Serie »Orts-Namen« (5)

Fautenbach: Dorf der Schindler und Glaser

Autor: 
Michael Karle
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
10. September 2015
In der Geschichtswerkstatt erörterten (von links) Leopold Lorenz, Adalbert Schindler, Manfred Lang, Gerhard Burgert, Gabriele Schindler, Medard Weber, Gerhard Weber, Horst Glaser, Anna Droll und Ortsvorsteher Gebhard Glaser die Geschichte der Familiennamen.

(Bild 1/2) In der Geschichtswerkstatt erörterten (von links) Leopold Lorenz, Adalbert Schindler, Manfred Lang, Gerhard Burgert, Gabriele Schindler, Medard Weber, Gerhard Weber, Horst Glaser, Anna Droll und Ortsvorsteher Gebhard Glaser die Geschichte der Familiennamen. ©Michael Karle

Namen mit Geschichte und beeindruckender örtlicher Beständigkeit zeigen sich beim Blick in die Standesbücher Fautenbachs. Mit Recht kann die Ortschaft als »Dorf der Schindlers und Glasers« bezeichnet werden. Immerhin tragen 142 der 2262 Bewohner einen dieser Namen.

Heinrich Glaser, vor drei Jahren verstorbener Autor des Fautenbacher Heimatbuchs, hatte sich intensiv mit den Familiennamen befasst. Der Blick in die aktuellen Bücher zeigt in den vergangenen 30 Jahren einen »Migrationseffekt« und eine größere Vielzahl von Namen im Ort. Die Ortsbeständigkeit scheint eher abgenommen zu haben. Die geringeren Kinderzahlen spielen eine weitere Rolle, war man sich beim »Namensstammtisch« der Geschichtswerkstatt einig.

War der Name »Glaser«, den heute neben 64 weiteren Bürgern auch der aktuelle Ortsvorsteher trägt, vor 1985 mit 120 Personen noch klarer Spitzenreiter der Namenshitliste, so wurde er mittlerweile durch »Schindler« mit 77 Trägern überflügelt. Auch die »Schindlers« hatten vor 30 Jahren noch 102 Namensträger im Ort.

»Bis auf die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Kappelrodeck zugezogene Schindler-Linie ›‘s Krummholze‹ und ein weiterer ebenfalls aus dem Achertal gekommener ›Schindler-Stamm‹ im Oberdorf sind wohl alle heutigen ›Schindlers‹ entfernt miteinander verwandt«, erklären Adalbert Schindler und Gabriele Schindler. Ob und wie die heutigen Schindlers mit dem im Heimatbuch für 1660 aufgeführten »Schündler Hans« in direkter Beziehung stehen, vermag indes niemand zu sagen. Besonders interessant scheint, dass in der ehemaligen Dorfstraße, westlich der Bahn, von »‘s Schindler-Silvers«, über »‘s Schindler-Konrade«, »‘s Schindler-Seppe« (»Burgermeister Sepp«) und »‘s Fridriche« (heute Weber Hubert) bis zu »‘s Schindler-Franze« (Langer Hof) gleich mehrere »Schindler-Höfe« nebeneinander liegen.

Vom Wortsinn her bezieht sich der Name auf den Beruf des Schindelmachers. Als Hofbesitzer waren die »Schindlers« in Fautenbach jedoch durchweg der Scholle verbunden und sind es teilweise weiterhin. Einig ist man sich auch, dass der aus »‘s Schindler-Franze« Hof stammende und 1923 verstorbene Dr. Hermann Schindler als langjähriger Direktor der »Lenderschen Lehranstalt« in Sasbach zu den berühmtesten Vertretern seines Namens zählt.

- Anzeige -

»Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Fautenbach alleine neun Personen namens »Franz Glaser«, berichtet Horst Glaser. Mit »‘s Botte-Wendels«, »‘s Glaser-Wendels« und den auf den »Urahnen« Viktor Glaser zurückgehenden Stamm der »Vikkers« führt er mehrere »Glaser-Linien« auf. Ob der 1675 in den Büchern erwähnte »Georg Glaser« als erster Namensträger im Ort indes selbst oder durch Vorfahren eine Vergangenheit als Glasbläser hatte, vermag er nicht zu sagen. 

