Sasbach

Dieselzwerg-Besitzer treffen sich erstmals in Sasbach

Autor: 
Berthold Gallinat
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
07. September 2016
Bruno Seifermann und Kevin Wölfle zeigen am Beispiel des angebauten Pflugs eine der Einsatzmöglichkeiten des Dieselzwergs.

(Bild 1/2) Bruno Seifermann und Kevin Wölfle zeigen am Beispiel des angebauten Pflugs eine der Einsatzmöglichkeiten des Dieselzwergs. ©Berthold Gallinat

Er war zwar nur »Ein Zwerg an Gestalt«, aber »Ein Riese an Leistung!« Mit dieser Formel wurde für den Kleintraktor »Dieselzwerg« in der ersten Hälfte der 50er-Jahre Werbung gemacht. Gebaut wurde er in Sasbach; er erleichterte vielen Landwirten die harte Arbeit auf dem Feld. 

Am Samstag gab es auf dem Kühnerhof eine ganze Reihe dieser »fleißigen Zwerge« zu bewundern, denn hier kam es zum ersten »Dieselzwergtreffen«. Bruno Seifermann und Kevin Wölfle, beide selbst Dieselzwergbesitzer, initiierten es, und dass es auf dem Kühnerhof stattfand, hatte seinen guten Grund: Der Kühnerhof war von 1950 bis 1956 die Produktionsstätte des Dreiradtraktors.

Dreirädrig mit 7,5 PS

Anfangs gehörten zum Kühnerhof eine Säge- und Kornmühle, aber nach dem Krieg wurde auch noch eine Schlosserei betrieben, in der vorwiegend Stoßdämpfer, insbesondere für Fahrzeuge des französischen Militärs, überholt wurden. Mühlen und Werkstatt waren im Besitz von Eduard Kühner. Ein Verwandter, Diplomingenieur Julius Berger, hatte die Werkstatt aufgebaut. Daher firmierte die Schlosserei als »Kühner & Berger GmbH«. 1949 nahm die Firma eine Vertretung für Farymann-Dieselmotoren hinzu und nachdem Landwirte gefragt hatten, ob es sich nicht lohnen würde, den Farymann-Motor auf ein Fahrgestell zu bauen, nahm Julius Berger die Anregung auf und konstruierte den Dieselzwerg als dreirädrigen Kleintraktor. Der Motor war selbstverständlich ein Farymann-Aggregat mit 7,5 PS. 

Getriebe und Hinterachse wurden vom US-Jeep übernommen, der in jener Zeit teilweise schon ausgemustert wurde, sodass viele Teile auf dem Schrott zu finden waren. Nachdem der Prototyp 1949 überzeugte, wurden auf dem Kühnerhof im ersten Herstellungsjahr 1950 circa 25 Dieselzwerge gebaut. Dafür bot die Werkstatt in der Mühle aber zu wenig Platz und so wurde neben dem Wohnhaus ein Werkstattgebäude errichtet. 

- Anzeige -

199 Traktoren gebaut

Im zweiten Jahr wurden 45 Zwerge gebaut, 1952 waren es 70 und auch 1953 wurde noch gebaut, aber die genaue Zahl ist nicht bekannt. »Insgesamt«, so teilte Bruno Seifermann beim ersten Dieselzwergtreffen am Samstag mit, »verließen 199 Dieselzwerge den Kühnerhof«.

Rolf Kühners Dieselzwerg war der erste, der auf dem Kühnerhof gebaut wurde; er konnte am Samstag und Sonntag neben 14 angereisten Gast-Dieselzwergen bewundert werden. Für Fragen stand mit Leidenschaft Dieselzwerg-Experte Bruno Seifermann bereit; er kennt sich in Geschichte und Technik des Kleintraktors bestens aus und hat zum Dieselzwerg eine persönliche Beziehung. Bruno Seifermann verlor so früh seinen Vater, dass er ihn nicht mehr bewusst erleben durfte. Aber auf historischen Fotos von der ersten Vorstellung des Dieselzwergs entdeckte er seinen Vater Willi Seifermann, wie er 1949 den Prototyp mit Wechselpflugwerk vorführte, ebenso auf weiteren Fotos. Und so fand Seifermann nicht nur eine Verbindung zu seinem Vater, sondern es interessierte ihn auch mehr und mehr die Geschichte über den Dieselzwerg. In Kevin Wölfle fand er einen ebenfalls begeisterten Dieselzwerg-Fan. In dessen Besitz ist der letzte auf dem Kühnerhof hergestellte Dieselzwerg, Wölfle restauriert ihn derzeit.

