Freizeit hat Vorrang vor Geld

Betriebsräte-Netzwerk Renchtal beleuchtete den Arbeitsmarkt

Autor: 
Peter Meier
Lesezeit 3 Minuten
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20. Juni 2019
Die Mitglieder des Betriebsräte-Netzwerks Renchtal tauschten sich aus.

Die Mitglieder des Betriebsräte-Netzwerks Renchtal tauschten sich aus. ©Peter Meier

Lieber mehr Freizeit als mehr Geld: Diese Priorisierung vieler Mitarbeiter kommt derzeit insbesondere den Automobilzulieferern zugute. Das kam bei einem Treffen des Betriebsräte-Netzwerks Renchtal ebenso zur Sprache wie der anhaltende Fachkräftemangel.

 Mit einem breiten Spektrum an Themen befassten sich die Teilnehmer des jüngsten Treffens, zu dem die Mitglieder des Betriebsräte-Netzwerks Renchtal in den Räumen des Betriebsrats der Papierfabrik August Koehler SE zusammenkamen. In diesem Gremium sind Betriebsräte von Firmen vor allem aus dem Renchtal sowie der Stahlwerke Kehl mit insgesamt gut 7000 Mitarbeitern vertreten.

Nach der Begrüßung durch Martin Spraul folgte ein Rückblick auf den Arbeitnehmerempfang des DGB in Oberkirch, bei dem Anfang Mai Martin Kunzmann, Landesvorsitzender des DGB-Bezirk Baden-Württemberg, ein Impulsreferat zum Thema »Reden wir über: Gute Arbeit in einem sozialen Europa« gehalten hatte. Von Teilnehmern wurde der Arbeitnehmerempfang als sehr gut bezeichnet, auch vom Thema und den Diskussionen her gesehen, verbunden mit dem Wunsch, auch künftig Veranstaltungen dieser Art anzubieten. 

Es folgte ein Bericht über Maßnahmen in den Betrieben, die derzeit angesichts der aktuellen Auftragslage geplant sind oder schon ergriffen wurden. Überwiegend war von einer guten Auslastung, aber auch etwas schwieriger gewordenen Auftragslage die Rede, wobei in einigen Branchen die gestiegenen Rohstoffpreise, in anderen die schwächelnde Automobilindustrie eine Rolle spielte. 

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Vereinzelt wurde die Zahl der Wochenstunden von 38 auf 35 teilweise etwas reduziert. Die Betriebe nutzten auch die Möglichkeiten des jüngsten Tarifvertrags in der Metallindustrie, der ab 2019 einen Festbetrag von 400 Euro plus ein tarifliches Zusatzgeld in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatsentgelts anbietet. Beschäftigte, die Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder in Schicht arbeiten, können wählen, ob sie statt des tariflichen Zusatzgelds acht freie Tage nehmen wollen. Die Möglichkeit, zwischen mehr Geld oder mehr Freizeit zu wählen, wurde dabei vereinzelt auch auf sämtliche Mitarbeiter des Betriebs ausgeweitet. Dabei habe sich gezeigt, dass sich die meisten für mehr Freizeit entscheiden, was dazu beiträgt, dass die aktuelle »Konjunkturdelle« in der Automobil-Zulieferindustrie besser bewältigt werden kann.

100 neue Mitarbeiter

Die Betriebsräte Martin Spraul, Thomas Lampart und Gebhard Müller informierten auch mit Bildern über die aktuelle Großbaustelle in Kehl, wo sich Koehler mit einer Investition von über 300 Millionen Euro für die Zukunft aufstellen will. Ziel sei es, mit der neuen Fertigung flexible Verpackungen zu produzieren, die künftig Kunststoffe ersetzen sollen. Der Zeitplan sieht vor, bis Ende des Jahres mit der Papierproduktion auf der PM 8 beginnen zu können, die Streichmaschine soll bereits etwas früher den Betrieb aufnehmen. Für die Anlage wurden bereits gut 100 Mitarbeiter neu eingestellt.

Damit war man beim Bericht aus den Betrieben, wobei der Mangel an Fachkräften ebenso ein Dauerthema war wie die große Schwierigkeit, Auszubildende zu finden. Zur Sprache kam auch die sinkende Bereitschaft, Nachtschichten zu übernehmen, wobei es nicht nur ältere Arbeitnehmer sind, die mit solchen Wünschen auf die Betriebsräte zukommen. Des Öfteren werden auch entsprechende ärztliche Atteste vorgelegt, die eine Nachtschichtarbeit aus gesundheitlichen Gründen untersagen. Der Einsatz solcher Mitarbeiter im Durchfahrbetrieb gestalte sich recht schwierig, so Spraul. Das gelte auch für Anträge, eine Teilzeitbeschäftigung im Schichtbetrieb organisatorisch umzusetzen.

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