Achern / Oberkirch

Der Luchs wirft viele Fragen auf

Autor: 
Silke Keil
Lesezeit 4 Minuten
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24. August 2006
Umfragebögen über den Luchs flatterten in die Briefkästen von Rench-täler Politikern, Förstern, Jägern, Landwirten und Touristen. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg möchte darin wissen, wie die Interessenvertreter zur geschützte Wildkatze stehen. Immer wieder wird der Luchs im Schwarzwald gesichtet – auch in unserer Region.
Oberkirch. Das Pendant vom bayrischen Braunbär Bruno im Renchtal ist eine Wildkatze: der Luchs. Vor rund 200 Jahren in Mitteleuropa ausgerottet, schleicht er sich erneut in die heimischen Bergwälder. »Der Luchs taucht im Schwarzwald sporadisch auf«, informiert Micha Herdtfelder, der als Wild-ökologe bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg tätig ist. Gemeinsam mit Va-nessa Pahl arbeitet er an einem Luchsprojekt. Seit 1988 existieren Hinweise auf die Anwesenheit des Raubtiers im Schwarzwald, seit 1998 gelten sie als gesichert. Seit sechs Jahren hält die forstliche Landesanstalt alle Hinweise auf die scheue Katze fest. »Von einer Luchspopulation kann man im Schwarzwald noch nicht sprechen«, betonte der Wissenschaftler. Doch was noch nicht ist, kann noch werden. Seit August oder September 2005 lebt ein Tier im Donautal – durch Sichtkontakt, Pfotenspuren und Risse hat er sich den Fachleuten verraten. Es ist der einzige nachgewiesene Luchs in Baden-Württemberg. »Woher er kommt, wissen wir nicht«, erläutert Herdtfelder, »wir wissen nur, dass die nächst gelegenen Populationen im Schweizer Jura und in den Vogesen sind.« Doch auch in der Ortenau ist ein Luchs gesichtet worden: Walter Lang, ehemaliger Forstamtsleiter in Oberkirch, bekam das Raubtier auf der Jagd vor drei Jahren zu Gesicht. Frühmorgens am Schliffkopf. »Es war ein großes Erlebnis«, erinnert sich Lang, »rund 80 Meter von mir entfernt tauchte er aus dem Gebüsch auf und schlich in gemächlichem Gang den Weg entlang.« Sofort erkannte ihn der ökologisch orientierte Jäger an den langen Beinen, dem kurzen Körper und dem großen Kopf mit Büschelohren. Schon zwei Jahre zuvor hatte er dort Luchsspuren im Schnee gefunden. Im Juni 2005 bekam ihn ein Jäger beim Kniebis zu Gesicht, im September 2005 meldete ihn eine Privatperson aus Bühl. Spektakulär war der Fund eines Risses vor drei Monaten in Hornberg. Ein Pri-vatmann, der im Wald Holz machte, erkannte die Bedeutung des ungewöhnlich angeknabberten Rehs. »Da es mitten auf der Straße lag und weggeschafft werden musste, konnte leider nicht mehr be- obachtet werden, ob der Luchs zurückkommt«, bedauert Herdtfelder. Dennoch räumt er ein: »Die Anwesenheit eines Luchses gilt als wahrscheinlich.« Riesiges Revier In Skandinavien ist die Wildkatze noch weit verbreitet. Wortwörtlich weit, denn die Reviergröße beträgt bei Weibchen im Schnitt 10 000 Hektar Wald, bei den Männchen ist sie generell größer. Ein Luchs beansprucht daher viermal so viel Wald wie die Oberkircher Gemarkung aufweist. Weitläufige, naturnahe Waldflächen ermöglichen ihm ein ungestörtes Anpirschen an seine Beute wie Rehe und Gämsen. Der kleinparzellige Schwarzwald mit seinen vielen Siedlungen und Freiflächen ist für die Wildkatze damit nicht ideal. Seit Jahren schwelt ein Konflikt über das Für und Wider einer Rückkehr des Luchses in Baden-Württemberg. Die Naturschützer und Förster begrüßen sie, Jäger und Landwirte äußern Bedenken. Viele haben überhaupt keine Meinung, da sie wenig über den Luchs wissen. Das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg hat 2004 die »Arbeitsgruppe Luchs« initiiert, um Konflikten wie beim Fall des Braunbärs Bruno vorzubeugen. In der Arbeitsgemeinschaft (AG) sind alle Interessengruppen vereint, die mit dem Luchs in Berührung kommen könnten, neben Bauern- und Jagdverbänden unter anderem auch der Schwarzwaldvereine und der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Die AG will unter anderem die Zusammenarbeit den Interessengruppen, Verwaltungen und Verbände koordinieren, Aktivitäten beim Umgang mit dem Luchs abstimmen, die Ergebnisse und Methoden des Monitorings transparent machen, Informationen austauschen und Interessenkonflikte lösen. Nicht zuletzt der Verbesserung der gesellschaftlichen Akzeptanz soll die Umfrage dienen, die von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg – ebenfalls Mitglied in der AG Luchs – initiiert wurde. Unterstützt wird sie vom Landesjagdverband und Badischen Bauernverband. »Wir hoffen auf ein umfassendes Meinungsbild«, erläutert Vanessa Pahl. Daher wurden Jäger, Förster, Landwirte, politische Entscheidungsträger und Touristen in insgesamt 200 Gemeinden im Naturpark Mitte/ Nord und Naturpark Süd angeschrieben. Das Projekt, an dem ein Doktorand mitarbeitet, startete im Oktober, erste Umfragebögen sind Mitte Mai herausgegeben worden. Die Fragen variieren: Es gibt einen einfachen Fragebogen für Touristen und politische Entscheidungsträger sowie einen etwas umfangreicheren für Jäger und Förster sowie für Landwirte. Insgesamt also drei. Hoffnung auf Antwort Unter anderem möchte die Forsteinrichtung wissen, wie der Luchs aussieht, wie er lebt und was er frisst, ob er für Menschen gefährlich ist, wie man sein Weidevieh vor ihm schützen kann, wie viele Luchse in freier Wildbahn leben und ob der Proband die Wiedereinführung des Luchses befürwortet. Vanessa Pahl hofft, dass der Großteil der fast 2500 verschickten Fragebögen wieder zurückkommt. @http://www.ag-luchs.

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