Sasbach/Hamburg

Dach der Elbphilharmonie von Wittenauer GmbH aus Sasbach

Andreas Cibis
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
06. Januar 2017

(Bild 1/2) Am Bau der spektakulären Elbphilharmonie in Hamburg war auch die Wittenauer GmbH aus Sasbach beteiligt. ©Wittenauer GmbH

Der Bau der Hamburger Elbphilharmonie in Hamburg findet am 11. Januar mit der offiziellen Einweihung sein glückliches Ende. Grund zum Feiern hat dabei auch die Sasbacher Wittenauer GmbH, die für rund 8,4 Millionen Euro die aufsehenerregende Dachkonstruktion umsetzte – nach einer wechselvollen Baugeschichte.

Es war der größte Auftrag in der Firmengeschichte der Wittenauer GmbH: Das 7000 Quadratmeter große Konzerthaus-Dach der Elbphilharmonie wurde von der Sasbacher Firma geplant, gefertigt und montiert. Unterstützt wurde das eigene Montagepersonal teilweise von Industriekletterern, denn die Arbeiten fanden in einer Höhe zwischen 78 und 102 Metern statt.

»Die Montage war technisch eine große Herausforderung«, erklärt Projektleiter Klaus Storz. Hohe Sicherheitsanforderungen waren notwendig. Das Dach weist Steilheiten bis zu 60 Grad auf. »Wir haben das Dach unfallfrei übergeben«, freut sich Storz über den positiven Abschluss einer langen Baugeschichte. Der Bauingenieur ist nach vielen erfolgreichen Dachprojekten seiner Firma einiges gewohnt, doch vor Ort bekam selbst er an der Hamburger Dachkonstruktion in luftiger Höhe einen Adrenalin-Schub.

Auftrag kam 2009
2008 brachte eine Glasbaufirma das Sasbacher Unternehmen für den Dachbau ins Gespräch, erzählt Geschäftsführer Roman Wittenauer der ARZ. Der Spezialist für Dach- und Fassadenbau überzeugte den Generalunternehmer. Im Februar 2009 erhielt Wittenauer den Auftrag, acht Monate später war Baubeginn. Das Dach wurde speziell für die Elbphilharmonie entwickelt und ist ein Unikat. Es besteht aus acht sphärisch, konkav gekrümmten Flächen. Dadurch erhält die Dachsilhouette »eine einzigartig elegante Linienführung«, wie die Sasbacher Firma betont. 6000 schimmernde Pailetten wurden montiert. Bauverzögerungen sind für Roman Wittenauer Arbeitsalltag. Aber der Baustopp für die Elbphilharmonie Ende 2011 bedeutete eine Zäsur und verlangte große Flexibilität.

- Anzeige -

Zwei Jahre Pause
Die fast zweijährige Pause musste mit dem Einholen anderer Aufträge kompensiert werden, um die Mitarbeiter beschäftigen zu können. Probleme gab es zudem um die Gestaltung des Dachrunds und um das Fassadenreinigungskonzept. Bis das Bauamt während der Baupause zustimmte, mussten mehrere Konzepte vorgelegt werden. Dies ließ unter anderem die Planungskosten in die Höhe schnellen und verdoppelte die Kosten für das Dach. Hinzu kam, dass die bis dahin gefertigten Teile der Dachkonstruktion nun zwischengelagert werden mussten. Auch hier war wieder die Flexibilität des Sasbacher Unternehmens gefragt.

Mit einer besonderen Konstruktion und dank eines selbst entwickelten und patentierten innovativen Dachaufständerungssystems konnte den besonderen Herausforderungen (Windkräfte und Niederschläge), die das Klima in Hamburg stellt, gerecht werden. Mit einer aufwendigen 3 D-Planung wurden die 6000 Pailetten auf einer schwebenden Unterkonstruktion mit dem Baupartner exakt entwickelt, geplant und gefertigt, heißt es bei der Firma Wittenauer GmbH.

10.000 Einzelbauteile
Das Ganze wurde von Sasbach nach Hamburg auf die 100 Meter über dem Terrain liegenden Dachflächen transportiert. Rund 10.000 Einzelbauteile mussten präzise geplant, mit Fertigungsmethoden individuell hergestellt und beschichtet werden.  
Nach dem Baustopp ging es 2014 weiter. Das Dach war dann, so berichten Klaus Storz und Roman Wittenauer, Ende 2015 fertiggestellt. Ende gut, alles gut, hieß es für die Sasbacher Firma und das gesamte Projekt. Bei einem Konzert für die Beteiligten des Baus im Herbst 2016 konnte sich Klaus Storz nicht nur von der gelungenen Architektur, sondern auch von der klanglichen Qualität des Projekts überzeugen.

