Achern - Oberachern

Die Müllers hießen einst Miller

Autor: 
Michael Frammelsberger
Lesezeit 4 Minuten
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14. September 2015
Bernhard Keller, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins Oberachern, hat seinen Stammbaum genau erforscht.

(Bild 1/2) Bernhard Keller, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins Oberachern, hat seinen Stammbaum genau erforscht. ©Michael Frammelsberger

Bernhard Keller ist der Vorsitzende des Heimat- und Verschönerungsvereins in Oberachern. Neben seinem Engagement für den Verein und als Stadtrat interessiert er sich vor allem für die Geschichte des Ortes. Dabei hat er auch die Herkunft seiner Familie erforscht.

»Anders als in Wagshurst gibt es in Oberachern nicht immer die gleichen Namen, die müssen da fast durchnummerieren«, schmunzelt Bernhard Keller. Im Ort habe sich in den vergangenen Jahrzehnten viel geändert, durch das starke Wachstum des Dorfes seien auch viele neue Namen in den Ort dazugekommen. Keller kennt sich bei den heimatlichen Namen aus und kann von vielen die Bedeutung erklären. »Einen Vogt kann man etwa mit einem Rechtsanwalt vergleichen«, sagt er. »Und ein Meier ist ein Bauer mit großem Besitz.« Solche Familiennamen hätten in Oberachern ihre Spuren hinterlassen, so gibt es zum Beispiel ein Meierfeld.

Besonders bewandert ist Bernhard Keller in der Geschichte der Familie Müller, da sie Teil seines eigenen Stammbaums ist. Mit Hilfe der Kirchenbücher konnte Keller diesen bis zum 1668 geborenen Christian Miller zurückverfolgen, der mit Emma Vollmer verheiratet war.

»Dank der Mormonen ist so eine Forschung ja relativ einfach«, sagt er. Diese hatten Anfang der 1970er Jahre alle Kirchenbücher der Region auf Mikrofilm aufgenommen, die Filme können heute im Erzbischöflichen Archiv in Freiburg angesehen oder ausgeliehen werden. Jeder, der Interesse habe, könne seine eigene Familie erforschen, sagt Keller. Die alte Schrift der Kirchenbücher sei zwar etwas gewöhnungsbedürftig, doch nach einigen Stunden Arbeit habe man sich daran gewöhnt.

In seiner eigenen Familie ist Bernhard Keller auf einige interessante Fakten gestoßen. So schrieben sich die Müllers in Oberachern bis 1824 fast alle Miller. »Dann hat irgendein Ratsschreiber ein ü daraus gemacht und das hat sich durchgesetzt«, erklärt Keller. Die Schreibweise von Namen sei früher oftmals frei interpretierbar gewesen. Eine weitere wichtige Persönlichkeit in Kellers Stammbaum ist der »Revoluzzer-Peter«, der in Achern geborene Joseph Ignatz Peter, der an der Revolution von 1848 beteiligt war. Auch auf seinen Urgroßvater Wilhelm Müller ist Keller stolz. Der damalige Bürgermeister war 1928 Gründer des Heimat- und Verschönerungsvereins, das Engagement für den Ort und in der Lokalpolitik ist damit praktisch Familientradition.

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Verwandte in den USA

Intensive Nachforschungen können aber auch unangenehme Ergebnisse ans Tageslicht fördern. »Als eingefleischter Oberacherner und Badener war ich natürlich nicht erfreut, dass eine Linie meiner Familie aus dem Schwäbischen stammt«, sagt Keller lachend. Interessanter ist für ihn daher eher die Verbindung in die USA. Durch seine Forschung hat Keller herausgefunden, dass er über im 19. Jahrhundert ausgewanderte Vorfahren Verwandtschaft in den USA hat. Unter seinen Ahnen seien lauter rechtschaffene Leute gewesen, erklärt Keller. »Da kann man ruhig drin rumforschen, das mache ich einfach gerne.«

»Das eigentlich Schöne oder Wichtige beim Thema Namen sind die Über- oder Beinamen, davon gab es hunderte«, erklärt Bernhard Keller. Um sie von anderen gleichnamigen Familien abgrenzen zu können, bekamen viele Familien von ihren Mitmenschen einen Beinamen. Diese entstanden als eine Art Spitznamen und konnten auf den Wohnort der Familie oder spezielle Eigenschaften des Familienoberhaupts anspielen. So wurde die Familie eines Mannes, der oft »Bassuff!« sagte, »s-Bassuffe« und eine Familie Müller, deren Haus nah an einem Teich stand, waren die »Dichmüller«. »Früher hatten fast alle so einen Beinamen«, sagt Keller.

Für seine historischen Forschungen hat sich der Stadtrat eigens ein Büro im Keller seines Hauses eingerichtet. »Ich mache das seit 20 Jahren und sammle und lese alles, was ich über die Heimatgeschichte finden kann«, erklärt er. Im Heimat- und Verschönerungsverein hat er auch extra eine Arbeitsgruppe für die weitere Erforschung der Ortsgeschichte gegründet, die schon einige Bücher und Broschüren veröffentlicht hat.

Hintergrund

Die Namen Schmidt und Vogt

Der Name Schmidt geht auf den Beruf des Schmiedes zurück, den es früher in jedem Dorf gab. Er ist der zweithäufigste Namen in Deutschland, wenn man alle Varianten wie Schmid, Schmitt oder Schmitz dazu zählt, sogar der häufigste. Die verschiedenen Varianten sind durch verschiedene Dialekte entstanden, im süddeutschen Raum dominiert die Variante Schmid.
Auch Vogt ist ein Berufsname. Der Vogt war im Mittelalter und der frühen Neuzeit eine Amtsbezeichnung für Rechtsbeistände und vom Adel eingesetzte Beamte.
So war zum Beispiel ein Landvogt ein vom Fürsten eingesetzter Verwalter einer bestimmten Region. In Thüringen ist das Vogtland nach diesem Amt benannt. Der Name Vogt ist vor allem in Südwestdeutschland verbreitet.

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