68 Jahre im Schwarzwaldverein und 20 000 km in den Beinen

»De jung Schrinergust« Helmut Grumer wird morgen 90

Autor: 
Stephanie Rohn
Lesezeit 4 Minuten
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12. September 2018

Helmut Grumer, bekannt als »de jung Schrinergust« ist auch mit 90 Jahren sehr aktiv mit seinen Hobbies und im Vereinsleben. ©Stephanie Rohn

In 68 Mitgliedsjahren ist der Appenweierer Helmut Grumer im Schwarzwaldverein rund 20 000 Kilometer gewandert. Am Donnerstag feiert er seinen 90. Geburtstag. Seine Leidenschaft für die Natur, die Geschichte und Dampfloks haben ihn in seiner Heimatgemeinde bekannt gemacht.
 

Helmut Grumer, im Ort auch bekannt als »de jung Schrinergust«, wurde am 13. September 1928 in Appenweier geboren. Doch schon kurz darauf wurde sein Vater August Grumer beim großen Stellenabbau vor die Wahl gestellt: Entlassung oder Versetzung. So zog der Vater, damals beim Lokpersonal in Offenburg tätig, mit Ehefrau Anna und Sohn Helmut nach Villingen, wo der Jubilar aufwuchs. 
Nach dem Besuch der Volksschule folgte die Realschule, die für Helmut Grumer im Januar 1945 mit der Einberufung zur Wehrmacht endete. Nach Kriegsende und glücklicher Rückkehr aus amerikanischer Gefangenschaft im Herbst 1945 musste der gerade 17-Jährige, um Lebensmittelkarten zu erhalten, als Ausläufer beim Arbeitsamt Villingen arbeiten. 
1946 schloss sich der Kreis und die Familie kehrte, da der Vater wieder nach Offenburg versetzt wurde, in die Heimat zurück. Am Schillergymnasium konnte der junge Helmut sein Abitur nachholen. Leider wurde sein Wunsch, ein Studium im Maschinenbau zu absolvieren, nicht erfüllt. Um nämlich zur großen Bewerberauswahl zu gelangen, musste man tausend unentgeltliche Arbeitsstunden beim Wiederaufbau der Stadt Karlsruhe leisten. Dies konnte er in den harten Zeiten der Armut nicht erfüllen. 
So trat Helmut Grumer in die Fußstapfen seines Vaters und bewarb sich bei den »Südwestdeutschen Eisenbahnen«, wie die Bahn damals in der französischen Besatzungszone hieß. Nach einigen Versetzungen ging 1965 sein lang ersehnter beruflicher Wunsch in Erfüllung und er bekam einen Posten im Schichtdienst. Im Rangierbahnhof Offenburg war er als Disponent für den gesamten Betriebsablauf verantwortlich. Dies tat er mit Herzblut, Leidenschaft und viel Engagement bis zu seiner Pensionierung. 1960 heiratete er seine Frau Anni, die aus Heidelberg stammt. Aus der Ehe ging der Sohn Andreas hervor.

Viele Aktivitäten

Neben seinem Faible für die Eisenbahn schlägt das Herz von Helmut Grumer in besonders für die Natur. 1950 trat er in den Schwarzwaldverein ein und prägte diesen mit seiner Handschrift. 15 Jahre lang war er Schriftführer, 18 Jahre Bezirkswanderwart im Renchtal und 19 Jahre fungierte er als Vorsitzender. Mit Aktivitäten wie Hüttenwanderung, Alpenbesteigungen oder Weihnachtsmarktbesuchen von Köln bis München gestaltete er das Programm von Jahr zu Jahr bunter. Nachdem er die erforderlichen Prüfungen zur Bedienung von Filmgeräten absolviert hatte, kam dann jedes Jahr mit einem Filmabend ein weiteres Highlight dazu. Heute ist Helmut Grumer mit stolzen 68 Vereinsjahren das älteste Mitglied im Schwarzwaldverein. 

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Eigene Wandergruppe

Da dem aktiven Appenweierer jedoch ein Wanderverein nicht ausreichte, schloss er sich vor 40 Jahren außerdem dem Eisenbahnsportverein an. Zur 1100-Jahrfeier der Gemeinde verfasste er einen Bericht über den Bahnhof Appenweier. Da der rüstige Pensionär vom Wandern nie genug kriegen konnte, trat er nach seiner Pensionierung einer Mittwochswandergruppe bei. 
Als diese altersbedingt aufgelöst wurde, gründete er mit seinen Freunden Paul Graf, Alfons Grumer, Helmut Böhly und Emil König eine eigene Wandergruppe. Sein bevorzugtes Wandergebiet ersteckte sich vom Hochrhein über den Kaiserstuhl bis in den Odenwald. Über 20 000 Kilometer habe er dort, wie Helmut Grumer schmunzelnd überschlägt, zurückgelegt.
Außerdem war er sechs Jahre lang Organist in der evangelischen Kirche in Appenweier und über 40 Jahre Imker. Von seiner Liebe zu den Insekten zeugt auch der Dia-Vortrag »Aus dem Leben unserer Bienen«, der an der Volkshochschule Kehl gezeigt wurde. Jahrelang betreute Grumer zudem Häftlinge im Gefängnis in Kehl. Aufgrund seiner weiteren Leidenschaft, Vorträge etwa zu historischen Themen zu halten, war er 14 Jahre lang gern gesehener Gast beim Stammtisch der pensionierten Lehrer in Kehl. Und bis heute kennt der Jubilar jedes kleinste Detail im Gutacher Freilichtmuseum Vogtsbauernhof. Dort war er für Gruppen und Vereine als Führer tätig. Auch im Handwerkermuseum in Kork hat Grumer Spuren hinterlassen. Das dort beheimatete Modell des Bahnhofs Kork und eine »Hanfplauel« wurden von ihm entworfen. 

Kein bisschen müde

Von klein auf war der Jubilar fasziniert von der Dampfeisenbahn. So ist es kein Wunder, dass er noch im hohen Alter mithalf, eine Dampflok in Offenburg wieder funktionsfähig zu machen. 
Auch heute mit 90 Jahren ist Helmut Grumer kein bisschen müde. In den Bergen herumzukraxeln, das lässt er zwar inzwischen sein, aber geistig hält sich der Jubilar täglich mit Lesen, Schreiben und Basteln fit. Außerdem hält er immer noch Vorträge. »Nur nicht einrosten, Kontakte pflegen, zum Eisenbahnverein, zu den Altenwerken Nesselried und Urloffen gehen, sich mit der Familie und Freunde treffen«, das ist sein Geheimrezept fürs Alter. 
Nach dem heutigen runden Geburtstag erwartet den Jubilar und seine Frau bald noch ein besonderes Fest. In zwei Jahren kann das Paar die Diamantene Hochzeit begehen. 

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