Stichwort

Wittenauer GmbH

Die Firma Wittenauer wurde 1948 durch Hermann Wittenauer gegründet und war auf Baublechnerei und Schlosserarbeiten spezialisiert. 1979 übernahmen die Söhne Ewald und Roman Wittenauer das Unternehmen unter der Bezeichnung Gebrüder Wittenauer, später Gebrüder Wittenauer oHG. Nun bot die Firma auch Sanitärinstallationen sowie Dach- und Wandverkleidungen aus Metall an.  
1992 schied Ewald Wittenauer aus dem Unternehmen aus, das nun von Roman Wittenauer allein weitergeführt wurde. 1995 zog der Betrieb in das Industriegebiet (Am Fuchsgraben) in Sasbach, 2002 wurde er zur Wittenauer GmbH umformiert.
Die Firma ist auf den Dach- und Fassadenbau spezialisiert und hat derzeit 40 Mitarbeiter. Beteiligt war sie beim Bau des Burda-Medienparks in Offenburg, des Lufthansa Aviation Centers in Frankfurt, des BMW-Windkanals in München und des Museums der Kulturen in Basel.

Hintergrund

Baugeschichte der Elbphilharmonie in Hamburg glich Achterbahnfahrt

Die Elbphilharmonie Hamburg eröffnet am 11. und 12. Januar. Das neue Konzerthaus – im Strom der Elbe an drei Seiten von Wasser umgeben – soll zum Anziehungspunkt für alle Hamburger und für Gäste aus aller Welt werden.
Das spektakuläre Gebäude vereint drei Konzertsäle, einen großen Musikvermittlungsbereich, Gastronomie, ein Hotel, 45 Luxuswohnungen und die öffentliche Plaza, die den Besuchern einen Panoramablick über die gesamte Stadt bietet. Künstlerische Qualität, Vielfalt und Zugänglichkeit sollen das musikalische Programm von Hamburgs neuem kulturellem Wahrzeichen prägen.
Das spektakuläre Projekt machte nicht nur durch seine gigantische Architektur an einem prägnanten Standort von sich reden, sondern zählt mit Stuttgart 21 und dem Berliner Flughafen zu großen Bauprojekten in Deutschland, die durch Bauverzögerungen und Kostenexplosion für Schlagzeilen sorgten.
So ging man 2006 von Kosten von knapp über 241 Millionen Euro für die Elbphilharmonie aus. Am Ende kostete das Projekt rund 789 Millionen Euro.
Ursprünglich war die Fertigstellung des Gebäudes für 2010 vorgesehen. Doch das Projekt verzögerte sich mehrfach. Negativer Höhepunkt war der Baustopp 2011.
Ein neuer Vertrag zwischen dem Architekten, dem Bauherren und der Baufirma ermöglichte dann den Weiterbau.
Der 31. Oktober 2016 wurde für die Bau- und Schlüsselübergabe vereinbart und dieser Termin konnte letztendlich eingehalten werden.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

