Brigitte Roth aus Kappelrodeck sprach in Achern

Bert Brechts Großmutter Karoline besser kennengelernt

Autor: 
Michael Karle
Lesezeit 3 Minuten
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10. November 2018
Brigitte Roth brachte dem Acherner Publikum Bert Brechts Großmutter Karoline näher.

Brigitte Roth brachte dem Acherner Publikum Bert Brechts Großmutter Karoline näher. ©Michael Karle

Bert Brechts Acherner Großmutter, Karoline Brecht, geborene Wurzler, einer vom großen Klassiker des frühen 20. Jahrhunderts als »unwürdige Greisin« beschriebenen Frau näher zu kommen, war Ziel eines Abends mit Brigitte Roth in der Bücherei Osiander in Achern.

Mit vielen Besuchern von Christine Kleber willkommen geheißen, stellte die in Kappelrodeck wohnende Germanistin Brigitte Roth Bert Brechts Großmutter mit viel Gefühl und Berichten des Bert-Bruders Walter aus dessen 1984 geschriebenen Memoiren »Unser Leben in Augsburg, damals« vor. Roth: »Mein Ausgangspunkt waren der 120. Geburtstag des Dichters und der Wunsch, der historischen Distanz zwischen Brecht und Achern auf die Spur zu kommen.«

Die Einführung gestaltete Brigitte Roth mit Bert Brechts 1939 im Exil verfasster Kurzgeschichte von der unwürdigen Greisin, in der Brecht seiner Großmutter ein 60 Jahre währendes »Leben der Knechtschaft« zuschreibt, dem zwei Jahre der »kurzen Freiheit« folgten. Die »Ironie des Titels« werde vielfach nicht erkannt, monierte Roth mit Walter Brecht. Die Erzählung sei ein feines literarisches Denkmal der Würdigung seiner Oma und ihrer inneren Einstellung.

Im Acher-Felsenbad

Viel Interesse erhielt die Vortragende mit Details aus der Acherner Welt um die Jahrhundertwende, der häufiger von Walter als seinem älteren Bruder Bert genutzten Großmutter-Ferien. Die nicht undramatischen Besuche der Brecht-Brüder im Felsenbad an der Acher gehörten ebenso dazu wie das Erlernen des Radfahrens auf dem Weg von der Wilhelmshöhe zur Landstraße hinunter und das Geschrei des ansonsten ruhigen, aber doch temperamentvollen, bei Zornausbrüchen bis zum Hotel Adler zu hörenden Großvaters.

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Dass der Schaukelstuhl in Omas Wohnung für den Enkel das wichtigste Möbelstück war, regte das Vorstellungsvermögen der Hörer ebenso an wie der Birnbaum mit zweierlei Sorten und der Schweinestall nebenan.

Für die kleinen Leute

Karoline Brecht wird als Frau beschrieben, die ihre Enkel bei den Besuchen gerne versorgt hat, angesichts der Ereignisse des Ersten Weltkriegs über dem Streit der Enkel in verschiedenen Lagern betete. Nicht zuletzt, so Brigitte Roth mit Walter Brecht, sei sie in ihrer Lebenshaltung, »schweigend Partei für die kleinen Leute« zu sein, vielleicht Vorbild für den rebellischen Enkel gewesen.

Dass Bert Brecht bei allen politischen, beruflichen und persönlichen Entscheidungen, »seine gesellschaftliche Klasse« zu verlassen, allem Anschein zum Trotz viel Anerkennung für die Seinen hatte, habe sich nicht zuletzt auch darin gespiegelt, dass der in Achern geborene Vater Berthold Brecht im dritten Reich noch nach Straßburg gefahren sei, um Bücher seines Sohnes vor dem Verbrennen zu retten.

»Er, der immer frei war, macht die Kinder frei«, charakterisiert Bert Brecht seinen Vater in der »Ode an den Vater«, während er nach dem frühen Tod seiner geliebten Mutter die Frage aufwirft, die aktuell bleibt. »Warum sagen wir das Wichtigste nicht...Leichte Worte waren es, dicht hinter den Zähnen, waren herausgefallen beim Lachen und wir ersticken daran in unsrem Halse.«

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