Rheinau-Helmlingen

Den Namen Zimmer gibt’s in Helmlingen seit dem Jahr 1568

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 4 Minuten
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30. Januar 2016
Der nördlichste Rheinauer Stadtteil Helmlingen – hier eine historische Postkarte mit verschiedenen Ansichten – gehörte im Laufe seiner Geschichte zunächst kirchlich zu Scherzheim und dann zu Lichtenau. Das macht für Ortshistoriker die Suche in Archiven nicht gerade einfacher.

(Bild 1/2) Der nördlichste Rheinauer Stadtteil Helmlingen – hier eine historische Postkarte mit verschiedenen Ansichten – gehörte im Laufe seiner Geschichte zunächst kirchlich zu Scherzheim und dann zu Lichtenau. Das macht für Ortshistoriker die Suche in Archiven nicht gerade einfacher. ©Ellen Matzat

Aktuell 34 Helmlinger tragen den gängigsten Familiennamen – Zimpfer – im Dorf, darunter Ortshistoriker Heinz Zimpfer. Klar, dass der sich nicht nur beim eigenen Namen auskennt.

Wer sich für Helmlingens Geschichte interessiert, kommt an Heinz Zimpfer nicht vorbei. Sein Hauptinteresse galt bisher allerdings den überlieferten Haus- und Hofnamen im Dorf, über die bereits ein Buch erschienen ist. Die Idee entstand beim Stammtisch der Feuerwehrsenioren, die, anstatt nur über Wehwehchen, Krankheiten und Ärzte zu sprechen, lieber »noch ebbes rechts« machen wollten. So fuhr Heinz Zimpfer mit dem Lageplan in der Hand auf dem Rad durchs Dorf und besuchte alle Leute. 

Akribisch recherchiert

In dieser Zeit hatte er zig Bibeln mit Stammbüchern, das war früher das Familienbuch, zum Studieren zuhause. Dabei stand ihm Thomas Hartmann zur Seite, der auch das 2013 erschienene Buch ausformulierte. Zudem gab es von 1998 bis gegen 2000 einen Arbeitskreis Chronik, dem auch Heinz Großholz von Memprechtshofen sowie einige Mitglieder des Historischen Vereins angehörten, der die »Chronik von Helmlingen« verfasste. Seit dieser Zeit ist die Helmlinger Ortsgeschichte ein Hobby von Heinz Zimpfer. »Früher hat mich der ›alte Käs‹ nicht interessiert«, lacht er, »aber wenn man selber älter wird, kommt das Interesse.«

Wer in Helmlingen in die frühe Geschichte eintauchen möchte, hat es allerdings nicht einfach. Die Chronik beginnt 1154. Damals gehörte Helmlingen kirchlich zu Scherzheim, wo das Kloster Schwarzach eine große Rolle spielte. Dieses war früher sehr mächtig und nutzte die Bauern aus. Am 25. April 1525 stürmten rund 3000 Bauern das Kloster und zündeten es an. Dabei gingen viele Dokumente verloren. Ab 1560 gehörte Helmlingen zu Lichtenau. Die Aufzeichnungen im Lichtenauer Kirchenbuch begannen 1650. 1966/67 wechselte die kirchliche Zuständigkeit wieder nach Scherzheim, und seither sind die Eintragungen im Scherzheimer Kirchenbuch zu finden. 

Zimpfer ist in Helmlingen ein sehr bekannter Namen. Die älteste schriftliche Erwähnung ist Bawel Zimpfer um 1568 in einem alten Kirchenbuch. Zimpfer könnte laut Helmut Mink von Symphorian kommen, dem Patron der Falkner. Der Name ist griechischen Ursprungs und bedeutet »der Nützliche«. Zimpfer könnte aber auch von Zimpel, einem gleichnamigen Ort in Schlesien, abgeleitet sein. Im Oberdeutschen wurden ursprünglich empfindsame, zimperliche Menschen Zimpel, Zimpfel oder Zimpelmann genannt. Die heutigen Zimpfers sind alle Nachkommen aus dieser Linie. 
Wagner gibt es seit 1738 in Helmlingen. Von 1861 bis 1865 war ein Christian Wagner Bürgermeister. Der Name belegt Platz sieben auf der Liste der häufigsten Familiennamen in Deutschland. In Helmlingen steht er auf Platz zwei und kommt vom Beruf des Wagners (Wagenmacher) oder »Wauners«, wie man in Helmlingen zu sagen pflegte. Im niederdeutschen Raum verbreitete Varianten sind Wegner und Wegener. Daneben gibt es die Varianten Wahner, Wehner und Weiner. In Helmlingen heißen heute noch neun Familien Wagner. 

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An dritter Stelle stehen die Zimmers. Der Name kommt 26 Mal vor und wurde 1610 zum ersten Mal erwähnt. Die Zimmers wie auch die Ludwigs, die mit 14 Personen den sechsten Platz belegen, kamen größtenteils aus Graulsbaum. Während Zimmer auf den Beruf des Zimmermanns zurückzuführen ist, ist Ludwig ein männlicher Vorname, der um 1900 sehr beliebt war. 

Zwei Schreibweisen

Walther belegt den vierten Platz und wurde 1632 mit Margarethe Walther zum ersten Mal erwähnt. Wo die Walthers herkommen, ist nicht bekannt, aber sie werden im nördlichen Hanauerland mit »th« geschrieben – im Gegensatz zum südlichen Hanauerland. Der Familienname leitet sich vom Vornamen Walter/Walther ab. 

Mit 20 Personen steht Hänsel auf Platz fünf. Der erste Hänsel war Matthis Hänsel, 1624 geboren. Seltsamerweise hießen seine Eltern Hayland, deren Nachkommen später in die USA auswanderten. Hänsel kommt vom kleinen Hans. Hans ist eine Kurzform des biblischen Namens Johannes, der »Gott ist gnädig« bedeutet. 

Weiter geht die Namenshitliste in Helmlingen mit Schmidt (zwölf), Staiger (elf), Kautz (zehn) sowie Heiland und Decker (jeweils acht). Die Heilands/Heylands sind 1609 erstmals in Helmlingen erwähnt, während die Kautzes ihre Geschichte bereits bis in das Jahr 1300 zurückverfolgt haben. 

Hintergrund

Häufigste Namen

Alte Helmlinger Namen, die es nur noch wenig gibt, sind: Bertsch, Rexer, Brunner, Schneble, Wilczynski, Reichenberger, Schulz, Schulze, Schneider, Karcher, Wahl und Wurtz. em

Hintergrund

Häufigste Namen

Die häufigsten Namen in Helmlingen (aktuell 862 Einwohner) sind:
1. Zimpfer (34 Personen) 
2. Wagner (32)
3. Zimmer (26) 
4. Walther (22) 
5. Hänsel (20)em

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