Aktuelle zahlen aus Freistett

Blitzer an Fischtreppe zählt mehr Tiere auf Wanderschaft

Autor: 
Josef Budai
Lesezeit 4 Minuten
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14. Januar 2021

Ein Prachtexemplar von Lachs aus der Kontrollreuse am Fischaufstieg der Staustufe Rheinau/Gambsheim, eine der größten Anlagen dieser Art in Europa. ©Josef Budai

An der Fischtreppe bei Freistett werden wieder mehr Tiere gezählt – ein ermutigendes Zeichen, dass Schutzmaßnahmen greifen.

Fast 15 Jahre nach seiner Inbetriebnahme wird der Fischaufstieg an der Staustufe Rheinau/Gambsheim weiter rege genutzt. Dies geht aus den Ergebnissen 2020 der videounterstützten Zählanlage hervor. Ergänzend gibt es eine Kontrollreuse, wo Fische zu wissenschaftlichen Zwecken entnommen werden können. 

Demnach wurden 76 532 Fische per Video erfasst. Das ist deutlich mehr als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre mit knapp 50 000 Exemplaren. Genau bestimmt werden in der Videostation am Ausgang oberhalb der Fischtreppe 28 Fischarten. Darunter waren im Vorjahr auch 154 Lachse, ein Höchstwert. Bemerkenswert ist die relativ konstante Zahl von Maifischen (63), wobei 2014 161 Exemplare der fast ausgestorbenen Tiere registriert wurden. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wanderte die zu den Heringen zählende Art in großen Schwärmen aus der Nordsee den Rhein hinauf. 

Gefährdeter Lebensraum

Die bis zu 70 Zentimeter großen Tiere stiegen bis in den Bereich oberhalb von Basel auf. Damit ähnelt der Lebenszyklus dem des Atlantischen Lachses, der ebenfalls wieder zahlreich die Staustufe Richtung Kinzig und andere Rheinnebenflüsse überwand. Ab Anfang der 50er Jahre verschwand der Maifisch mit zunehmender Wasserverschmutzung und Verbauung der Flüsse aus dem Rhein und wurde auf die Rote Liste gefährdeter Arten gesetzt. Erst ab 1978 wurden wieder einzelne Exemplare nachgewiesen. Im europäischen Maifisch-Projekt wird der Aufbau eines Maifischbestands seit 2008 auf internationaler Ebene durch den Besatz von Maifischlarven aus dem Einzugsgebiet der Gironde (Südwestfrankreich) gezielt gefördert. Offensichtlich mit Erfolg, wie die Zahlen belegen. 

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Dies trifft wohl auch auf die organisierte Wiederansiedelung des Lachses zu. Wurden im Frühjahr 2006 bei der erstmaligen Inbetriebnahme des Fischaufstiegs noch 21 Lachse registriert, waren es zuletzt 154 Lachse, ein neuer Höchstwert für den Langdistanzwanderer unter den Fischen. Dazu zählt auch der Aal, der mit 56 132 Exemplaren am stärksten vertreten war. Zum Vergleich: 2013 waren es nur noch knapp 6000. Zwischenzeitlich wurden Maßnahmen, getroffen um die Aalbestände wieder zu stabilisieren, auch auf örtlicher Ebene. 

So startete der Freistetter Anglerverein vor Jahren das Projekt „Rettet den Aal“. Mit Sponsorengeldern werden regelmäßig Besatzmaßnahmen mit Jungaalen gestartet. Allerdings sollte man sich von den relativ hohen Zahlen nicht täuschen lassen, denn nur etwa 10 Prozent der Fische erreichen später einmal wieder ihre Laichgründe im Atlantischen Ozean. Während des Aufenthalts im Süsswasser warten auf die Aale viele Gefahren, etwa natürliche Feinde wie der Wels. Wenn die Aale nach rund acht Jahren die Geschlechtsreife erreichen und Richtung Meer wandern, wartet an den Stauwehren eine weitere Gefahr. Die Turbinen der Wasserkraftwerke erweisen sich als „Fischhäckselmaschinen“. Dabei werden hauptsächlich die abwandernden Aale getötet oder verletzt. Technisch zufriedenstellend gelöst wurde das Problem bisher nicht. Es soll aber spätestens bis 2030 klare Verbesserungen geben. Bis dahin wird wohl auch der Welsbestand weiter steigen. 

Konstante Zahlen

Relativ konstant sind die Zahlen bei den Brachsen (2020: 4500/Fünfjahresdurchschnitt: 3400) und Barben (1482/1714). Auch die Bestände der Nase, ein typischer Rheinfisch, war mit 2127 Exemplaren auf beständigem Niveau (Fünfjahresdurchschnitt: 2898). „Geblitzt“ wurden zudem 2941 Rapfen, wie der Wels, der einst nur in der Donauregion heimisch war. Die Zahlen der aufsteigenden Fische decken sich mit den Ergebnissen der gleichen Zählmethoden am Fischaufstieg bei der Staustufe Iffezheim, etwa 25 Kilometer flussabwärts von Rheinau, die als erste von den Wanderfischen auf ihrem Weg in den Ober- und Hochrhein überwunden werden muss. Betreut werden die beiden Fischaufstiege grenzüberschreitend von den Fischereiverbänden und den Regionalverwaltungen beiderseits des Rheins mit der Unterstützung der Kraftwerksbetreiber.

Info

Am Rande/Schon gewusst?

Die Wanderfische müssen an der Fischtreppe der Staustufe Rheinau/Gambsheim mit ihren drei Eingängen auf 290 Meter Länge und 39 Einzelbecken zehn Meter Höhe überwinden. Im Frühjahr beginnt die Hauptaktivität der Wanderfische, die bis in den Frühsommer dauert. Während dieser Zeit hat man im Besucherzentrum der Fischtreppe die besten Chancen, die Tiere zu beobachten, die allerdings auch vermehrt in den Nachtstunden aktiv sind. job

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