Mit einem Blitz fing alles an

Das Ende des Allerheiligen-Münsters bei Oppenau

Autor: 
Horst Hoferer
Lesezeit 3 Minuten
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19. August 2019

Die Ruine des Münsters lässt auch heute noch die Schönheit des einstigen Klosters Allerheiligen erahnen. ©Horst Hoferer

Im 20. Jahrhundert wurden in Oppenau  vier kirchliche Kapellen gebaut. Die ARZ stellt sie in einer kleinen Serie vor, wie zuletzt die Allerheiligen-Kapelle, von der man auf  die  Ruine der Klosterkirche schaut, die nach einem Blitzschlag abgebrannt ist. Das war jedoch nicht das Ende des Münsters, wie es von den Prämonstratenser-Mönchen genannt wurde. Seine Steine findet man heute noch anderswo.   
 

Das Ende des Klosters Allerheiligen war nicht nur von Tragik, sondern auch von einer gewissen  Dramatik begleitet. Fast zeichenhaft zu nennen ist der Blitz, der am 6. Juni 1804 abends zwischen 21 und 22 Uhr während eines Gewitters in den Turm der Klosterkirche einschlug. Zeichenhaft  deshalb, weil der 6. Juni der Namenstag des Ordensgründers Norbert von Xanten ist, für den ein  Blitzstrahl einst die Wende seiner Lebensbahn gebracht haben soll. Dieser Blitzschlag in den  Kirchturm, der die vier Glocken zum Schmelzen brachte, leitete ein Jahr nach der Aufhebung des Klosters Allerheiligen symbolhaft das Ende und den Zerfall der ganzen Anlage ein, aber kein   Abbrennen: Das schindelgedeckte Kirchendach und das obere Stockwerk des Klausurgebäudes brannten  zwar ab, dagegen blieben im Kircheninnern die Altäre und auch die Orgel erhalten.

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Heile Gewölbe

Der bekannte  badische Landes-Baudirektor Friedrich Weinbrenner, der im Auftrag der Regierung Allerheiligen  besuchte, konnte mitteilen, dass die Mauern und auch das Gewölbe der Kirche weitgehend  unbeschädigt geblieben waren. Im Rahmen der Ausbesserungsarbeiten erhielt sie ein mit  Schindeln gedecktes Dach.    Zu den Eigentümlichkeiten Allerheiligens gehört, dass nach der Vertreibung der Prämonstratenser  zwei Kapuzinermönche aus Oberkirch mit der Seelsorge betraut wurden. Bis 1814 wurden in der  vorübergehend zur Pfarrkirche  der umliegenden Bewohner erklärten Klosterkirche noch  Gottesdienste gehalten. Als die Kapuziner nach Oberkirch zurückkehrten, kam jedoch das religiöse Leben vollkommen zum Erliegen.
Es  gab Pläne, in Allerheiligen eine Korrektionsanstalt (Besserungsanstalt) für Geistliche  einzurichten. Dies kam jedoch nicht zur Ausführung. Endgültig scheiterte 1806 auch der von der  Regierung geförderte Versuch des Fabrikanten Brenneisen aus Iffezheim, in den Gebäuden eine  Wollspinnerei einzurichten.
Nachdem das Klosterleben erloschen war, setzte ein rascher Zerfall ein. Die Kirche wurde  geräumt. Die neue Kirche in Bad Peterstal erhielt den Hochaltar und zwei Seitenaltäre, zwei  weitere kamen nach Kappelrodeck. Ein Seitenaltar und die Orgel wurden nach Oppenau  gebracht. 1814 wurde die endgültige Entscheidung getroffen, in Allerheiligen keine Pfarrei zu gründen,  sondern stattdessen in Ottenhöfen eine Kirche für das hintere Achtertal zu bauen. Die Steine  sollte die Klosterkirche liefern. Damit war der Abbruch des einstigen Münsters von Allerheiligen  besiegelt. Die anderen Gebäude waren schon 1811 auf Abbruch versteigert worden. Bis auf das im  Westflügel gelegene Försterhaus und eine Scheune wurden sie in den folgenden Jahren  abgetragen. Eine Menge Holz, 26 000 noch brauchbare Ziegel sowie ein großes Quantum  Quadersteine wurden 1821 nach Ottenhöfen geschafft. 1824 gestattete die Regierung auch, dass  Allerheiligen zum Bau der Pfarrkirche in Achern als Steinbruch genutzt wurde.
Die Gründung der Herzogin Uta von Schauenburg hatte endgültig aufgehört zu existieren. Nur  die je nach Gesichtspunkt wehmütig oder romantisch stimmende Ruine des Münsters lässt auch  heute noch die Schönheit des einstigen Klosters erahnen. Es hatte nie zu den bedeutenden in  Deutschland gehört. Doch verdient es Respekt, daß die Prämonstratenser die „Wüstenei« über  den einst unzugänglichen „Büttensteiner Wasserfällen« sechs Jahrhunderte lang zu einem  religiösen und kulturellen Mittelpunkt der Ortenau gemacht haben. 

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