Miteinander verwandt

Eine zusammenhängende Geschichte seines Familiennamens weist Gerhard Burgert vor, dessen Namen heute immerhin 51 Personen in Fautenbach tragen. »Alle Burgerts sind miteinander verwandt«, weiß der engagierte Musiker aus dem Kohlenweg. In seiner Zusammenstellung der Familienhistorie, die er vom 1989 verstorbenen »Burgert-Pfarrer«, Onkel Fridolin, bekommen hat, steht, dass die heutigen Burgerts auf Joseph Burgert zurückgehen, der in Gamshurst geboren war und 1794 in Fautenbach heiratete. 13 Personen mit dem Namen »Burgert«, so berichtete schon Heinrich Glaser, hätten bis 1900 das Bürgerrecht in Fautenbach erlangt. »Mein 1829 geborener Urgroßvater Ignaz, Enkel von Joseph Burgert, heiratete 1851 Anna Maria Weber. Von denen berichtete Pfarrer Burgert, dass sie so arm waren, dass sie oft wochenlang kein Brot hatte.

Bis 1680 zurückverfolgt

Immerhin 43-mal erscheint der Name Weber heute im Standesregister. »Der erste meiner ›Weber-Vorfahren‹ trug den Vornamen Jacob und ist 1680 in Önsbach geboren. Mehrere seiner Nachfahren heirateten nach Fautenbach«, erzählt Medard Weber, während Gerhard Weber auf den 1792 ebenfalls in Önsbach geborenen Blasius Weber als Fautenbacher Stammvater und Namensgeber des Hofnamens »‘s Bläsi-Romane« verweist. Heinrich Glaser hatte den ersten Fautenbacher »Weber« schon 1538 erwähnt gefunden.
Im Weber-Stammbuch, das Rose Goutbeck, 1928 als Rosa Frieda Weber in Achern geboren und heute in Kanada lebend, erstellt hat, findet sich auch der den ganz Alten noch bekannte Ludwig Weber. Dessen Vater, Mathias Weber, war einst mit Schneiderwerkstatt nach Freiburg gezogen. »Ludwig gründete 1921 die Firma ›Luwe Fahrzeugwerke‹ und baute zunächst Luxuskarossen, später dann kleinere Wagen und Motorräder. Mit seinem Bruder Anton beteiligte sich Ludwig Weber erfolgreich an Motorradrennen. Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde Ludwig Privatpilot des äthiopischen Kaisers«, erzählt Gerhard Weber. Wiederum eine geschlossene Namenslinie weist Manfred Lang vor. Der langjährige Briefträger hat sich durch eine Zusammenstellung der Hofnamen des Ortes verdient gemacht. »Mein Urgroßvater Johannes Baptist Lang war 1835 in Lauf geboren und heiratete 1865 die Fautenbacherin Regina Frank. Von diesem Ehepaar stammen alle 42 Personen ab, die heute in Fautenbach ›Lang‹ heißen.«
Die Namensgeschichte im Ort, so wird im Gespräch der Geschichtswerkstatt deutlich, kann eindrucksvoll ergänzt werden durch den Namen Sucher. Laut Heimatbuch ist dieser erstmals 1449 (»Sucher Claus der Alte«) und 1474 (»Sucher Hans und Ehefrau Kathrina«) verzeichnet und der älteste derer, die heute noch ansässig sind. »Suchers haben wir im Unterdorf, im Mitteldorf und im Oberdorf«, weiß Ortsvorsteher Gebhard Glaser.

Hintergrund

Untergegangene Namen

Dass andere Namen gefährdet oder gar schon »untergegangen« sind, wird in der Erinnerung an Namen wie Brechtel, Riegelsberger, Dober, Lott, Zeller oder Kössler (heute Kessler) deutlich. Zuweilen gingen diese fürs Ort in den Auswanderungen des 19. und 20. Jahrhunderts verloren.

Info

Namenshits

  • Fautenbach (2262 Einwohner)