»Wir haben intensiv geforscht. In Deutschland sind die Wissenslücken zum Dieselzwerg geschlossen«, lautet das Resümee der beiden. »In Deutschland wissen wir von 41 Dieselzwergbesitzern, mit diesen sind wir in Kontakt.« Von diesen kamen am Wochenende 14 zum ersten Dieselzwerg-Treffen von nah und fern. Rolf Mattern, der wesentlich zum ersten Dieselzwergtreffen beitrug, kam aus Kehl-Zierolshofen, Rolf Eberts aus Alken von der Mosel, Bernd Pfuhler aus Erbach-Ringingen bei Ulm und die weiteste Anreise hatte Wolfgang Schneider aus Hennef bei Köln.

Fachsimpeln

Ab 12 Uhr reisten die Dieselzwerg-Besitzer an, wurden im Kühnerhof herzlich aufgenommen und waren begeistert von der historischen Aura. Es versteht sich von selbst, dass am Wochenende viel gefachsimpelt wurde, aber als Bruno Seifermann am Samstagabend sein immenses Wissen über den Dieselzwerg vermittelte, wuchsen auch freundschaftliche Beziehungen. Und auch wer keinen Dieselzwerg besitzt, hatte seine Freude an den herausgeputzten Gefährten und zeigte Interesse am ersten derartigen Treffen. Es dürfte nicht das letzte sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.
27.12.2018
Abenteuer-Indoor-Spielplatz
Wer möchte seinen Kindern zum Geburtstag nicht gern etwas ganz Besonderes bieten? Im Kiddy Dome in Schutterwald ist das möglich. Denn nicht nur an ihrem großen Tag sind die Kinder in diesem Abenteuer-Indoor-Kinderspielplatz die Könige. 
27.12.2018
Wie wir nachts schlafen bestimmt, wie unser Tag verläuft – und deshalb ist gesunder Schlaf auch so wichtig. Das eigene »Bett nach Maß« klingt fast wie ein Traum – doch Leitermann Schlafkultur ist Spezialist auf diesem Gebiet und macht es möglich.
20.12.2018
Was braucht es für einen gesunden Körper? Den Willen natürlich! Und außerdem das richtige Training und Ernährung. Im Fitnessstudio Sportpark in Schutterwald gibt es die passende Beratung mit gezielten Übungen zur "Gute-Laune-Figur".