Überschwänglich freute sich Sonja Schuchter über das Wahlergebnis, von links MdL Willi Stächele, Rheinaus Bürgermeister Oliver Rastetter sowie Sonja, Wolfgang und Florian Schuchter.
vor 4 Stunden
Sasbachwalden
Sonja Schuchter wird mit 97,1 Prozent der gültigen Stimmen bei der Bürgermeisterwahl in Sasbachwalden bestätigt. Auch die kommenden acht Jahre will sie alles für die Gemeinde geben.
Weinbautechniker und Rebsortenkundler Josef Engelhart referierte in der Waldumer WG über gute Böden im Weinberg für erstklassige Weine. 
vor 5 Stunden
Kappelrodeck - Waldulm
Aus Traubentrester entsteht ein hochwertiger biologischer Dünger. Experten des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord geben Auskunft in Waldulm.
Von Andreas Cibis
vor 5 Stunden
Kommentar zur Wahl in Sasbachwalden
Sasbachwaldens frisch bestätigte Bürgermeisterin Sonja Schuchter hat das Zeug, auch in den nächsten acht Jahren die Gemeinde weiter voranzubringen, findet ARZ-Redakteur Andreas Cibis.
Ein Beleg aus der Eisenwarenhandlung Isidor Kaufmann aus Rheinbischofsheim vom 30. März 1898.
vor 5 Stunden
Das Schicksal der Kaufmanns
In Rheinbischofsheim werden am 28. Juni die ersten drei Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an Menschen, die heute kaum noch jemand bekannt sind. Gerd Hirschberg kennt die Schicksale. Hier berichtet er über eines davon.
Schnell ausgezählt waren am Sonntagabend die Stimmzettel zur Sasbachwaldener Bürgermeisterwahl.
vor 5 Stunden
Stimmen zur Wahl in Sasbachwalden
Voll des Lobes für eine engagierte Bürgermeister-Kollegin und ein herausragendes Wahlergebnis – so äußerten sich am Wahlabend am Sonntag Rathauschefs und Kommunalpolitiker umliegender Kommunen sowie politische Weggefährten über Sonja Schuchter.
Da war was los. Bei bestem Wetter lockte das Erdbeerfest Tausende in die Innenstadt.
vor 8 Stunden
Tausende Besucher
Pünktlich zu der beliebten Veranstaltung hat der Dauerregen eine Pause eingelegt. Geboten war über zwei Tage hinweg ein buntes kulturelles und kulinarisches Programm.
Ein Automobilmuseum auf Rädern rollte durch Sasbachwalden, als die „Paul Pietsch-Classic“ mit Fahrzeugen von 1927 bis 1996 einen Stopp in dem Ferienort einlegte - hier die ältesten Fahrzeuge, vorne weg ein Invicta S-Type von 1932.
vor 11 Stunden
Prachtstücke auf vier Rädern
Von Bugatti bis Maserati: Ein rollendes Automobilmuseum bilden die Teilnehmer der 11. „Paul Pietsch Classic“ Schwarzwald-Rallye, die auch in Sasbachwalden für bewundernde Blicke sorgt.
Neue Hinweistafeln führen Interessierte jetzt über den Sagenrundweg bei Allerheiligen.
vor 14 Stunden
Über 3,5 Kilometer
Mehrere Beteiligte engagieren sich bei diesem Projekt
Zum Dorfjubiläum "875 Jahre Linx" könnten die von der Dorfgemeinschaft gepflegten Festgiebel neue Bedeutung gewinnen. Man plant 2027 "888 Jahre Linx".
25.05.2024
Für die Jugend
Die Dorfgemeinschaft Linx hat ihre Lücken im Personal gefüllt und geht nun mit neuer Kraft ans Werk. Den Jugendtreff wird der Verein unter seine Fittiche nehmen.
Noch immer nimmt eine Baustelle weite Teile des Kirchplatzes ein. Und die nächste Sperrung kommt. 
25.05.2024
ARZ-Geflüster
Oberkirchs Kirchplatz-Baustelle sorgt wieder einmal für Ärger und in Rheinau kann man über den Breitband-Ausbau nur noch den Kopf schütteln. Währenddessen war ein Sasbacher zu Gast in Deutschlands berühmtester Quizshow.
Vera Busam (links) überbringt den Mitarbeitern der kommunalen Kindergärten ein Dankeschön.
25.05.2024
Oberkirch
An einem Tag im Jahr wird der elementaren Aufgabe der Kinderbetreuung gedacht. Die Stadt Oberkirch hat das zum Anlass genommen, den Mitarbeitern in den kommunalen Kitas symbolisch zu danken.
Der Renchener Revolutionschor umrahmte die Feierstunde im Simplicissimushaus (von links): Karl-Ludwig Mörmann, Rolf Winkler, Jutta Steckert, Doris Schlecht, Josef Braun und HeinzSchäfer.
25.05.2024
Veranstaltung in Ortsmitte
Das Grundgesetz als Grundlage für Demokratie würdigt das VdK Renchen in einer Feierstunde zu dessen Bestehen seit 75 Jahren. Bürgermeister Siefermann ist dabei. Der Revolutionschor singt.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das gediegene neue Corporate Design von Sport Kuhn spiegelt sich auch in der Fassadengestaltung wider.  
    21.05.2024
    Sport Kuhn: Führungstrio geht mit Drive in die Zukunft
    Seit vergangenem Sommer steht die vierte Generation bei Sport Kuhn in Offenburg an der Spitze und hat in den wenigen Monaten viele Änderungen angestoßen. Immer im Mittelpunkt: der Kunde.
  • Finanz- und Versicherungsmakler Tino Weissenrieder betreut mit dem Team der "W&K Wirtschaftsberatung" in Lahr einen bundesweiten Kundenstamm.
    21.05.2024
    Rundum beraten: W&K Wirtschaftsberatung Tino Weissenrieder
    In Unternehmen werden viele Entscheidungen getroffen – strategische, finanzielle und technologische. Doch wer stellt die Weichen für die Zukunft der Unternehmer? Die "W&K Wirtschaftsberatung" Tino Weissenrieder hilft mit Kompetenz und Erfahrung weiter.
  • Das Geheimnis des Erfolgs ist der große Zusammenhalt der Familie. Jeder bringt sich mit seinen Erfahrungen und Talenten ein (von links): Erika und Erhard, Brigitte und Hubert Benz sowie Anja Vetter und Alexander Benz mit ihrem kleinen Lukas. 
    29.04.2024
    Top-Life Gesundheitszentrum: Alle Altersgruppen willkommen!
    Das Top-Life Gesundheitszentrum in Berghaupten feiert in diesem Jahr ein außergewöhnliches Firmen-Jubiläum. Es basiert auf dem Alter aller sieben Familienmitglieder, die zum Erfolg des Unternehmens beitragen.
  • Physiotherapeutin Luise Wolf schätzt die Zusammenarbeit und innovativen Ansätze bei ihrem Arbeitgeber. 
    22.04.2024
    Top-Life Berghaupten: Hier steht der Mensch im Mittelpunkt
    Das Gesundheitszentrum Top-Life in Berghaupten bietet ein Komplettpaket rund um Gesunderhaltung, Rehabilitation, Prävention und Wellness. Physiotherapeutin Luise Wolf ist Teil des motivierten Teams und gibt im Interview Einblick in ihre abwechslungsreiche Arbeit.