Achern

Christen sammeln Unterschriften gegen das Pflichtzölibat

Autor: 
Michaela Gabriel
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
25. September 2016
Mehr zum Thema

Großen Zulauf hatte die Auftaktveranstaltung einer Petition »Pflichtzölibat«. Am Samstagmorgen unterschrieben in der ersten Stunde weit mehr als 100 Personen. ©Michaela Gabriel

»Es geht nicht um Polarisierung und Stimmungsmache, sondern um die Zukunft unserer Kirche!« So steht es in der am Samstag in Achern gestarteten Petition engagierter Christen. Die Pflicht für katholische Priester zur Ehelosigkeit soll fallen, das ist ihr dringendstes Anliegen.
 

Noch vor dem offiziellen Start im Bürgersaal des Acherner Rathauses strömten Menschen an die Tische und standen Schlange, um sich der Eingabe an die Verantwortlichen der katholischen Kirche anzuschließen (siehe Hintergrund). Weit über 100 Menschen hatten unterzeichnet, bevor die Aktion auf dem Rathausplatz im Rahmen des Wochenmarktes in der Hornisgrindestadt fortgesetzt wurde. »Vielleicht ist das ein Anfang. Das hoffe ich!«, sagte eine Frau.

Den Anfang für Veränderungen in der katholischen Kirche habe das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) gemacht, daran erinnerte zum Auftakt vor mehr als 70 Zuhörern Gerhard Brock, Pastoralreferent aus Sasbachwalden. In der Würzburger Synode (1971 bis 1975) sei die Änderung der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt kurz vor dem Durchbruch gestanden. Kardinal Karl Lehmann sei heute noch der Ansicht, man könne etwas erreichen, wenn man innerhalb der Kirche ein Anliegen habe und mit Vehemenz für das Thema eintrete. 

Mit Nöten offen umgehen

- Anzeige -

Gerhard Brock hat viel Erfahrung mit der Wirklichkeit in den großen katholischen Seelsorgeeinheiten. »Präsent zu sein bei den Menschen ist ganz wichtig. Aber uns fehlen die hauptamtlichen Kräfte.« Es gebe Priester, die die Last des Zölibats nicht mehr tragen können: »Sie brauchen jemanden, der sie begleitet.« Wenn ein Pfarrer sich in seiner Not nicht verbiegen möchte, könne es sein, dass er seinen Beruf aufgebe – wie in der Region mehrfach geschehen. Mit den Nöten der Pfarrer müsse man offen umgehen, so Brock. Auf Nachfrage aus dem Publikum bestätigte er, dass es Fälle gebe, in denen ein Priester Frau und Kinder habe und nicht zu ihnen stehen dürfe: »Es ist schade, dass es so etwas geben muss. Auch deshalb ist es sinnvoll, den Zölibat frei zu stellen.«

Manche hätten zu ihm gesagt, das bringe doch nichts, meinte Mitinitiator Klaus Huber, Begründer der Initiative »Iss gemeinsam«. Doch wenn kirchliche Laien nicht länger alles schlucken, ändere sich vielleicht etwas. Eine Zuhörerin äußerte sich kritisch: »Wo sollen denn die Priester die Zeit für eine Familie hernehmen?« Ein Priester sei oft einsam und könne ob seiner großen Gemeinden kaum noch Seelsorger sein. Das Zölibat sei zweitrangig. Es gelte vielmehr, die Priester zu entlasten. Ein Zuhörer erwiderte: »Viele Priester wären gern in ihrem Amt geblieben. Darum geht es.«

Bis 31. Oktober sollen nun Unterschriftenlisten ausgelegt werden, so Mitinitiatorin Annette Bartsch, Leiterin der Caritasgruppe Achern. Jeder dürfe sich an der Verteilung beteiligen (Kontakt: klausvomdachsbuckel @t-online.de).

Hintergrund

Die Anliegen der Petition

»Wir sind für die Abschaffung des Pflichtzölibats für katholische Priester«, heißt es in der Petition. Es belaste manchen Priester und sei nicht biblisch zu begründen. Man wende sich dabei nicht grundsätzlich gegen die zölibatäre Lebensform. 
Man setze sich außerdem dafür ein, dass die Seelsorgeeinheiten kleiner werden. Die Änderung der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt könne dazu beitragen. Auch geeignete Männer und Frauen könnten vom Bischof beauftragt werden, vor Ort die Eucharistie zu feiern sowie missionarisch und leitend tätig zu sein. 
Schließlich heißt es, dass alle Getauften und Gefirmten Anteil am gemeinsamen Priestertum der Gläubigen haben. Sie sollten gehört werden und die Möglichkeit haben, Kirche mitzugestalten.

