Trockene Bäche in Rheinau

Der Lebensraum Rheinauen ist in großer Gefahr

Autor: 
Josef Budai
Lesezeit 4 Minuten
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17. Juni 2020

Der Renchflukanal ist derzeit trockenen Fußes beim Absturzbauwerk in Memprechtshofen zu überqueren.Die Wasserführung endet am Beginn der betonierten Fläche vor der Absturzkante, ungewöhnlich für die Jahreszeit. Das wenige Wasser reicht gerade noch zur Aufrechterhaltung der Funktionalität des Fischaufstieges (Vordergrund rechts), der in Fließrichtung des Kanals rechts am Gewässer angebaut ist. ©Josef Budai

Schon jetzt führen die Bäche und Flüsse der Region sehr wenig Wasser, dabei kommt der Hochsommer erst noch. Der Fischaufstieg am Renchflutkanal in Memprechtshofen funktioniert zwar, doch Flora und Fauna leiden allgemein stark unter der Trockenheit.

Trockenen Fußes den Renchflutkanal überqueren? Das war im Hitzesommer 2019 möglich, als anhaltende Trockenheit Bäche und Flüsse teilweise ganz versiegen ließ. In diesem Jahr ist das Phänomen zurück – sogar früher als erwartet.

Bereits Ende Mai zeichnete sich die Entwicklung ab, als die Pegelstände in den heimischen Gewässern deutlich auf dem Rückzug waren. Auch gelegentlicher Regen änderte kurzzeitig nur wenig an der Situation an den Gewässern. In diesem Jahr hat sich die problematische Situation schon früher eingestellt, was auch das Landratsamt Ortenaukreis auf den Plan ruft.

Gleichgewicht sichern

Die Behörde ordnete ein Wasserentnahmeverbot aus den heimischen Bächen an (wir berichteten), um das biologische Gleichgewicht der Gewässer zu sichern. Insbesondere auf den Fischbestand, andere Lebewesen im Wasser und Wasserpflanzen könnte sich der geringe Wasserstand und die damit verbundenen hohen Wassertemperaturen negativ auswirken, so die zuständige Stelle beim Landratsamt. 
Bei zu geringer Wasserführung der Gewässer und erhöhten Temperaturen sinkt der Sauerstoffanteil im Wasser. Verstärkter Algenwuchs ist oft die Folge, die Fließgeschwindigkeit geht zurück und schlimmstenfalls kommt es zur Austrocknung wie es eben 2019 passiert ist, mit weitreichenden Folgen für Flora und Fauna der Gewässer. 

Aktuell zeigt der Renchflutkanal beim Absturzbauwerk in Memprechtshofen schon keine Wasserführung mehr über die Absturzkante. Sichergestellt ist lediglich noch die Wasserführung der parallel verlaufenden Fischtreppe. Die eigentliche Wasserführung des Kanals endet genau an der betonierten Fläche vor der Absturzkante.

Der Fischaufstieg wurde vor etlichen Jahren im europäischen Förderprogramm „Lachs 2000“ angelegt und soll es besonders Langdistanzwanderfischen wie dem Lachs wieder ermöglichen, die einstigen Laichgründe in den Oberläufen der Rheinzuflüsse, wie der Rench, zu erreichen.

Regen hat geholfen

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Immerhin ist die Wasserführung und damit die Funktionalität des dortigen Fischaufstieges auch bei problematischen Wasserständen noch einigermaßen gewährleistet. Die kürzlichen Regenfälle haben dafür gesorgt, dass eine wenigstens vorübergehende Stabilisierung eingetreten ist und die Fische derzeit noch nicht in akuter Gefahr sind.

Völlig anders stellte sich die Situation aber im vergangenen Jahr dar, als Mitglieder des ASV Memprechtshofen eine Rettungsaktion am Flutkanal eiligst organisiert hatten und zahlreiche Fische quasi in letzter Sekunde vor dem Ersticken im ausgetrockneten Flussbett bewahrten und in Sicherheit brachten.

Wenn sich die allgemeine Situation in punkto Niederschlägen nicht spürbar ändert und während der Sommermonate zudem hohe Temperaturen herrschen, dann wird es für die Fischbestände und auch für die übrigen Wasserbewohner mehr als bedrohlich werden, sind sich die Fischereiexperten einig.

Von vielen eher noch nicht bemerkt, da überwiegend im Wald und hinter Schilf verborgen, setzt sich die negative Entwicklung an den Gewässern auch in den heimischen Auwäldern wie in Rheinau immer weiter fort. Dort beobachtet man schon seit Jahren eine zunehmende Verlandung der einstigen Seitenarme des Rheins. Das ist verbunden mit einem alarmierenden Rückgang der notwendigen Gewässerdynamik im empfindlichen Ökosystem der Rheinauen, die ebenfalls auf konstantere Wasserstände angewiesen sind. 

Biologische Uhr tickt

So waren in den vergangenen Jahren immer wieder größere Bereiche der dortigen Flachwassergebiete – wichtiger Lebensraum für Wasservögel, Insekten und Kleinfische – im Auwald gänzlich ausgetrocknet. Setzt sich diese negative Entwicklung auch beim Namensgeber der Stadt Rheinau fort und wird nicht bald gegengesteuert, dann läuft die biologische Uhr für das einzigartige Ökosystem Rheinaue langsam aber sicher ab.

Wie es auch anders geht, haben gezielte Erhaltungsmaßnahmen für die Rheinauen in Rastatt und Karlsruhe, aber auch weiter rheinabwärts bewiesen. Intelligentes Gewässermanagement auf Landes- und kommunaler Ebene dürfte künftig für Bäche, Flüsse und das Ökosystem Rheinaue immer stärker in den Fokus rücken, um den Auswirkungen des Klimawandels nachhaltig gegenzusteuern, denn es ist bereits fünf nach zwölf.

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