Rheinau-Freistett

Die Schmidts sind spitze

Autor: 
Josef Budai
Lesezeit 4 Minuten
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02. Januar 2016
Durban ist einer der häufigsten Namen in Freistett. Geschichtsträchtig ist die Durbanhofstraße wo der »Durbanhof«, ein früheres Rittergut, angesiedelt war.

(Bild 1/2) Durban ist einer der häufigsten Namen in Freistett. Geschichtsträchtig ist die Durbanhofstraße wo der »Durbanhof«, ein früheres Rittergut, angesiedelt war. ©Josef Budai

Das Hanauerland, mit seiner Grenzlage, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Entsprechend facettenreich stellt sich demnach die »Namenslandschaft« mit den am häufigsten vorkommenden Familiennamen der einzelnen Ortschaften dar.

Betrachtet man sich dabei die jeweiligen Namen, etwa in Freistett, so wird dies schnell deutlich. Stellt man alt eingesessenen Freistettern  die Frage nach dem am häufigsten anzutreffenden Namen im Ort, dann wird nach kurzem Überlegen überwiegend Durban, Dusch, Siehl, Hauß oder Karcher genannt.

Fast 80 Einträge

Damit liegt man zwar nicht schlecht, doch der derzeit häufigste Familienname ist nicht mit dabei. Denn des Rätsels Lösung lautet »Schmidt«, der momentan mit 76 Einträgen im Melderegister als Spitzenreiter registriert ist. Da der »Allerweltsname« »Schmidt« auch in ganz Deutschland an der Spitze liegt, spiegelt sich in Freistett eigentlich nur der »Bundestrend« wider. Mit 59 Eintragungen folgt mit Abstand der Name »Durban«, gefolgt von »Siehl« (57), »Hauß« und »Schneider« (je 56), sowie »Müller«, mit 50 Einträgen. Die Namen Zimmer (41), Karcher (37), Fischer, Keck (je 32) sowie Meier (31) und Dusch (30) rangieren ebenfalls noch im oberen Drittel. Das »Mittelfeld« reicht von Hetz und Klotter (je 29) über Hügel (28) bis Urban und Hummel (je 26). Der Name »Schmidt« lässt sich in Freistett über mehrere Jahrhunderte zurück verfolgen, wie Stadtarchivar Dirk Wacker recherchieren konnte. Ob der Name auch in früherer Zeit schon stärker vertreten war, kann man mangels entsprechender Aufzeichnungen jedoch nicht genau nachvollziehen. Vor der Einführung der Standesämter im 19. Jahrhundert waren die von den örtlichen Pfarrern geführten Kirchenbücher die einzigen Urkunden über Geburten, Eheschließungen und Todesfälle. Auch geht man davon aus, dass normaler Zuzug aus anderen Orten die Häufigkeit dieses, allgemein sehr verbreiteten, berufsbezogenen (abgeleitet vom Beruf des Schmiedes) Familiennamens begünstigt hat. Im Freistetter Kirchenbuch von 1621 wird der Name Schmidt schon erwähnt, allerdings auch in einigen Nachbargemeinden.  Auch muss der Name den Dreißigjährigen Krieg relativ gut überstanden haben, wo ganze Familien komplett ausgelöscht wurden und das Hanauerland  praktisch neu besiedelt werden musste.

Zuzug gab es auch aus dem Elsass. So wirkte ab 1718, fast 43 Jahre lang, der Straßburger Notarsohn Andreas Schmid(t) – unterschiedliche Schreibweise – als Pfarrer in Freistett.  Dass der Name »Schmidt« weiter »stabil« in Freistett verwurzelt geblieben ist, zeigen zwei Beispiele von Persönlichkeiten, die Anfang des 20. Jahrhunderts im öffentlichen Leben standen.
Es handelt sich dabei um Friedrich Schmidt 9., offensichtlich ein sehr verbreiteter Name/Vorname, der nach Kriegsende den Anglerverein Freistett führte. Oder Friedrich Schmidt 10., Kanalschiffer, Jahrgang 1886. Er hatte noch sechs Geschwister und war Sohn von Benjamin Schmidt 7.

