Wegen des Zölibats

Acherner Matthias Fallert ist kein Priester mehr

Autor: 
Andreas Cibis
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
22. August 2016
Mehr zum Thema

Vor einem Jahr verließ Matthias Fallert die Seelsorgeeinheit Achern und suchte eine neue Herausforderung in Bolivien. Jetzt gibt er den Priesterberuf auf. ©Roland Spether

In den katholischen Gottesdiensten in Achern wurde am Wochenende bekannt gegeben, dass Matthias Fallert, der als gebürtiger Acherner von 2007 bis 2015 Pfarrer in Achern war, seinen Priesterberuf aufgibt. Als Grund führt Matthias Fallert an, dass das Zölibat nicht mehr seine Lebensform sei.
 

Am Wochenende gab die Erzdiözese Freiburg eine Presseerklärung zum Schritt von Matthias Fallert ab. Dieser äußerte sich in einer Mitteilung. Erzbischof Stephan Burger habe Pfarrer Matthias Fallert (44) von seinen Rechten und Pflichten als Priester der Erzdiözese Freiburg entbunden, teilte die Erzdiözese mit. Pfarrer Fallert scheide auf eigenen Wunsch aus dem Priesterberuf und aus dem Dienst der Erz­diözese aus. 

Damit ist Matthias Fallert innerhalb von eineinhalb Jahren der zweite katholische Geistliche aus dem Raum Achern, der seinen Priesterberuf wegen des Zölibats aufgibt. Bereits im Februar 2015 hatte der damalige Dekan Edgar Eisele erklärt,  er wolle sein Priesteramt aufgeben und ein »authentisches Leben« führen. Er bekannte sich zu der Liebe zu einer Pastoralreferentin.  Da ein katholischer Pfarrer aber dem Zölibat, der Ehelosigkeit, verpflichtet ist, waren das Privatleben und das Leben als Pfarrer für Edgar Eisele nicht mehr vereinbar. Nachfolger als Dekan wurde Georg Schmitt.

Auch Matthias Fallert gibt, so teilt die Erzdiözese mit, als Grund an, im Zölibat nicht mehr seine Lebensform zu sehen. Erzbischof Stephan Burger bedaure die Entscheidung Fallerts und habe ihm im persönlichen Gespräch für seinen in der Erzdiözese geleisteten Dienst gedankt.

2011 Kritik an Zölibat
In der ARZ-Serie »Auf ein Wort, Herr Pfarrer« hatte Matthias Fallert sich im Sommer 2011 bereits mit dem Thema Zölibat kritisch auseinandergesetzt. »Das wird stark diskutiert, auch unter Priestern«, meinte er damals. Der Kirche gehe wegen des Zölibats viel Potenzial verloren. Viele gute Priester würden gehen, wenn sie das Zölibat nicht leben können. Nun reiht sich auch Matthias Fallert in die Riege der Priester ein, die wegen der Ehelosigkeit ihren Beruf aufgeben.

- Anzeige -

»Für das Vergangene: Dank; für das Kommende: Ja!« Mit diesen Worten des ehemaligen Generalsekretärs der Vereinten Nationen Dag Hammarskjöld sei seine jetzige Lebenssituation gut beschrieben, erklärte Matthias Fallert den Acherner Katholiken in einer Mitteilung. Er spüre mit Blick auf seine Jahre in der Seelsorgeeinheit Achern von 2007 bis 2015 einen tiefen Dank in sich, dies auch mit einem Jahr Abstand. 

Entscheidung gereift
Während seines Jahres in Bolivien sei in ihm die Entscheidung gereift, aus dem Priesterberuf und aus dem Dienst der Erzdiözese auszuscheiden. Dass die Lebensform des Priesters für ihn eine Wunde sein werde, sei ihm bei seiner Priesterweihe klar gewesen. »Aber was, wenn die Wunde zu stark blutet?«, fragt er.

Es falle nicht leicht, sich einzugestehen zu müssen, dass man in seinen Lebensplänen gescheitert sei.  Er gehe diesen Schritt gewiss nicht weniger gläubig als vor 17 Jahren in den priesterlichen Dienst und sage zum Kommenden voll Vertrauen: Ja! Wohin der Weg auch führen werde: Gottes Kraft gehe alle Wege mit, zitierte er Alfred Delp. 

