Bad Peterstal-Griesbach

Bad Peterstal-Griesbach: Bergfriedhof bleibt Bergfriedhof

Autor: 
Rüdiger Knie
Lesezeit 3 Minuten
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13. September 2017
Rund um den Engel auf dem Friedhof in Bad Peterstal ist ein anonymes Gräberfeld angelegt.

Rund um den Engel auf dem Friedhof in Bad Peterstal ist ein anonymes Gräberfeld angelegt. ©Rüdiger Knie

Auf Auswärtige mögen die Friedhöfe in Bad Peterstal und Bad Griesbach wirken, als seien sie schlecht zugänglich. Gebaut an steile Hänge. Die Einheimischen haben gelernt, mit ihren Bergfriedhöfen umzugehen.

Mit einem Leserbrief hatte eine Oberkircher ARZ-Leserin Mitte August für Aufsehen gesorgt. Sie beklagte, dass die Wanderwege in Bad Peterstal-Griesbach Priorität vor notwendigen Sanierungen auf dem Friedhof hätten. Sie hatte mit ihrer behinderten Schwester, die schlecht zu Fuß ist, das Grab einer Verwandten auf dem Friedhof in Bad Peterstal besucht. 

Unebene Stufen auf den Sandsteintreppen, kaum Möglichkeiten zum Festhalten und zu wenig Platz zwischen den Grabreihen hatte sie kritisiert. »Wir konnten uns glücklich schätzen, die letzte Ruhestätte unserer Verwandten über wacklige Bodenplatten ohne Sturz überstanden zu haben.« Für Menschen, die einen Rollator oder Rollstuhl benötigten, seien dies katastrophale Zustände. 

»Wir versuchen die Situation zu verbessern so gut es geht«, reagiert Bürgermeister Meinrad Baumann auf die Kritik. Und da sei in den vergangenen Jahren »mit erheblichem Einsatz des Bauhofes« einiges passiert. 430 000 Euro habe die Gemeinde in den vergangenen fünf Jahren für den Friedhofsbetrieb aus Haushaltsmitteln zusätzlich bereitgestellt. »Mit dem Bauhofleiter Herbert Bruder als gelerntem Maurermeister verfügt die Gemeinde über einen Experten für diese Arbeiten«, erklärt der Bürgermeister.

Teile der Mauern, Treppen und Geländer hätten erneuert werden können. Einige Wege konnten so verbreitert und asphaltiert werden, dass sie inzwischen auch für Arbeitseinsätze benutzbar sind. »Wenn wir eine Mauer erneuern, müssen wir das entlang einer ganzen Grabreihe tun«, beschreibt Hauptamtsleiter Matthias Börsig das Vorgehen. Er betreut in der Verwaltung die Arbeit auf den Friedhöfen. Die Sandsteinmauern zwischen zwei Grabreihen zu erneuern sei aber aus Platzgründen alles andere als einfach. Durch Außerdienststellungen von Grabfeldern versuche die Gemeinde Platz für breitere Wege zu gewinnen. »Da gibt es aber berechtigte Bedürfnisse der Angehörigen.« Gerade bei Kaufgräbern müssten Ruhe- und Nutzungszeiten beachtet werden. »Bis einige Mittelwege gebaut werden können, kann es deshalb noch 30 bis 40 Jahre dauern«, berichtet Börsig.

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Neue Bestattungsformen

Außerdem komme die Gemeinde dem Wunsch nach neuen Bestattungsformen entgegen, was zusätzliche Investitionen erfordert. So entstanden in Bad Griesbach und Bad Peterstal Urnenfelder, rund um den weithin sichtbaren Engel in Bad Peterstal ein anonymes Grabfeld. Der Platz für ein gärtnergepflegtes Grabfeld ist bereits ausgeguckt, die Entscheidung darüber soll im Herbst der Gemeinderat treffen. Der Wandel in der Bestattungskultur führt inzwischen dazu, dass nicht mehr alle Erdgräber belegt werden. In einigen Grabreihen entstehen Lücken. An diesen Stellen lasse der Bauhof Randsteine der ehemaligen Gräber bewusst liegen. Was für den Betrachter unschön sein könne. »Damit wollen wir Erdrutsche und Erosion an den Steilhängen eindämmen«, erklärt der Hauptamtsleiter. 

Über eines sind sich die Baumann und Börsig beim ARZ-Ortstermin einig: »Einen komplett barrierefreien Zugang zu den Grabstätten wird es in Bad Peterstal und Bad Griesbach aufgrund der Hanglage nie geben.« Baumann ergänzt, man könne als Gemeinde auch nicht alle Kräfte ins Bestattungswesen stecken. In Bad Griesbach hat die Gemeinde 2016 die Leichenhalle saniert und eine behindertengerechte Toilette angebaut. 

Keine Unfälle

»Die Instandhaltungsarbeiten auf den Friedhöfen sind eine Daueraufgabe«, sagt der Bürgermeister. »Wir versuchen abwechselnd in Bad Peterstal und Bad Griesbach tätig zu werden.« Auf Sicherheitsaspekte angesprochen, stellt Börsig fest, dass keine Unfälle auf den Friedhöfen gemeldet worden seien.

Kommentar

Barrieren unvermeidlich

Von Rüdiger Knie

Ein Bergfriedhof ist ein Bergfriedhof ist ein Bergfriedhof. Die letzte Ruhestätte in Bad Peterstal wird nie eine barrierefreie Parkanlage werden wie der Friedhof in Oberkirch. 

Zu steil sind dort die Hänge, an denen seit Generationen die Menschen beerdigt werden. Treppen wird es dort immer geben, die gerade für Ältere und Gehbehinderte kaum zu bewältigen sein können.

Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten von Bad Peterstal-Griesbach beseitigt die Gemeinde Schäden und modernisiert ihre beiden Friedhöfe. Doch welche Gemeinde kann und will den Großteil ihres Budgets in Friedhofsarbeiten investieren – um dort am Ende womöglich Treppenaufzüge einzubauen.

Und wer möchte wegen breiterer Wege die letzte Ruhe der Vorfahren in gekauften Familiengräbern stören. Deshalb  kann es noch Jahrzehnte dauern, bis einige Grabplätze mit besseren Wegen zugänglich gemacht werden können.

Der Preis, den Einheimische und auswärtige Angehörige dafür zahlen müssen: Nicht immer wird jedes Grab für jeden Verwandten gut zugänglich sein. Die Grabpflege werden in Einzelfällen Jüngere übernehmen müssen. Das muss man nicht gut finden und das darf man auch sagen. Doch es lohnt sich, vorher einen Schritt zurückzutreten und auf die Realität des Friedhofs in Bad Peterstal zu schauen. Dort müssen gehbehinderte Menschen eigenverantwortlich entscheiden, was für sie möglich ist. 

@ Wie ist Ihre Meinung? 
Schreiben Sie an
ruediger.knie@reiff.de 

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