Aus Hobby wird Aufzuchtstation

Der Oberacherner Jörg Wilhelm zieht Koi-Karpfen groß

Autor: 
Matthias Heidinger
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. Juni 2018
Foto oben: Jörg Wilhelm an seinem Koi-Teich im Garten. Dort genießen seine Lieblinge ein sorgenfreies Leben.

(Bild 1/2) Foto oben: Jörg Wilhelm an seinem Koi-Teich im Garten. Dort genießen seine Lieblinge ein sorgenfreies Leben. ©Benedikt Spether

Ihre größten Feinde hierzulande sind die Fischreiher, Katzen brauchen sie nicht zu fürchten. Manche sind sehr wertvoll, doch normalere Exemplare kosten auch schon mehr als 100 Euro. Von Koi-Karpfen ist die Rede. Ihnen widmet sich seit fünf Jahren Jörg Wilhelm in der Acherstraße in Oberachern. Die ARZ hat ihn besucht.

 Im Teich im Garten von Jörg Wilhelm schwimmen Koi-Männchen und -Weibchen. Seit zwei Jahren leben sie aber eher enthaltsam. Wieso, weiß ihr Besitzer nicht. Ihr vorübergehendes Zölibat hat aber den Vorteil, dass sie sich nicht verletzen. Denn bevor die Tiere ihre Eier und Samen ins Wasser absetzen, jagen die Herren den Damen ziemlich rustikal hinterher, erzählt der 50-Jährige Koi-Fan. Wenn die befruchteten Eier dann doch mal im Teich schwimmen, muss er Hebamme spielen – und zwar zügig, sonst fressen die Fische ihre eigene Brut.

Beim Besuch der ARZ sind die Tiere schüchtern. »Die erkennen Fremde und verhalten sich dementsprechend vorsichtig«, sagt der Experte. Pure Entspannung sei es für Jörg Wilhelm, wenn er abends eine halbe Stunde am Teich sitzt und die Tiere beobachtet: »Da komme ich total runter.«

Früher Goldfische

Als gelernter Gärtner hat Wilhelm früher Goldfische gezüchtet. Aber nur zwei der vielen Koi in seinem neuen Gartenteich hat er selbst gezüchtet, die anderen hat er dazugekauft. Er ist kein Züchter der edlen Karpfen, obwohl er schon manchen Sprössling verkauft hat.

In dem von der Straße gut einsehbaren Teich leben etwa 25 Koi, ein paar Störe und mancher Frosch sind auch darunter. Von diesen Koi verkauft er keinen, sagt Wilhelm, »das sind meine Lieblinge«. Fast jeder von ihnen hat einen Namen. Goldi heißt der große Gelbe, Dreckig heißt ein großer Fleckiger. Manche leben darin seit fünf Jahren, also seit der Gärtner Koi kennen gelernt hat. Ein Bekannter musste damals seine Koi hergeben und Jörg Wilhelm griff zu.
Da wusste er noch nicht viel über die Haltung der farbigen Karpfen. »Man muss sich schon schlau machen.« So lieben die Fische etwa 25 Grad warmes Wasser. Das Futter kauft der Oberacherner bei speziellen Händlern. Über Facebook tauscht er sich mit anderen Sammlern aus.

2500 Liter Leitungswaser braucht er zum wöchentlichen Reinigen. Nitrite und Ammoniak aus den Ausscheidungen der verfressenen Karpfen werden dadurch hinausgespült. Das sei für die Tiere die beste Gesundheitsfürsorge, erklärt Wilhelm. Teure Medikamente oder gar extra organisierte Tierarztbesuche kann er sich dadurch sparen.

- Anzeige -

Viel Frischwasser

Einen Bekannten im Dorf hat er einen Koi geschenkt, der ist jetzt auch angefixt. »Wenn Sie einmal auf den Zug aufspringen, bleiben Sie dabei«, sagt Wilhelm. Auch wenn dadurch nicht nur die Kosten für Frischwasser deutlich in die Höhe schnellen. Wilhelms Stromverbrauch gleicht wegen der vielen Pumpen eher dem einer kleinen Firma. Der Koi steht in Japan für Reichtum, für Glück. Die Tiere machen Jörg Wilhelm glücklich. Er erkennt, wenn es einem der Tiere schlecht geht. Nur drei Tiere sind ihm in fünf Jahren gestorben. Um die Pflege und künftig auch die Aufzuchtstation kümmert er sich allein, seiner Frau baut er nun einen eigenen Goldfischteich.

Soll Hobby bleiben

In seiner Garage in Ober­achern hat er sich eine Aufzuchtstation gebaut. Wilhelm will umsatteln. Er wird im Sommer 50 bis 100 original japanische Koi kaufen und in seiner Garage etwa acht Monate lang bis zum Alter von ein, zwei Jahren aufziehen und sie dann in der Region verkaufen. Er wird keine Nachkommen von diesen Tieren züchten, »das wäre ein zu großes Unterfangen«, sagt Wilhelm. Es soll ja Hobby bleiben – kombiniert mit einem kleinen (Online-)Geschäftsbereich. 

Verschicken wird er die groß gezogenen Koi nicht, die Kunden werden sie sich schon abholden müssen, sagt er. Es gibt hochpreisige Arten mit bis zu 60 000 Euro pro Stück, solche Exemplare hat der 50-Jährige nicht im Sortiment.

Obwohl Jörg Wilhelm seine Karpfen so schnell sicher nicht langweilig werden, besitzt seine Familie noch weitere Tiere: acht Landschildkröten, einige Geckos, ein Pferd, Hasen, Vögel und vier Katzen. 

Eine Rundreise zu Koi-Züchtern in Japan, dem Mutterland des Koi, ist geplant. Das ist schon etwas Besonderes für den Oberacherner, denn auf Urlaub verzichtet er normalerweise – den Fischen zuliebe. Deren Pflege gibt er nur ungern aus der Hand. Dabei würden sie seine Abwesenheit für zehn, 14 Tage locker überleben, sagt Wilhelm, »sie würden im Teich vielleicht etwas abnehmen, aber in der Not futtern sie auch Algen«. Wie die Koi schmecken, interessiert den Oberacherner übrigens nicht: Er isst gar keinen Fisch.

Stichwort

Koi

Die Herkunft der Koi ist laut Wikipedia nicht eindeutig geklärt. Vermutlich stammen einfarbige Karpfen aus dem Iran und wurden vor etwa 2000 Jahren nach Asien gebracht, wo sie als Insektenfresser und Speisefische gehalten wurden.

Seit etwa 1870 wurden die Koi in Japan von Adeligen als Statussymbole gehalten. Inzwischen ist die Koizucht auch in Europa sehr beliebt. Aufgeteilt werden die Koi in mindestens 16 Hauptvarianten und über 100 Unterformen. Die Anzahl der Varianten erweitert sich laut Wikipedia fortlaufend.red/hei

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.
27.12.2018
Abenteuer-Indoor-Spielplatz
Wer möchte seinen Kindern zum Geburtstag nicht gern etwas ganz Besonderes bieten? Im Kiddy Dome in Schutterwald ist das möglich. Denn nicht nur an ihrem großen Tag sind die Kinder in diesem Abenteuer-Indoor-Kinderspielplatz die Könige. 
27.12.2018
Wie wir nachts schlafen bestimmt, wie unser Tag verläuft – und deshalb ist gesunder Schlaf auch so wichtig. Das eigene »Bett nach Maß« klingt fast wie ein Traum – doch Leitermann Schlafkultur ist Spezialist auf diesem Gebiet und macht es möglich.
20.12.2018
Was braucht es für einen gesunden Körper? Den Willen natürlich! Und außerdem das richtige Training und Ernährung. Im Fitnessstudio Sportpark in Schutterwald gibt es die passende Beratung mit gezielten Übungen zur "Gute-Laune-Figur".

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

Solche roten Aufkleber prangern an unangemeldeten Autos, die öffentlich abgestellt sind.
vor 1 Stunde
Nachgefragt
Abgemeldete Autos auf öffentlichen Parkplätzen: Was sagt darf man, was darf man nicht? Baden Online hat nachgefragt.
Die Erschließung des Baugebiets »Schöne Aussicht« soll in diesem Jahr abgeschlossen werden.
vor 17 Stunden
Haushalt 2019
Bad Peterstal-Griesbach hat den Haushaltsplan 2019 verabschiedet. Die struktur- und finanzschwache Gemeinde fordert eine bessere finanzielle Ausstattung durch das Land, um ihre Aufgaben erfüllen zu können.
1939 wurden die Daten der Wasserzähler noch nicht digital erfasst. Werksleiter Matthias Heußer zeigt ein Buch der Stadtverwaltung aus diesem Jahr.
vor 21 Stunden
Viele Acherner melden Zählerstand online
Laut Oberbürgermeister Klaus Muttach ist die Stadtverwaltung auf dem Weg ins digitale Zeitalter und »will den Bürgern Chancen der Digitalisierung öffnen«. Dabei sei die Stadt in vielen Bereichen recht weit, wie etwa bei den Stadtwerken. 
Vor dem Amtsgericht ging es um eine angebliche Rot-Fahrt eines 21-Jährigen.
19.01.2019
Acherner Amtsgericht
Einspruch gegen eine 90 Euro Geldbuße legte ein 21-jähriger Auszubildender aus einem Acherner Stadtteil ein. Er soll eine rote Ampel nicht beachtet haben.
Mit der Pizza lieferte ein mutmaßlicher Drogendealer noch andere Dinge aus.
19.01.2019
ARZ-Geflüster
In unserer Wochenendglosse geht es heute natürlich um Oberkirchs berühmtesten Pizzalieferanten: Der mutmaßliche Drogenhändler, der seine Ware in Pizzakartons ausgeliefert haben soll, hat offenbar ein filmisches Vorbild. Außerdem gibt es erste Hinweise, dass die AfD in Achern aktiv wird. 
Wie sieht die Zukunft des Oberkircher Krankenhauses aus? Der Förderverein Ortenau Klinikum Oberkirch erwartet auf diese Frage Antworten von Kreis und Klinikleitung.
19.01.2019
Wegen Notfallpraxen
Der Förderverein Ortenau Klinikum Oberkirch will auf die Umsetzung der Kreistagsbeschlüsse drängen, damit das Oberkircher Krankenhaus eine Chance in der Zukunft hat (wir berichteten gestern ausführlich). Beim »Runden Tisch« am Mittwoch wurde klargestellt, dass es um das Vertrauen zur Klinikleitung...
Sie setzen sich für Europa ein: Hans-Georg Waßmuth (2. Vorsitzender der Europa-Union Oberkirch), Siegfried Muresan (rumäischer Europabgeordneter), Franz Männle (Vorstandsvorsitzender der Oberkircher Winzer eG), Ottmar Philipp (Mitglied der Europa-Union).
19.01.2019
Neujahrsempfang
Beim europapolitischen Neujahrsempfang am Mittwoch in der Oberkircher Winzer eG standen die rumänische EU-Ratspräsidentschaft und der drohende harte Brexit im Fokus. Der rumänische Abgeordnete des Europaparlaments (EP) Siegfried Muresan nahm zur Thematik  Stellung und zeigte sich als entschiedener...
Oberkirchs Pfarrer Lukas Wehrle begleitet eine Gruppe junger Erwachsener zum Weltjugendtag.
19.01.2019
Pfarrer reisst mit
Pfarrer Lukas Wehrle reist mit einer Gruppe aus der Seelsorgeeinheit Oberkirch nach Panama. Ihr Ziel ist der Weltjugendtag, der den Jugendlichen die Möglichkeit gibt, Kirche einmal ganz anders zu erfahren. Auch für Wehrle selbst ist die Reise eine Inspiration.
19.01.2019
Seniorentreff Renchen
Einen optimalen Auftakt erlebte das Jahresprogramm des Seniorentreffs. Rund 120 Besucher waren in den  Josefsaal gekommen, um  den Schauspieler, Künstler und Kabarettisten Martin Wangler, bekannt als »Fidelius Waldvogel« aus Breitnau, mit seiner ungebremsten »Schwarzwälder Männlichkeit« zu erleben.
19.01.2019
Ehrungen bei Orthopädie-Schuhtechnik Trautmann in Urloffen
In der Jahresfeier ehrte das Unternehmen Orthopädischuhtechnik Trautmann GmbH langjährige Mitarbeiter. Die Begrüßung übernahm Seniorchef Martin Trautmann. Matthias Trautmann rief die besonderen Aktivitäten in Erinnerung und begrüßte vier neue Mitarbeiter, welche 2018 eingestellt wurden.
19.01.2019
Mitgliederversammlung
Neben zahlreichen Ehrungen sowie Vorstands-Neuwahlen, stand am Dienstag  im Mittelpunkt der CDU-Versammlung in Renchen ein Referat des Kreisvorsitzenden und Staatssekretärs Volker Schebesta.
19.01.2019
Touristisches Projekt
Kappelrodeck hat als Tourismusgemeinde immer mehr zu bieten. Dies wurde vor Kappelrodecker Vermietern deutlich.