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

Ehrungen und Neuwahlen beim Rheinbischofsheimer Turnverein: (vorne von links) Richard Büches, Dieter Rub, Ludwig Feldmüller und Robert Reifschneider, (hinten von links) Agnes Hoff, Gunter Wolf, Benjamin Hummel, Laura Heiland, Steffen Litsch, Chrysille Huschle, Sarah Schneider und Vivian Ludwig.
vor 1 Stunde
Erfolgsbilanz 2018
Auf ein erfolgreiches Jahr blickte der Rheinbischofsheimer Turnverein blickte am Freitagabend in der Hauptversammlung im Gasthaus Schwanen zurück. Dabei standen auch Neuwahlen und Ehrungen an.
Beim Neujahrsempfang der Willi Hahn GmbH wurden auch mehrere verdiente langjährige Mitarbeiter geehrt.
vor 2 Stunden
Betrieb will weiter investieren
Gleich elf neue Lehrstallen möchte die Willi Hahn GmbH aus Sasbach anbieten. Dafür hat sie auch guten Grund, denn der Erfolg aus dem Vorjahr soll sich noch steigern.
Zwischen Blaubronn und Lauenbach war dieser Lastwagen von der Straße abgerutscht und musste wieder aus dem Waldboden gezogen werden. Eine solche Bergung ist für die Firma Dürr Automobile aus Offenburg längst Alltagsgeschäft.
vor 2 Stunden
Ottenhöfen im Schwarzwald
Schwergewichtige Probleme führen in Kappelrodeck und Ottenhöfen regelmäßig zu Verkehrsbehinderungen und reichlich Gesprächsstoff.  Auf den schmalen Gebirgsstraßen stecken immer wieder Lastwagen fest. In einem Fall musste ein Fahrzeug sogar zweimal hintereinander befreit werden.
vor 3 Stunden
Appenweier - Nesselried
Der Nesselrieder Sportverein blickte am Samstag bei seiner Jahreshauptversammlung auf das vergangene Jahr zurück. 2018 stand ganz im Zeichen des 60-jährigen Bestehens. Auch gab es ein großes »Stühlerücken« im Vorstand.
vor 3 Stunden
Gemeinderat stimmt zu
Die marode, fast 100 Jahre alte Brücke in Giedensbach  1 in Ödsbach wird durch ein neues Bauwerk ersetzt. Der Oberkircher Gemeinderat hat dafür am Montag außerplanmäßig 290 000 Euro bereitgestellt. Eine biligere Lösung kam nicht zum tragen. 
Ein Zusammentreffen für Europa mit dabei waren (von links) Eckbert von Zedtwitz, Dieter Klotz, Alina Atlantis, Ewald Panther, Wolfgang Reinholz, Klaus-Peter Mungenast, Johann Horeth und Reinhart Köstlin.
vor 3 Stunden
Bei Treffen mit Künstlerin
Sie treffen sich in regelmäßigen Abständen, diejenigen die über viele Jahre hinweg die Geschicke der Stadt Achern und der umliegenden Gemeinden gelenkt haben, die Alt-Bürgermeister. Dabei gehen ihnen die politischen Themen keinesfalls aus.
Ehrungsreigen beim Sportverein Oberkirch: Die Vorsitzenden Martin Hetzel, Jochen Welle und Jugendleiter Manuel Boschert überreichten Jürgen Sehlinger den Jugendehrenteller.
vor 3 Stunden
Jahresanpfiff 2019
Bereits zum achten Mal veranstaltete der Sportverein Oberkirch seinen Jahresanpfiff in der Erwin-Braun-Halle. durch das Programm am Samstagabend führten in bewährter Weise Jochen Welle und Volker Klingler.
Edgar Gleiß, Oberbürgermeister Klaus Muttach, Ortsvorsteher Gebhard Glaser und Ulrich Döbereiner (von links) freuen sich darauf, dass die historische Glocke in Fautenbach bald wieder schlagen wird.
vor 5 Stunden
Leader fördert den Turmbau
Der Bewilligungsbescheid für den Bau eines Glockenturms auf dem Fautenbacher Friedhof ist eingetroffen. Nun können die Arbeiten beginnen, so dass die historische Glocke aus dem Glockengeläut der Alten Kirche zukünftig wieder in Fautenbach zu hören sein wird. 
vor 8 Stunden
Wanderweg mit Zertifikat
Der Qualitätswanderweg Oberkircher Brennersteig wurde im Rahmen von Deutschlands größter Urlaubsmesse, der CMT in Stuttgart, wieder mit dem Zertifikat »Traumtour« ausgezeichnet. Das hat die Renchtal Tourismus GmbH mitgeteilt. Dieser Erfolg hat viele Väter.
Auf der Wiese zwischen der bereits vorhandenen Bebauung plant die Ortschaft Ibach ein Baugebiet mit der Größe von 93 Ar.
vor 9 Stunden
Oppenau-Ibach
Bereits vor knapp einem Jahr sprach sich der Ortschaftsrat Ibach für die  Ausweisung eines Baugebietes nordöstlich von Brunnengasse/Moosstraße aus.
vor 11 Stunden
Viele Besucher bei Vortrag von Michael Winterhoff
Der Kinder- und Jugendpsychiater sowie Psychotherapeut Michael Winterhoff gastierte am Mittwoch auf Initiative der Seelsorgeeinheit Appenweier-Durbach in Appenweier. Sein Vortrag »Gebt den Kindern ihre Kindheit zurück« lockte über tausend Besucher in die Schwarzwaldhalle.  
vor 11 Stunden
Verbreitung im Brandweiher
Der Anglerverein »Petri Heil« zog im Gasthaus »Engel« Jahresbilanz. Neben den Tätigkeitsberichten standen herausragende Ehrungen im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung.