunde“ hatte Willi Stächele die Senioren des Landtagswahlkreises Kehl in den Gasthof „Grüner Baum“ einge­laden. 
vor 14 Stunden
Achern
Viel Einsatz kennzeichnet die Arbeit der Ehrenamtlichengruppe Essen auf Rädern in Fautenbach. „Wir hatten ein sehr gutes Jahr, es gab allenfalls kleinere Schwierigkeiten zu überwinden. Aber das ist uns immer auf einfache Weise gelungen“, meinte Koordinator Willi Hodapp bei der Begrüßung. 
vor 14 Stunden
Danke-Feier
Volles Haus und große Anerkennung gab es bei der Ehrenamtsfeier der Gamshurster Ortsverwaltung.
vor 14 Stunden
Mitgliederversammlung in Oppenau
Bei der Mitgliederversammlung der Abteilung Fußball des TuS Oppenau am Montagabend im  Haldenhoftreff standen Vorstandswahlen an. Frank Spinner wurde einstimmig zum  Abteilungsleiter gewählt. Die Positionen des Kassierers und des Vorstands Jugend wurden neu  besetzt.
vor 14 Stunden
Festgottesdienst
. „Ein großes Fest lasst uns feiern“, unter diesem Motto fand am Sonntag der Jubiläumsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Bad Peterstal statt.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • vor 21 Stunden
    Triberger Weihnachtszauber 2019
    Wenn die Weihnachtsmärkte schon abgebaut sind, lädt der „Triberger Weihnachtszauber“ vom 25. bis 30. Dezember zu einem romantischen Weihnachtsspektakel ein. Mehr als eine Million Lichter verwandeln den Schwarzwald an Deutschlands höchsten Wasserfällen in ein funkelndes Wintermärchen!
  • 09.12.2019
    Gravuren, Reparaturen, Anfertigungen
    Bei Juwelier Spinner dreht sich alles um Schmuck und Uhren. Aber nicht nur edle Accessoires lassen sich hier finden – es gibt auch einen ausgezeichneten Service mit vielen weiteren Dienstleistungen.
  • 06.12.2019
    Durbach
    Vorspeise, Hauptspeise, Dessert – das kann jeder. Das Hotel Ritter in Durbach geht dagegen andere Wege. Mit [maki:‘dan] haben die Hoteleigentümer Ilka und Dominic Müller nichts anderes als die Revolution im Ritter eingeleitet. Was dahintersteckt.
  • 02.12.2019
    Freistett
    Ob zu Weihnachten, zum Geburtstag oder zu einem besonderen Anlass: Edle Spirituosen sind ein beliebtes Geschenk. Wer aber das besondere Etwas sucht, wird bei „Getränke Hetz“ in Rheinau-Freistett fündig – denn dort ist die Auswahl wahrlich gigantisch!