1. Schindler (77­Personen)
2. Glaser (65)
3. Burgert(51)
4. Weber(43)
5. Lang(42)

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

Viel Freilauf genießen derzeit rund 40 Hühner auf einer Wiese bei Tiergarten. Im Sommer vergangenen Jahres wurde der mobile Hühnerstall an der L 88 errichtet.
Keine Eier ohne Genehmigung
vor 1 Stunde
Eier von eigenen freilaufenden Hühnern: Diesen Traum wollen zwei Frauen aus Tiergarten mit mehreren mobilen Hühnerställen entlang der L 88 verwirklichen. Inzwischen stehen sie in Kontakt mit den Behörden – denn diese müssen die Ställe zunächst genehmigen.
So schnell wird es nichts werden mit einer Bäderlandschaft in den ehemaligen Wagner-Kliniken in Sasbachwalden. Das Projekt zieht sich.
Warten auf Signal vom Investor
vor 2 Stunden
Es wäre ein schönes touristisches Dreigestirn für Sasbachwalden: die Erlebniswelten des Nationalparks und der entstehenden Anima Tierwelt sowie eine Bäderlandschaft in den ehemaligen Wagner-Kliniken. Doch die Entwicklung des Wellness-Tempels ist ins Stocken geraten.
Zeugen gesucht
vor 5 Stunden
Eine Gruppe hat in der Nacht von Samstag auf Sonntag drei junge Männer mit Flaschen angegriffen. Einer der Drei sei mit Tritten attackiert worden. Die Polizei ist auf der Suche nach Zeugen. 
Bereits zum vierten Mal fanden die Ortenauer Textiltage – hier ein Archivfoto – in der Freistetter Stadthalle statt. Der Zuspruch war auch diesmal enorm.
Ortenauer Textiltage
vor 7 Stunden
Wer vom Massenerzeugnis weg und sich nach »Handgemachtem« umsehen wollte, wurde am Wochenende in der Freistetter Stadthalle fündig. Bei der vierten Auflage dieses Kreativmarktes boten die Aussteller wieder eine große und vielfältige Plattform, die die Besucher begeisterte.
Prozess nach Diebstahl
vor 10 Stunden
Eine schwierige Entscheidung hatten Gericht und Staatsanwaltschaft am Dienstag zu treffen. Ein vielfach einschlägig vorbestrafter alkohol- und drogenkranker Mann hatte sich wegen gewerbsmäßigen Diebstahls zu verantworten – und musste nun mit einer Freiheitsstrafe rechnen.
Hohe Auszeichnung
vor 13 Stunden
In einem feierlichen Festakt wurde am Freitagabend im Pfarrsaal Lautenbach Rektor i.R. Rudolf Huber das Ehrenbürgerrecht seiner Heimatgemeinde Lautenbach verliehen. Es ist erst das zweite Mal in der Nachkriegszeit, dass einem hochverdienten Bürger die höchste Auszeichnung seiner Gemeinde zuteil...
Bei den Kommunalwahlen
vor 16 Stunden
Sachthemenorientiert wollen die beiden Fraktionen im Oppenauer Gemeinderat den Wahlkampf für die Kommunalwahl 2019 führen. Während bei der CDU bereits sicher ist, dass sich drei Gemeinderäte nicht mehr zur Wahl stellen, sehen die Unabhängigen Wähler insbesondere in den kleineren Ortschaften...
Mit Ursula Cantieni
vor 17 Stunden
Wie lassen sich Tourismus und Naturschutz unter einen Hut bringen? Diese und weitere Fragen waren am Freitagabend bei den Oberkircher Winzern Thema des Schwarzwald-Talks unter dem Titel »Heimat 4.0«. Schauspielerin Ursula Cantieni und Andreas Braun, Chef de Tourismusmarketing Baden-Württemberg GmbH...
Hospizdienst Achern-Achertal
vor 18 Stunden
Ein großer Erfolg war der Ausbildungskurs, den der Hospizdienst Achern-Achertal seit Anfang des Jahres anbot. Am Samstag konnten im Gemeindezentrum Kappelrodeck 14 neue Hospizbegleiter beauftragt werden. Auch wurde an die Gründung der Hospizgruppe Achertal vor 20 Jahren erinnert.  
In der Christuskirche Achern
vor 18 Stunden
Mit dem Gedenkgottesdienst zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren könnte in der evangelischen Christuskirche eine Grundlage für eine Partnerschaft von Christengemeinden über den Rhein hinweg gelegt sein.  
Vorstandsmitglieder bestätigt
vor 18 Stunden
Die Narrhalla Achern geht mit bewährtem Vorstandsteam in die nächsten zwei Jahre. Neben Vorstandswahlen standen am Samstag auch Ehrungen auf dem Programm.  
Geistliches Angebot zu ungewohnter Zeit
vor 18 Stunden
Wieder einmal war am Samstag zu einer Nacht der offenen Kirche in Önsbach eingeladen. Besinnung und Einkehr standen im Vordergrund.