Oberkirch

Burgbühne Oberkirch löst das Rätsel um Mozarts Tod

Johanna Graupe
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19. Juni 2017

»Mozart« Paul Vollmer fegt in der Burgbühnen-Inszenierung als Punk und genialer Faxenmacher über die Bühne und schüttelt Noten aus dem Ärmel schüttelt. ©Johanna Graupe

Peter Shaffers außergewöhnliches Schauspiel über Genie und Mittelmaß hatte am Freitag Premiere bei der Burgbühne. Zusammen mut Mozarts Musik wirkte die »Amadeus«-Inszenierung unwiderstehlich.
 

Wolferl (Paul Vollmer) jagt das Kätzchen: ein Kater im Liebeswerben. Unter ihm zappelnd und quiekend das Stanzerl (Justine Haupt) im Rokoko-Ballkleid. Ein junges, verliebtes, verspieltes Paar. Etwas mehr als zwei Stunden später beugt sich Constanze klagend über ihren sterbenden Mozart, Requiem-Klänge im Hintergrund. 
Peter Shaffer setzt sich in seinem von Milos Forman verfilmten Theaterstück mit dem Gerücht um den frühen Tod des Komponisten auseinander: Wurde Mozart von dem damaligen Hofkomponisten Salieri vergiftet? Der junge Salieri hat mit Gott einen »Pakt« geschlossen: moralisch einwandfreier Lebenswandel gegen künstlerischen Erfolg. Er bringt es bis zum Hofkapellmeister in Wien. Doch dann erscheint Mozart und Salieri erkennt sofort dessen Genialität, gegen die seine Musik einfallslos, trocken, trivial erscheint. Die provozierende Leichtigkeit des Mozart schockiert ihn: Was Salieri mit Arbeitseifer nicht erreicht, spricht aus jeder Note, die dieser kindisch-alberne Witzbold schreibt. Er ist »Amadeus«, der von Gott Geliebte. Salieris Einfluss gelingt es, Mozart in Wien zu isolieren, die Aufführung seiner Werke zu verhindern, ihn in die finanzielle Katastrophe und in den Tod zu treiben. 

Ränkeschmied hat ein gewaltiges Pensum

Arthur Hilberer gibt als Salieri einen messerscharf kalkulierender Ränkeschied, der die miesesten Tricks kennt. Hilberer hat ein gewaltiges Pensum, denn er gibt sowohl den gebrochenen alten Mann als auch den jungen dynamischen, ehrgeizigen Hofkompositeur. Er ist Intrigant, Menschenverachter und sein hadernder Dialog mit Gott lässt einem den Atem anhalten.
 

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Mozart: ein verspielter Faxenmacher
 

Kongenial sein Gegenspieler Paul Vollmer als Mozart: ein genialer, hemmungslos verspielter Faxenmacher, der sich über alle Konventionen hinweg setzt. Er ist hin- und hergerissen zwischen Freiheitsdrang und Anpassung, Idealen und Existenzangst. Dazu kommen seine Macken, seine Gutgläubigkeit – er ist ein hundsordinäres Genie. Für Salieri ist es nicht schwer, ihn zu vernichten. 
Keiner der anderen Darsteller muss sich jedoch in diesem Bühnenspektakel verstecken: Die beiden Venticelli (Ulrike Kliewer-Mayer und Jürgen Wurth) verbreiten komödiantisch federleicht ihre Klatschnachrichten. Jenny Schwarz gibt als Sängerin Cavalieri gekonnt den Vamp wie die Mätresse, während Justine Haupt, als Constanze Weber mädchenhaft verspielt, später als Frau Mozart von den Alltagssorgen schier erdrückt wird. Bemerkenswert, was die Kindertruppe mit Julia und Maxima Gmeiner, Tim Schweiker und Sophie und Jakob Ganter in einer Szene, die Regisseurin Cornelia Bitsch in das Stück einfügte, auf die Bühne bringt.

Buckelnde Hofschranzen

Eine historische, eigenwillige Charakterstudie von Kaiser Joseph II. liefert Egon Mayer. Gerade der Kontrast zwischen dem vor Neid zerfressenen Kontrahenten Mozarts und den buckelnden, auch pantomimisch glänzenden Hofschranzen mit ihren Manierismen ist reizvoll: Baron von Swieten (Hermann Kopf/ Thomas Wiegert), Gönner Mozarts, der ihn gnadenlos fallen lässt, als er den Gesetzen der Freimaurerloge nicht gehorcht. Ramona Zimmer als skurriler Kammerherr, Bernd Riegelsberger als arroganter Graf Orsini-Rosenberg. Baronin v. Waldstetten (Ute Söllner), Prinzessin Lichnowsky (Stephanie Kimmig) und Fürst Auersberg (Horst Graupe) tragen mit ihren launenhaften Urteilen zu Mozarts Untergang bei. Natalie Kimmig und Kim Leguttky (alternierend mit Sara Kutz) agieren als gute Dienerschaft und sorgen für rasche Umbauten. 
Minutenlanger begeisterter Applaus war der Dank für eine großartige Ensembleleistung– mit dem einen oder anderen Ohrwurm aus Mozarts Opern. 

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