Vor dem Amtsgericht Achern

Drogensüchtigem die Diebestour leicht gemacht

Autor: 
Edgar Gleiss
Lesezeit 4 Minuten
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31. Oktober 2020

Um mehrere Diebstähle ging es vor dem Amtsgericht Achern. ©Archivfoto: Andreas Cibis

Ein 41-jähriger, zahlreich vorbestrafter Angeklagter kam noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon. Der Versuch, ein Wohnmobil zu stehlen, scheiterte an den Schreien der Besitzerin.

Reumütig und geständig zeigte sich ein 41-jähriger Verfahrensmechaniker vor Gericht, als es um die Vorwürfe von drei selbständigen Diebstählen und einem versuchten Diebstahl ging, wie es die Staatsanwältin in ihrer Anklageschrift verlas. 
Dass diese Haltung auch Auswirkungen auf das Urteil hatte, war aus der Begründung des Urteils deutlich erkennbar, denn mit einer fünfmonatigen Haftstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde, war nach dem Verlesen der 17 Eintragungen im Bundeszentralregister eher nicht zu rechnen. 

Geldbeutel gestohlen

So soll der Angeklagte in den frühen Morgenstunden des 21. März diesen Jahres zunächst aus einem Kofferraum eines Autos einen Werkzeugkoffer entwendet haben und danach habe er unweit davon aus zwei weiteren PKW einen Geldbeutel und ein Navigationsgerät mitgehen lassen. Zumindest die letzten beiden Fahrzeuge standen im Hof des Gebäudes unabgeschlossen. Der Versuch, ein Wohnmobil zu stehlen, scheiterte allerdings, weil die Besitzerin aufgrund des Motorgeräusches aufwachte und durch Schreien den Dieb zur Flucht zwang. Die sofort informierte Polizei kam mit drei Streifenwagen und machte sich umgehend auf die Suche nach dem Täter, den eine Streife nicht allzu weit vom Tatort auf dem Gehweg sitzend vorfand. 

Wie der Angeklagte erklärte, könne er sich nicht genau an die Taten erinnern, räumte aber ein, dass er die Taten wohl begangen habe. Er hätte einen schlechten Tag gehabt, am Morgen seine Methadonbehandlung beim Arzt erhalten, danach aber Aufputschmittel unterschiedlichster Art zu sich genommen. Dies hätte ihn wohl, weil er schlecht schlafen konnte, in den frühen Morgenstunden auf die Tour getrieben. Er sei zurzeit ohne Arbeit und würde in den nächsten Wochen eine Therapie starten, um von der Drogensucht, die ihn schon sehr lange im „Griff“ hätte, los zu kommen. 

Auf jeden Fall wolle er im Anschluss weit weg von Achern ziehen, um „Drogenbeziehungen“ abzubrechen und einen Neustart ohne die alten Bekannten zu beginnen. 

Trotz des Geständnisses wurden zum Tathergang und den sich daraus ergebenden Folgen neun Zeugen gehört. Die Geschädigten konnten jeweils berichten, dass sie keinen Schaden hätten, da sie zwei Tage später von der Polizei das Diebesgut zurück erhielten. 

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Die Wohnmobilbesitzerin meinte, dass ihr Mann wohl am Abend zuvor das Fahrzeug nicht abgeschlossen habe. Warum aber der Wassertankschlüssel möglich machte, das Mobil zu starten, sei ihnen rätselhaft. Die sechs Polizisten, die als Zeugen befragt wurden, stellten insgesamt heraus, dass der Angeklagte kooperativ und nie aggressiv war. Die Streife, die den dunkel und mit einem Kapuzenpulli bekleideten Mann in der Nähe des Illenaufriedhofs fanden, erklärten, er habe sich nach Überprüfung umgehend in den Streifenwagen gesetzt, vorab aber geäußert, er sei beim Joggen. Der Rucksack und der Werkzeugkoffer waren aber Beleg dafür, dass er der gesuchte Dieb wäre. Im Rucksack hätten sich auch Werkzeuge befunden, die zu einem Einbruch dienlich waren. 

Das Diebesgut wurde noch in der Tatnacht auf dem Polizeirevier konfisziert, wie ein weiterer Ermittler anführte. 

Die anwesende Rechtsmedizinerin aus Freiburg negierte in ihrem gutachterlichen Aussagen eine Schuldminderung. Zwar habe die Einnahme der vielen Medikamente Auswirkungen auf das Verhalten, sie hätten jedoch die Steuerungsfähigkeit nicht beeinflusst. 

Wie aus dem Bundeszentralregister zu entnehmen sei, so Amtsrichterin Schreier, fiel die Tat noch in einen Bewährungszeitraum, was sich nicht günstig auf die Gesamtbewertung auswirken würde. Auch die Vielzahl der einschlägigen Vorstrafen würde dies erhärten. Der Angeklagte habe eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung zu erhalten.

Leicht gemacht

Pflichtverteidigerin Ulrike Weidt hob in ihrem Plädoyer darauf ab, dass das Diebesgut umgehend zurückgebracht werden konnte, zumal er mit den gestohlenen Waren nichts anfangen konnte und es ihm die Besitzer der Fahrzeuge leicht gemacht hätten, da die Kfz nicht abgeschlossen waren. Zusätzlich sei ihr Mandant zum Zeitpunkt der Diebestour aufgrund des Medikamentenkonsums schuldunfähig. 

Amtsrichterin Schreier sprach den Angeklagten im den vier Fällen schuldig, wich aber deutlich von der Forderung der Anklagevertreterin ab. Sie sehe den Verfahrensmechaniker zur Tatzeit als vermindert schuldfähig und könne aufgrund seiner Darlegungen eine positive Sozialprognose feststellen. Zur Unterstützung soll ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt werden.

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