»Wir wünschen Ihnen von Herzen, dass Sie finden, was Sie suchen«, hatte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Regine Schwall-Geier im Juli 2015 noch zum Abschied von Matthias Fallert gemeint.In Bolivien hat er nun etwas gefunden, was sicherlich viele Acherner Katholiken bedauern, nämlich dass der beliebte Priester sich klar ist, nicht mehr mit dem Zölibat leben zu können. Nähere Auskünfte, ob die konkrete Liebe zu einem bestimmten Menschen hinter der Entscheidung steckt, gab Matthias Fallert in seinem Schreiben nicht.  

Er dankte den Achernern »auch im Namen vieler bolivianischen Kinder und Jugendlichen« für die großzügigen Spenden, die er anlässlich seiner Verabschiedung und während des Jahres erhalten habe. Diese gingen zum einen an die »Aldea Cristo Rey«, einem Heim in Cochabamba mit rund 160 Kindern und Jugendlichen, das sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern, deren Eltern im Gefängnis inhaftiert sind, eine neue Heimat zu geben. Zum anderen wurde mit dem Geld die »Fundacion Arco Iris« von Padre José Neuenhofer in La Paz unterstützt, einem Hilfswerk, das sich für Kinder und Jugendliche auf der Straße, von der Straße sowie für soziale Projekte, wie Kindergarten, Kindertagesstätte und Schulbildung einsetzt. 

Zur Person

Matthias Fallert

Matthias Fallert, im Juli 1972 in Achern geboren, wurde 1999 zum Priester geweiht. Als Kaplan wirkte er von 2002 bis 2004 in Elzach, danach promovierte er zum Doktor der Theologie. Als Kooperator war er 2006 für ein Jahr in Forchheim am Kaiserstuhl, bevor er von 2007 bis 2015 als Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Achern arbeitete. Während eines Sabbatjahres war Fallert ab September 2015 in einem Kinderheim in Co­chabamba (Bolivien) tätig.red/aci

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 13.05.2019
    »Schöne Zeit« – der zeitlose Weingenuss
    Fruchtig, farbenfroh und voller Lebensfreude – so zeigt sich der neue »Schöne Zeit«-Weißwein der Durbacher WG. Der Name ist Programm und steht für zeitlosen Genuss für jedes Alter – aus dem Herzen des Durbachtals.
  • 09.05.2019
    Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch beraten
    80 Prozent der Deutschen haben Rückenschmerzen - viele sogar chronisch. Ursache dafür ist in den allermeisten Fällen eine mangelnde oder falsche Bewegung. Die Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch zeigen, wie Rückenschmerzen künftig der Vergangenheit angehören können - und beraten kostenlos.
  • 07.05.2019
    Mitgliederversammlung
    Es war eine geheime Abstimmung beim SV Berghaupten. Doch danach stand fest: Die Führungsmannschaft bleibt bis 2021 im Amt. Robert Harter wurde erneut die SVB-Präsidentenwürde zuteil.  
  • 01.05.2019
    Relaxen und Genießen im Renchtal
    Das neugestaltete Ringhotel Sonnenhof in Lautenbach im Renchtal begrüßt seine Gäste mit einer einzigartigen Kulisse am Fuße des Schwarzwaldes. Ob im Restaurant, bei den Spa-Angeboten, für Tagungen oder Hochzeiten – der Sonnenhof ist die ideale Adresse zum Relaxen und Genießen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

