Achern
Dossier: 

Bottenau im ARZ-Dorfcheck: Nicht nur die Halle fehlt

Autor: 
Patric König
Lesezeit 4 Minuten
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18. August 2017

Bottenaus Ortsvorsteher Konrad Allgeier hat noch einiges vor. ©Patric König

Von der Bäckerei bis zum schnellen Internet: Wir nehmen in einer neuen Serie Oberkirchs Ortschaften unter die Lupe. In Bottenau fehlt den Bürgern vor allem eine Mehrzweckhalle. Nicht nur weil deren Bau versprochen ist, erkennt Ortsvorsteher Konrad Allgeier Silberstreifen am Horizont.

Die Kirche gehört üblicherweise zum Zentrum eines Renchtaldorfes wie das gelbe Schild zu seinem Ortseingang. Dass Bottenaus Gotteshaus, die St. Wendelskapelle, über dem Ort in den Weinbergen thront, sagt vieles aus über die Struktur der 1100-Einwohner-Streusiedlung, die 1935 aus den Weilern Schlatten/Diebersbach (vorher zu Butschbach gehörend), Meisenbühl (Herztal) und Bottenau (Durbach) enstanden ist. Bottenau hat kein klassisches Zentrum. Und das ist nicht das einzige, was fehlt.
 

Bottenauer Bevölkerung hat große Erwartungen
 

Als einziger der acht Oberkircher Ortsteile kann Bottenau keine eigenen Halle vorweisen. Und mit dem »Weinbergblick« ist seit 2015 auch der bisherige Versammlungssaal aus Brandschutzgründen nicht mehr nutzbar. Kein Wunder, dass der Bau einer Mehrzweckhalle für Ortsvorsteher Konrad Allgeier allerhöchste Priorität hat. 
»In der Bevölkerung besteht eine große Erwartung, dass die Halle kommt. Etwas Zentrales als Treff wäre nötig – gerade auch für die Neubürger.« Pläne für ein Gebäude, das sowohl für Veranstaltungen wie auch für Sport genutzt werden kann, liegen bereits in der Schublade. Bei den Haushaltsberatungen im Herbst wird sich zeigen, ob sie, wie geplant, 2018/19 in die Tat umgesetzt werden. 
Die örtliche Struktur Bottenaus macht den Hallenbau aus Allgeiers Sicht noch notweniger. »Weil wir kein Zentrum haben, ist es für die Bürger nochmals schwieriger, sich zu treffen.« 

Kein Metzger, kein Bäcker, aber eine belebte Schule

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Beim Bäcker oder Metzger vor Ort begegnen sich die Bottenauer nicht – es gibt schon lange keinen mehr. Und auch beim Thema Bankenschließung stehen die Bottenauer über der Diskussion: »Bei uns war nie eine da.«
 Für die jungen Eltern sind zumindest die Spielplätze, der Kindergarten oder die Grundschule eine gemeinsame Anlaufstelle. Die Zeiten, in denen die Bottenauer Schule wegen geringer Schülerzahlen infrage gestellt wurde, sind zum Glück seit Jahren passé. Der Ortsvorsteher: »Bottenau ist ein beliebter Wohnort. Das Neubaugebiet hat dazu beigetragen, dass die Grundschule nicht in die Diskussion gekommen ist.«