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

vor 2 Stunden
Inbetriebnahme
Eine deutliche Aufwertung erfährt die Nesselrieder Feuerwehr mit dem Kauf eines Löschfahrzeugs und Mannschaftstransportwagens. Dazu passt die anstehende Sanierung des Gerätehauses.
vor 4 Stunden
Ein „Wahnsinnsaufwand“
Rektorin Viktoria Weber schildert dem Fautenbacher Ortschaftsrat, welche Herausforderungen der Umgang mit dem Infektionsschutz an der Grundschule auslöst. In der Kita gibt es ein Problem.
vor 4 Stunden
Ziwwlkönigin wird am 11. Oktober gekürt
In Fautenbach wird am 11. Oktober das Ziwwlfest stattfinden, allerdings völlig anders als gewohnt.
vor 4 Stunden
Weingüter und Winzer eG machen mit
Herbstliche Momente erleben und Weine aus den Kellern der Oberkircher Weingüter genießen – dies ist an den kommenden vier Wochenenden auf dem Oberkircher August-Ganther-Platz möglich. Die Stadt hat dort einen kleinen Ersatz fürs Weinfest etabliert.
vor 4 Stunden
Bau dem Umfahrung
Oberkircher CDU-Stadträte sowie Vertreter des Ortschaftsrates Zusenhofen diskutieren über eine gute Lösung für den Marktweg beim Bau der Umfahrung.
vor 4 Stunden
Bilanz gezogen
Keine einfachen Monate liegen coronabedingt hinter dem TuS Großweier, wenngleich sich die Bilanz für 2019 sehen lassen kann. Im kommenden Jahr will der Verein das 100-Jährige feiern.
vor 4 Stunden
Pankraz-Kolumne
Kindheitserinnerungen werden beim Pankraz wach, als er vor einem Neunjährigen Jungen steht: In diesem Alter nahm er vor vielen Jahren eine halbe Weltreise auf sich, um ins Internat zu fahren. Fazit: Nicht alles war besser damals, aber eben anders.
vor 4 Stunden
Europa-Union Achern
Mit Fabian Sauter-Servaes hat die Europa-Union Achern einen neuen Vorsitzenden. Viel Lob und  Anerkennung gab es für Peter Lorenz, der seit 2016 den Ortsverband mit viel Herzblut geleitet hatte.
vor 11 Stunden
Energetische Sanierung des Vereinsheims
Der SV Oberkirch sieht sich von den immer höheren Energiekosten fürs Vereinsheim finanziell belastet und fordert dessen Sanierung. Die Stadt spielt den Ball an den Fußballverein zurück.
vor 14 Stunden
Kontrollaktion am Bahnhof Achern
Die Polizei kontrollierte am Freitag als Teil einer präsidiumsweiten Aktion am Acherner Bahnhof die Maskenpflicht in Bus und Bahn. 150 Menschen wurden angesprochen.
vor 17 Stunden
„Rheinau-Mitte“
Umstrittene Entscheidung: Der Rheinauer Gemeinderat beschloss am Mittwoch, die Aufhebung des Sperrvermerks zur Einleitung des Bebauungsplanverfahrens Rheinau Mitte zu verschieben. 
vor 20 Stunden
Goodbye Renchtal 22)
Es kam zufällig zustande und begann abenteuerlich: Seinen beruflichen Traum hat sich der Oberkircher Thorsten Meinelt in Australien verwirklicht. Der 40-Jährige wohnt in der Nähe von Brisbane. In Sachen Entspannung sind ihm die Australier aber einen Schritt voraus.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Curvy Queen bietet trendy Mode bis Kleidergröße 60.
    16.09.2020
    Coole Looks bis Kleidergröße 60 / Drei tolle SSV-Shoppingtage
    Das Bekleidungsgeschäft Curvy Queen in der Offenburger Platanenallee bietet eine große Auswahl an Plus-Size-Mode. Vom 17. bis 19. September gibt es beim Sommerschlussverkauf die starke Mode zu reduzierten Preisen.
  • Voller Einsatz für die Patienten: Das Reha-Sport-Team vom Offenburger RehaZentrum - Sabrina Weidner, Sarah Figy, Mario Truetsch und Lars Bilharz (v. l.)
    15.09.2020
    Neue Kurse starten im Oktober – jetzt anmelden!
    Fit werden, fit bleiben: Dieses Ziel hat sich das Team des RehaZentrums in Offenburg für seine Kunden auf die Fahnen geschrieben. Hier bekommt jeder sein maßgeschneidertes Therapie- und Fitnessprogramm. Wer langsam wieder in Bewegung kommen will oder an einer Grunderkrankung, wie Rückenschmerzen...
  • Alexander Benz (von links), Michel Roche, Thomas Kasper, Erhard Benz und Erika Benz stehen an der Spitze des Top-Life.
    07.09.2020
    Top-Life Berghaupten: Die Adresse für Gesundheit und Fitness
    Gesundheit und Fitness haben eine Adresse in der Ortenau: Seit 1996 ist das Top-Life Gesundheitszentrum Benz KG in Berghaupten Ansprechpartner Nummer eins, wenn es in der Region um private Gesundheitsvorsorge, Wellness und medizinische Versorgungsangebote geht.
  • Die Vereine im ewo-Gebiet haben die Chance, für ihre Nachwuchsmannschaften zu gewinnen.
    28.08.2020
    Vereinsaktion #Ballwechsel: Energiewerk Ortenau und Partner suchen trickreiche Teams und deren Fans
    Es werden immer noch Ballkünstler gesucht! Aber: Die Aktion #Ballwechsel, die das  Energiewerk Ortenau (ewo) gemeinsam mit  starken Partnern im August ins Leben gerufen hat, geht in die letzte Runde. Noch bis Samstag, 15. Oktober, kann auf der Facebook-Seite von fussball.bo.de gevotet und markiert...