Brigitte Wörner aus Kappelrodeck bedauert:

Die Trauerarbeit wird gerade in Corona-Zeiten ausgebremst

Autor: 
Michaela Gabriel
Lesezeit 3 Minuten
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14. Februar 2021

Die Trauerbegleiterin Brigitte Wörner weiß aus vielen Jahren Erfahrung, dass Trauer Raum braucht, den man ihr in der Pandemie nicht ausreichend gibt. ©Michaela Gabriel

Die Corona-Pandemie fordert viele Tote. Doch Trauerbegleiterinnen wie Brigitte Wörner aus ­Kappelrodeck können auf Grund der Beschränkungen den Trauernden nicht wie gewohnt helfen.

Trauer ist angesichts der Corona-Pandemie mit vielen Toten hochaktuell und bleibt doch ein Randthema. Nach der Pandemie wird es einen großen Nachholbedarf an Trauerarbeit geben, ahnt Brigitte Wörner aus Kappelrodeck. Die freiberufliche Trauerbegleiterin ist in ihren Aktivitäten stark ausgebremst. Sie setzt sich mit für eine Anerkennung des Themas Trauer als „systemrelevant“ ein.

Nur noch Telefonate

Nur noch Telefonate, ab und zu ein Hausbesuch, keine Gruppentreffen, keine Fortbildungen, kein Trauercafé: Nur mit angezogener Handbremse kann die 58-Jährige derzeit Trauernden beistehen. Dabei verbringt sie die meiste Zeit nicht wie sonst bei trauernden Menschen, sondern in ihrem Büro im zweiten Stock des Pfarrhauses in Kappelrodeck. Sie werde auch kreativ, sagt sie, und meint damit Briefe, die sie an Trauernde verschickt und Video-Gespräche am Computer. „Der siebenjährige Jakob hat mich dazu ermutigt. Er hat seinen Papa verloren und wollte unbedingt mit mir skypen.” Als Fachkrankenschwester für Intensivmedizin und Palliativcare in Mannheim lernte sie schon vor 30 Jahren, dass Menschen nach dem Tod eines Angehörigen Begleitung brauchen. Es wurde ihre Passion, Menschen in Trauer beizustehen. Zuerst ließ sie sich zur ehrenamtlichen Trauerbegleiterin für ihre damalige Kirchengemeinde ausbilden, dann absolvierte sie berufsbegleitend ausführliche Weiterbildungen, auch in der speziellen Begleitung von Kindern und Jugendlichen in Trauer.  

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Am Josefskrankenhaus, das zum Ortenauklinikum Offenburg gehört, gründete sie vor zehn Jahren ein Trauercafé. Das ist ein Ort, an dem sich Menschen in Trauer einmal pro Monat ohne Anmeldung und Verpflichtung treffen können. Sie erfahren dort, dass sie nicht alleine sind mit ihrer Situation. Sie freut sich, dass der Hospizdienst Achern-Achertal in Achern ein Trauercafé starten möchte. 

„Wenn Trauer nicht gelebt werden kann, dann kann das dazu führen, dass man eine Therapie braucht”, weiß die Trauerexpertin. Derzeit sei es vielen Angehörigen nicht einmal möglich, den ersten wichtigen Schritt der Trauerarbeit zu gehen: Nämlich den Tod zu begreifen, in dem sie den Verstorbenen im Sarg betrachten und vielleicht auch anzufassen. Deshalb glaubt sie, dass es nach der Pandemie einen großen Nachholbedarf in der Trauerarbeit geben wird. Die Angebote auf diesem Gebiet stünden bereit, doch ihre Finanzierung sei nicht gesichert. 

Deshalb hat die Kappelrodeckerin einen offenen Brief des Bundesverbandes Trauerbegleitung an Bundeskanzlerin Merkel, Bundespräsident Steinmeier, alle Gesundheitsminister und die Krankenkassen mit unterzeichnet. „Trauer ist systemrelvant” erklären darin die Fachleute. Sie warnen vor den Spätfolgen nicht angemessen unterstützter Trauer. 
Vereinzelt genehmige eine Krankenkasse die Kosten für eine Trauerbegleitung, weiß Brigitte Wörner. Dazu müsse man aber sehr hartnäckig sein. Hospizdienste könnten für die Begleitung Sterbender Gelder von den Krankenkassen abrufen, für die Begleitung Trauernder jedoch nicht. Diese Arbeit werde bisher überwiegend von Stiftungen, Vereinen oder aus Spenden finanziert. 

Ein Hoffnungszeichen ist für Brigitte Wörner der vom Bundespräsidenten angekündigte Gedenktag für die Opfer der Pandemie am 18. April. Das war einer der Punkte, die der Bundesverband der Trauerbegleiter in seinem offenen Brief angeregt hat. Wer die Online-Petition des Verbandes unterstützen möchte, findet alle Argumente für eine bessere Unterstützung von Menschen in Trauer auf www.openpetition.de unter dem Stichwort „Trauer ist systemrelevant.” 

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