Internet-Panne im Neubaugebiet behoben

Für Schlagzeilen sorgte das Bottenauer Baugebiet Neubruch III in anderer Hinsicht: Bei seiner Erschließung 2014 gab es dort zunächst kein Internet. Die Telekom hatte statt Kupferadern nur einen so genannten Multiplexer eingesetzt. Der kann zwar 20 Telefon-, aber nur einen DSL-Hausanschluss versorgen. Allgeier: »Das war ein misslicher Zustand. Der ländliche Raum wir von der Telekom vernachlässigt.«
Ende 2015 hat sich die Stadt deshalb selbst geholfen: Für 300 000 Euro stellte sie den Anschluss des Glasfasernetzes zumindestens bis zum Bottenauer Rathaus her. Immerhin zahlte das Land 78 000 Euro Zuschuss. Das Netz wird von einem privaten Betreiber unterhalten. Gerade fürs hintere Bottenau sei die Versorgung aber noch nicht ganz optimal. Allgeier hofft hier auf Verbesserungen durch das Backbonenetz des Kreises.
Auch in einer anderen Hinsicht hat Bottenau den Anschluss geschafft: Der Radweg entlang der Weintalstraße, der lange beim »Weinbergblick« endete, wurde weitergebaut, ein weiteres Stück soll Ende des Jahres hinzukommen. Das ist aus Allgeiers Sicht auch dringend nötig. 
Der Bus fährt nämlich nur bis an den Rand des Ortes, ans Rathaus. Am Wochenende beehrt er Bottenau nur zweimal, um 9.12 und um 18.16 Uhr. Der Radweg kompensiert für die Schüler aus dem hinteren Bottenau somit auch ein Stück weit den fehlenden Öffentlichen Personennahverkehr. 
Vom hinteren Bottenau bis zum Oberkircher Bahnhof sind es immerhin rund sechs Kilometer. Für diejenigen, die nicht mehr Rad oder Auto fahren können, springt die Nachbarschaftshilfe ein: Seit zwei Jahren haben die Bottenauer einen ehrenamtlichen Fahrtdienst organisiert. 

»Es geht ein bisschen zäh«

Das sind Dinge, die Allgeier mit Stolz erfüllen. Am meisten Sorgen macht der pensionierte Lehrer sich hingegen darüber, »dass alles ein bisschen zäh geht« bei der Planung. Auf die Halle warten die Bottenauer schließlich schon seit Jahrzehnten. 
Bis dahin machen die Bottenauer aus ihrer Not eine Tugend: Die Landjugend zum Beispiel führt ihr Theaterstück statt im »Weinbergblick« nun einfach in einer urigen Scheune auf. Und ihr Schwätzchen am Sonntag halten die Bürger eben nicht im, sondern oberhalb des Dorfs: nach dem Gottesdienst auf St. Wendel.

Hintergrund

Bottenaus "Eiermann" auf Exportkurs

Angefangen hat alles mit 30 bis 40 Hühnern in einem alten Saustall und einem Schild an der Straße: Weil es in Bottenau keinen Lebensmittelladen mehr gibt, fragten immer mehr Nachbarn bei Wilma und Joachim Hildenbrand nach Eiern nach. Das Ehepaar legte sich ein paar Hühner mehr zu, um die Nachfrage bedienen zu können. 
Inzwischen halten sie auf dem Bächlehof zwischen 2500 und 3000 Legehennen. Und ihre Eier exportieren die Hildenbrands weit über Bottenaus Grenzen hinaus: In Oberkirch, Oppenau und Achern ist der Bächlehof einmal pro Woche auf dem Markt vertreten. Die Hühnerhaltung hat sich vor rund 20 Jahren zum zweiten Standbein des Vollerwerbslandwirtes entwickelt, der auch Obstbau betreibt. 
Den Bottenauern hat das noch ein weitere Möglichkeit beschert, vor Ort Lebensmittel einzukaufen: In ihrem Hofverkauf bieten die Hildenbrands inzwischen auch Teigwaren an. Jener Eier, die zu klein  für den Markt oder überzählig sind, lassen sie zu Spätzle und Nudeln verarbeiten. 
Zu einer Zeit im Jahr gibt es definitiv keine überzähligen Eier: »An Ostern könnten wir das Doppelte verkaufen«, bilanziert Joachim Hildenbrand – obwohl täglich Tausende Eier zustande kommen. Die Jahresleistung der Hühner schwankt zwischen 85 und 90 Prozent. Heißt: An rund 320 Tagen im Jahr legen sie ein Ei ins Familiennest. Von dort rollt es automatisch auf ein Förderband. Mit der Freilandhaltung auf den Grünflächen rund um den Hof, der seit 1296 besteht, haben die Hildenbrands lange vor dem Verbot der Käfighaltung begonnen. 
Mittlerweile sind die Eier aus Bottenau sogar ein beliebtes Urlaubsmitbringsel: Viele Touristen kaufen vor der Heimfahrt nochmal bei den Hildenbrands ein. Die einheimische Stammkundschaft kommt vor allem samstags. Da erfahre man dann schon einiges, was sich im Ort gerade so tut. »Man schwätzt miteinander«, sagt Wilma Hildenbrand. »Das ist das Schöne am Hofverkauf.«

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