Serie »Orts-Namen« (3)

Die auf dem Berg wohnten

Autor: 
Michael Frammelsberger
Lesezeit 3 Minuten
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31. August 2015
Werner Stüber aus Wagshurst.

(Bild 1/2) Werner Stüber aus Wagshurst. ©Michael Frammelsberger

Der Nachname Berger kommt in Wagshurst häufig vor, mehr als zehn Prozent der Einwohner tragen ihn. Als vor einigen Jahren eine mysteriöse Krankheit unter den Bergers bekannt wurde, hat Werner Stüber die Geschichte der Familie erforscht. Mit der Historie der Wagshurster Familien kennt sich der ehemalige Ratsschreiber gut aus.

»Vor sechs oder acht Jahren hatten in der Heidelberger Uniklinik innerhalb von kurzer Zeit fünf Menschen aus Wagshurst mit dem Namen Berger eine Herztransplantation«, erzählt Werner Stüber. Bei allen Betroffenen traten die Probleme nach dem 50. Lebensjahr auf, ihre Lebern produzierten zu viel Eiweiß, was langfristig das Herz stark belastet. Während die Forscher der Uniklink die Ursachen für die Krankheit untersuchten, kümmerte sich Werner Stüber um die Geschichte der Familie.

Alles zerstört

Der erste nachweisbare Berger in Wagshurst war Andreas Berger, der 1703 verstarb und fünf überlebende Söhne hatte. Woher er kam, ist unbekannt, wahrscheinlich lebten auch schon vorher Bergers in Wagshurst. »Nach dem Dreißigjährigen Krieg stand hier kein Stein mehr auf dem anderen«, sagt Werner Stüber. Mit dem Ort gingen auch die Kirchenbücher unter, erst aus der Zeit danach gibt es Überlieferungen. Bei vielen seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges bekannten Namen könne man aber davon ausgehen, dass sie schon länger im Ort verbreitet waren, erklärt der Ortshistoriker. Zu diesen alteingesessenen Geschlechtern gehören neben den Bergers auch die Dupps, die Ecksteins, die Ells, die Lamperts, die Hubers, die Hursts, die Sermersheims, die Schütts und die Becks.

Von den Söhnen des Andreas Berger stammen die heutigen Wagshurster Bergers ab, über seinen Sohn Johannes ist er auch Stammvater der Bergers in Renchen. Die mysteriöse Krankheit ist bisher hauptsächlich in einem Zweig der Familie aufgetreten, bei den Nachkommen des jüngsten Sohnes Christian. Dieser lebte von 1689 bis 1734. »Viele Leute sind wegen der Krankheit natürlich besorgt«, sagt Stüber. Deswegen werden die Betroffenen auch regelmäßig untersucht.

Seine Kenntnisse über die Geschichte Wagshursts und seiner Einwohner kam Werner Stüber vor allem während seiner Zeit in der Ortsverwaltung zugute. »Da wurde man mit solchen Sachen konfrontiert«, erzählt er. Bei seiner Arbeit erhielt er immer wieder Anfragen aus den USA, wo viele Menschen die Herkunft ihrer Vorfahren erkunden wollen.

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»Allein aus Wagshurst sind zwischen 1830 und 1880 450 Menschen nach Amerika ausgewandert«, erklärt der Ortshistoriker. Viele davon zogen in den Ort Jasper im Bundesstaat Indiana, wo auch heute noch viele Wagshurster Namen verbreitet sind. »Wäre Wagshurst einmal etwa durch ein Erdbeben zerstört worden, hätte man dort noch ein Reserve-Wagshurst gehabt«, schmunzelt der Ortshistoriker.

Neben den Bergers hat Stüber auch die Stammbäume vieler anderer Wagshurster Familien untersucht, er bekommt oft Anfragen aus dem Dorf. In einem gewissen Alter würden sich viele Menschen fragen, woher sie kommen, sagt Stüber. »Man kann nur aus der Vergangenheit in die Zukunft leben, sonst fehlt irgendetwas.«

Fünf Familienbücher

Bei seiner Arbeit kann er auf die fünf Familienbücher von Bernhard Weber von 1984 zurückgreifen. Der damalige Pfarrer hat die Familiengeschichten der Wagshurster untersucht. Eine weitere Hauptquelle sind wie in anderen Orten die Kirchenbücher, von denen Werner Stüber sogar eine Kopie zu Hause hat. »Dann muss ich nicht immer die Pfarrsekretärin belästigen.«

Bei der Arbeit mit den Kirchenbüchern müsse man beachten, dass sich hinter Namen und Daten auch Schicksale verbergen, erklärt Stüber. »Das kann wie ein Krimi sein.« Außerdem kann er mit einem weitverbreiteten Vorurteil gegenüber kleinen Dörfern aufräumen. »Inzucht beispielsweise hat es hier nie gegeben«, sagt er. »Der Pfarrer hat schon immer dafür gesorgt, dass Ordnung herrscht.«

Info

Namenshits

◼ Wagshurst
(1352 Einwohner)

1. Berger(143 ­Personen)
2. Huber (68)
3. Schmitt(42)
4. Ell(41)
5. Litsch(30)

◼ Mösbach
(1561 Einwohner)

1. Klumpp (58 Personen)
2. Huber (52)
3. Wilhelm(45)
4. Weber(39)
5. Schwenk(36)

Hintergrund

Der Name Berger

Über die Herkunft des Namens Berger gibt es zwei Theorien. Die verbreitetste besagt, dass der Name zuerst vor allem für Menschen, die aus dem Gebirge kamen oder auf einem Berg wohnten, benutzt wurde. Es gibt aber auch die Theorie, dass Berger eine Übernahme des französischen Wortes »berger« für »Schäfer« ist.
Auch zu der Frage, wie Nachnamen überhaupt entstanden sind, hat Werner Stüber eine Antwort parat. »Im zwölften Jahrhundert nahm die Bevölkerung immer mehr zu, es kam immer öfters zu Verwechslungen.« Um diese zu verhindern, wurde die Familiennamen eingeführt. Diese hatten mehrere Ursprünge.
Zum einen gibt es von Berufen abgeleitete Namen wie Bauer, Fischer oder Glaser. Dann gibt es Namen, die auf den Herkunftsort der Familie schließen lassen, wie Sermersheim oder Straßburger.
Manchmal wurde eine Körpereigenschaft des ersten Namensträgers zum Familienname wie Lang, Kurz oder Groß.

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