Der Vincentius-Verein Oppenau wählte für die nächsten vier Jahre seinen ehrenamtlich tätigen Vorstand: (vorne von links) Pfarrer Klaus Kimmig, Johanna Roth, Brunhilde Rauscher (Vorsitzende), (hinten von links) Martin Fischer (stellvertretender Vorsitzender), Uwe Gaiser, Werner Decker (stellvertretender Vorsitzender) und Bernhard Huber.
vor 2 Stunden
Neuwahlen beim Vincentius-Verein Oppenau
Die Leitungsgremien des Oppenauer Vincentius-Verein wählten einen neuen Vorstand. Erstmals steht mit Brunhilde Rauscher nun eine Frau an der Spitze dieser für das Obere Renchtal wichtigen gemeinnützigen Einrichtung.
Treue zu den Bläch Forest Guggys gewürdigt (von links): Susanne Burk, das Ehrenmitglied und auch Vorsitzender Thomas Pilz sowie seine Stellvertreterin Christine Heim.
vor 4 Stunden
Achern
Bei ihrer Hauptversammlung ernannten die Acherner Bläch Forest Guggys im »Abseits« in Gamshurst ihren Vorsitzenden Thomas Pilz zum Ehrenmitglied. Das Minus in der Kasse trübte die ansonsten gute Gesamtbilanz.
Die SPD/Bürgerliste setzte ihre Infotour in Zusenhofen fort.
vor 4 Stunden
SPD/Bürgerliste auf Infotour
Letzte Stationen der Tour, bei der sich die Kandidaten der  SPD/Bürgerliste auch in den Ortschaften über anstehende Projekte und  wichtige Maßnahmen informieren waren Stadelhofen und Zusenhofen. 
Europaparlaments-Kandidat Michael Bloss (Mitte, hier mit den Ortsverbandsvorsitzenden Sabine Waldecker und Rudi Dillmann) stellte in Oberkirch die europäische Klimapolitik vor.
vor 4 Stunden
Europawahl in Oberkirch
Oberkirch (red/pak).  Der baden-württembergische Kandidat der Grünen für das europäische  Parlament, Michael Bloss, gab in Oberkirch einen Ausblick auf die europäische  Klimapolitik..   
Die CDU-Kandidaten beschäftigten sich in Önsbach mit den Herausforderungen für die Stadtteile.
vor 4 Stunden
Diskussion und Rundgang zeigen:
Die CDU-Kandidaten für den Ortschaftsrat und den Stadtrat erkundigten sich am Beispiel Önsbach über die Aufgaben und Herausforderungen der Stadtteile der Großen Kreisstadt Achern
Eine ganze fünfte Schulklasse ist im Porträt zu sehen, ihre Gesichter sind in Collagen zusammengesetzt.
vor 4 Stunden
Profis sind nicht mehr unter sich
»Gesichter unserer Zeit«, zeigen Schüler der Heimschule Lender. Am Sonntag traf man sich zur Vernissage im Toni-Merz Museum. 
Beim Dreiakter »Hochzeit mit Hindernissen« der Laienspielgruppe blieb beim Unterhaltungsabend der Renchtäler Tachtentanzgruppe Oppenau kein Auge trocken.
vor 4 Stunden
Renchtäler Trachtentanzgruppe Oppenau
 Beim Unterhaltungsabend der Renchtäler Trachtentanzgruppe (RTTG) Oppenau in der vollbesetzten Günter-Bimmerle-Halle stand das Handwerk im Vordergrund. Das Motto zog sich durch den von der Vorsitzenden Stefanie Maier moderierten Abend. 
Das Rheinauer Familienzentrum verliert seine langjährige Vorsitzende (vorn von links) Sonja Hummel, Marion Nückles, (Mitte) Inga Speck, Christina Ehrenberg, Anita Schalla, (hinten) Manja Sättler, stellvertretende Vorsitzende Birgit Stein und Ortsvorsteher Robert Reifschneider.
vor 4 Stunden
Familienzentrum Mütze
Ohne Vorsitzende ist seit Montag das Rheinauer Familienzentrum Mütze. Nach neun Jahren an der Spitze stellte sich Christina Ehrenberg nicht mehr zur Wiederwahl.
Die Kandidaten der »Bürger für Zusenhofen« am Graben entlang des Baugebiets Rödermatt: Unser Bild zeigt von links Heinz Fischer, Tanja Weinzierle, Birgit Welle, Wolfgang Lacherbauer, Verena Rich.
vor 4 Stunden
Unterwegs im geplanten Baugebiet
Kandidaten der Liste „Bürger in Zusenhofen« informierten sich am Freitag über das Baugebiet Rödermatt, die Verkehrsbelastung im Ort und die Situation bei den Vereins-und Proberäumen.
Die CDU Oberkirch und die Mittelstandsvereinigung besuchten das Bauzentrum Rendler.
vor 4 Stunden
Rendler würde gerne mehr ausbilden
Seit wenigen Monaten in Betrieb, öffnete das neue Bauzentrum Rendler seine Tore zur  Betriebsbesichtigung für die CDU Oberkirch und deren Mittelstandsvereinigung. 
vor 4 Stunden
Blaulichtalarm im "Bierdorf" Ulm
Die Organisationen, die in der Grimmelshausenstadt mit Blaulicht unterwegs sind, präsentierten sich am Sonntag beim traditionellen Floriansfest der Öffentlichkeit. Sie stellten in Ulm Aufgaben und Einsatzmittel mit  einem vielseitigen Rahmenprogramm vor.  
vor 4 Stunden
Renchen
14 Konfirmanden aus Renchen, Erlach, Ulm, Önsbach und Kappelrodeck feierten m,it Pfarrerin Dagny von der Goltz in der Grimmelshausenstadt ihre Konfirmation.