In Achern und dem Achertal

Bis auf Wagshurst: SPD zieht sich aus Ortschaften zurück

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24. April 2019
Im Acherner Gemeinderat ist die SPD mit zwei Stadträten, Markus Singrün (links) und Patrik Schneider (verdeckt) vertreten und tritt mit einer vollen Listen an. In den Ortschaften machen sich indes die Sozialdemokraten rar.

(Bild 1/2) Im Acherner Gemeinderat ist die SPD mit zwei Stadträten, Markus Singrün (links) und Patrik Schneider (verdeckt) vertreten und tritt mit einer vollen Listen an. In den Ortschaften machen sich indes die Sozialdemokraten rar. ©Archivfoto: Andreas Cibis

Nicht nur bundes- und landespolitisch nimmt der Einfluss der einst großen Volkspartei SPD immer stärker ab. Auch auf kommunaler Ebene ist die SPD kaum noch präsent. Im Raum Achern macht sich das besonders bemerkbar.

 Die SPD ist im Raum Achern derzeit in den Gemeinderäten Achern und Kappelrodeck sowie in den Ortschaftsräten Wagshurst und Waldulm vertreten. In Achern tritt sie mit einer vollen Liste an, in Wagshurst mit neun Kandidaten. Die Aussichten, hier wieder vertreten zu sein, sind also gegeben. In Kappelrodeck sieht es da schon anders aus: Für den Gemeinderat treten bei 18 Sitzen gerade einmal drei Kandidaten an, so dass reine SPD-Wähler hier maximal die Hälfte ihrer 18 Stimmen unterbringen können. Und in Waldulm, wo sie bislang mit einem Sitz vertreten waren, hat die SPD dieses Mal keine Liste gestellt. 

Doch nicht nur in Kappelrodeck war die Kandidatensuche mühsam. Denn 2014 trat die SPD, wenn auch mit meist sehr kleinen Listen, teilweise mit einer Person, in fünf Acherner Ortschaften an. Dieses Mal bleibt gerade einmal Wagshurst übrig. In Fautenbach, Großweier, Önsbach, Sasbachried schickt sie im Gegensatz zu 2014 keine Kandidaten mehr ins Rennen. In Gamshurst waren die Sozialdemokraten schon 2014 nicht mehr dabei. 

Woran liegt das abnehmende Interesse, sich für die SPD in der Kommunalpolitik zu engagieren? 

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Patrik Schneider, Vorsitzender des Acherner SPD-Ortsverbands, verweist besonders auf die Zeit, die vor allem jüngere Frauen und Männer offenbar nicht aufbringen können, um sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. »Viele Junge müssen mit Zweit- und Drittjobs ihren Lebensunterhalt verdienen: auch in den Ortschaften. Dort ist die Jugendarmut versteckt«, so Patrik Schneider. »Viele trauen aber Parteien nicht mehr. Die Folgen des Neoliberalismus werden von den Parteien nicht mehr aufgehalten. Es ist schon haarsträubend, wenn Alleinerziehende mit 1400 Euro Nettolohn 900 Euro Miete abstottern müssen – und dann noch KitaGebühren zahlen«, führt der SPD-Vorsitzende soziale Probleme an. 

Neue Mitglieder

Immerhin habe der Hype um Martin Schulz den Sozialdemokraten einige neue Mitglieder gebracht. In Achern pendele man sich so bei 60 Mitgliedern ein. Einen Rückgang gebe es nicht. Man schaue bei den Acherner Mitgliedern nicht so sehr auf die Ortschaftszugehörigkeit. »Zudem ist kommunalpolitisch eher der Umbau der Kernstadt gefragt. Von daher konzentriert sich Kommunalpolitik mehr auf die Kernstadt, was sich in der Liste spiegelt«, betont Patrik Schneider.

Die SPD setze sich unter anderem für preisgünstiges Wohnen ein, ein Thema, das junge Erwachsene betreffe,  und für Entlastung bei Kindergartengebühren. 
Hält es Patrik Schneider für denkbar, dass sich künftig Listen bilden, die nicht nur SPDler, sondern auch andere, sich für soziale Belange einsetzende Kandidaten einbezieht. »Vielleicht. Demokratie wird sich verändern. Wir brauchen Parteien, die Begeisterung für unser demokratisches System neu entzünden können.  Wenn sich ein sozialökologisches Bündnis anbietet – klasse«, so Patrik Schneider abschließend.

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