Appenweier

"Bier-Abend" im Urloffener Bürgerzentrum

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 3 Minuten
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03. Mai 2017

Berthold Bier auf der Bühne des Bürgerzentrums Urloffen – er liebt kluge Chansons und den hintergründigen Witz. ©Michael Müller

Einen amüsanten Kleinkunst-Abend erlebten die Besucher am Freitag im Bürgerzentrum Urloffen. Berthold Bier aus Renchen setzte dabei eher auf leise Töne und hintersinnigen Witz – mit Erfolg.

Dass aus Lehrern mal Kleinkünstler werden ist durchaus nichts Ungewöhnliches. Auch Berthold Bier ist diesen Weg gegangen. Als Jugendlicher bereits begann er Gitarre zu spielen; später war er lange Jahre Lehrer an der Schauenburg-Grundschule in Urloffen. Jetzt möchte er durchstarten – mit Liedern, die ihn sein ganzes Leben begleitet haben, aber auch mit Texten, in denen er Allzu-Menschliches aufs Korn nimmt. Im Bürgerzentrum Urloffen wagte er sich erstmals mit einem abendfüllenden Kleinkunst-Programm auf die Bühne. 
Berthold Bier ist keine »Rampensau«, kein Dampfplauderer. Er setzt eher auf die leisen Töne. Den ganzen Abend durchzieht eine heitere Gelassenheit, die zum Zuhören animiert und in der auch Berthold Bier selbst sich wohl fühlt. Ihm ist wichtig, dass die Botschaft ankommt, dass die Zuhörer wirklich was mit nach Hause nehmen und dass das, was in den Liedern und Texten steckt, nicht einfach an ihren Ohren vorbeirauscht.
Und was er dann dort auf der Bühne präsentiert, ist wirklich das genaue Hinhören wert. Er liebt kluge Chansons – vor allem von Reinhard Mey, Jacques Brel, Hannes Wader oder Georg Kreisler –, die er auch sehr kundig und mit feinem Picking zur Gitarre vorzutragen versteht. Gern textet er auch anderer Leute Lieder um: Aus Frank Sinatras Klassiker »My Way« macht er ein Liebeslied an seine Brille; aus Umberto Tozzis Hit »Ti Amo« macht er ein Loblied auf den Thermomix, das Liebslings-Küchengerät aller Hausfrauen, das aber auch für Männer sehr nützlich sein kann (etwa zum Grünschnitt häckseln oder Farben anrühren), und Herbert Grönemeyer empfiehlt er, er hätte sich angesichts seines heutigen körperlichen Zustands sich in seinen größten Hits mal etwas mehr Gedanken über gesunde Ernährung machen sollen: »Rosenkohl ist dein Sanitäter in der Not.«
Überhaupt ist Berthold Bier  kein verbissener Moralapostel, sondern er verkauft seine Botschaften mit viel hintergründigem Witz – vor allem in seinen Gedichten. Da steckt eine geradezu diebische Lust am Wortspiel drin. Etwa in der Geschichte vom »Sehr-gern-mehr-wär-Bär«, der mit seinem Wunsch-Programm sogar die aller Zauberkräfte mächtige gute Fee hoffnungslos überfordert. Die packt stattdessen lieber das Standardprogramm aus und schenkt ihm ein millionenschwer gefülltes Bankkonto. Aber sein Fell juckt den Bären hinterher immer noch wie Hölle. Merke: »Jeder Wunsch hat seinen Preis.«
Was ihm noch fehlt ist ein schlüssiges Gesamtkonzept: Irgendwie war auf einmal plötzlich Schluss – und das lässt den Zuhörer dann doch ein bisschen ratlos zurück. Aber vielleicht will er das auch gar nicht: Berthold Bier mach’s aus Spaß an der Freud und aus Lust am hintersinnigen Witz mit Botschaft. Und den gab’s an diesem Abend zur Genüge. Die Zuhörer jedenfalls belohnten ihn mit lang anhaltendem Applaus.

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