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Bekannter Gefangener

Nach dem Ersten Weltkrieg war Friedrich Schmidt 10. in Zivilgefangenschaft in Frankreich, wo er mit keinem Geringeren als Dr. Albert Schweitzer interniert war. Daneben amtierte Schmidt fast 40 Jahre als Gemeinderat in Freistett und war Gründungsmitglied des AGV Frohsinn. Bereits im Kirchenbuch von »Bischen« (Rheinbischofsheim), aus dem Jahr 1581, das damals auch für Freistett galt, ist der Name Durban (Turban/unterschiedliche Schreibweise) erwähnt. So gab es im Gewann »Tiefental« in Freistett das »Johannische, reichsunmittelbare Rittergut«, den späteren »Durbanhof«. Der erste »Lasch«, aus dem Elsass stammend, war 1681 »Meyer«(Verwalter) auf dem Gut.

Der letzte adlige Besitzer verkaufte es 1818 an den Blumenwirt Durban aus Rheinbischofsheim, der sich später in der Rheinstraße ein neues Anwesen baute. So dürfte diese Durban-Linie wohl ihren Ursprung im Nachbarort haben. Schwierig gestalten sich die Nachforschungen auch ­wegen der oft unterschiedlichen Schreibweisen der Ein­tragungen. 
So findet man ab Mitte des 16. Jahrhunderts zum Namen »Siehl« Schreibweisen wie Sil, Sieler oder Schieler. Ein bekannter Vertreter ist der frühere Marinemaler Johan-Georg Siehl-Freystett (1868-1919), der aus Freistett stammte. Der Name Wiederrecht ist übrigens auch schon lange bekannt (1521). So wird 1599 im Kirchenbuch ein Schultheiss »G.Wiederrecht« benannt.

Alte Familiennamen aus dem 15./16. Jahrhundert sind auch »Klotter« (früher auch »Lotter« geschrieben), sehr bekannt durch den Freistetter Heimatdichter Carl-Friedrich Klotter. Ebenso die noch heute vorkommenden Namen wie Urban (1523), Hetz (1582), Brunk (1581), Fischer (1582), Fessler, Meier, Wolf (1581), Kiefer (1583), Hügel, Schütt (1621), Übel/Uibel, Wa(a)g, Koch, Matthis, Hetzel, Wagner (1623), Ul(l)rich, Lind, Keck, Zimmer, Morgenthaler, Ra(t)häuser (1624), Volk (Folk) und Karcher  (1625). Die Herkunft dieser Namen wurde allerdings nie genau erforscht. Andererseits steht hinter jedem Namen eine ganz individuelle Geschichte. In jedem Fall auch ein Stück Heimatgeschichte. Wer mehr über die Herkunft seines Familiennamens oder verwandtschaftliche Zusammenhänge erfahren möchte, kann im Stadtarchiv Rheinau,  bei Archivar Dirk Wacker, bestimmt fündig werden. Die Aussage in Goethes »Faust«: »Name ist Schall und Rauch«, kann man daher auch nicht unbedingt unterschreiben, denn das Gegenteil ist eher der Fall.

Stichwort

Schreibweisen

Ein »Paradebeispiel« für unterschiedlichste Schreibweisen alter Familiennamen ist der Name »Hauß« (von 1621) auch oft als »Haus« oder »Hauss« geschrieben. Dazu fand Heimatforscher Martin Wiederrecht (1870-1953), Ehrenbürger von Freistett und Initiator des Heimatbundes, heraus, dass der Urvorfahre einer Hauß-Linie »Vix« hieß, aus dem Elsass stammte und dieser Name noch in Killstett oder Wantzenau vorkommt. Bis heute hat sich daher der Spitzname »Fixe oder Vix« für Mitglieder dieser Familie in Freistett erhalten.

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