Lesung mit Autor Thomas Feibel

Cybermobbing: Wenn ein Streich ausartet

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10. November 2018
Um Cybermobbing ging es in der Lesung, die Thomas Feibel (vorne) vor Siebtklässlern der Realschule hielt.

Um Cybermobbing ging es in der Lesung, die Thomas Feibel (vorne) vor Siebtklässlern der Realschule hielt. ©Patric König

Um Fehltritte im Internet, Cybermobbing und Big Data ging es am Donnerstag in der Mediathek: Autor Thomas Feibel hielt dort eine Lesung für Schüler. Neben einem fiktiven Fall hatte er auch abschreckende Beispiele aus der Realität im Gepäck.

Wie viel böse Absicht steckt dahinter, wenn jemand ein peinliches Foto eines Mitschülers im Klassen-Chat veröffentlicht und den anderen vor allen Klassenkameraden blamiert? Autor Thomas Feibel glaubt, dass 90 Prozent der Fälle dieses Cybermobbings auf einen eigentlich harmlosen Streich zurückgehen. Einen Streich, über dessen Folgen der Täter nicht nachgedacht hat und die er nicht mehr kontrollieren kann. Das Internet vergiss nichts. Ein Bild, das über die sozialen Medien 20-, 50- oder 100-fach weiterverbreitet, lässt sich eben nicht so einfach löschen wie eine abfällige Kritzelei auf der Schulbank.

Welcher Teufelskreis aus einem ohne bösen Willen ausgeführten Scherz entstehen kann, hat Feibel in seinem fiktiven Jugendbuch »›#Selbstschuld« verarbeitet. Daraus las er am Donnerstag in der Mediathek der Klasse 7d der Realschule Oberkirch vor. Die Story: Der 15-jährige Josh knackt das »Frienderline«-Profil seines Kumpels Alex und postet in dessen Namen ein Oben-ohne-Bild, das die sittsame Klassenstreberin Alex geschickt hat. Josh schafft es nicht mehr, den Geist, den er gerufen hatte, zurück in die Flasche zu bringen. Die ganze Klasse sieht das Bild, das Mädchen unternimmt einen Selbstmordversuch.  

50 Bücher hat der Mannheimer, der jetzt in Berlin lebt, schon geschrieben. Wenn er nicht in die Tasten haut, greift er gerne mal zur Spielkonsole: Er rezensiert Computerspiele. Am meisten nervt ihm dabei, dass es bei den kostenlosen free-to-play-Spielen oft nur weitergeht, wenn man bezahlt. Geibel vergleicht das mit einem Restaurant, das kostenlos Suppe anbietet, aber für Teller, Löffel und Servietten ordentlich Geld verlangt. Google-Play- oder Itunes-Karten erweisen sich als Kreditkarten der Minderjährigen. Der Rat vom Test-Zocker an die Schüler: »Setzt Euch ein Limit.«

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Mit einem anderen Beispiel warnte er die Schüler davor, im Internet zu freizügig zu sein: Weil Firmen aus den Daten, die man hinterlässt, Rückschlüsse ziehen, welche Entscheidungen man trifft (»Big Data«). Das muss nicht so scheinbar harmlos ende wie beim Kollegen, dessen Smartwatch ihm nach einem Einkauf im Supermarkt riet: »Zu deinem Einkauf hätte auch noch ein Brokkoli gepasst«. Es kann auch darum gehen, Wahlen zu beeinflussen – die Brexit-Entscheidung in Großbritannien nannte Feibel als warnendes Beispiel.

Und es kann die intimsten Dinge des Lebens betreffen. Feibel nannte ein Beispiel, das »Forbes« schon vor sechs Jahren publik gemacht hatte. Ein Vater hatte sich bei einer US-Supermarktkette darüber beschwert, dass seine minderjährige Tochter andauernd Werbung für Babynahrung und Windeln auf ihr Handy bekomme. 

Er bekam zur Antwort, man habe nur Rückschlüsse aus dem Online-Einkaufverhalten der Tochter gezogen. Von der Schwangerschaft der Jugendlichen hatte die Supermarkt-Kette per Big Data früher erfahren als die eigenen Eltern.

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