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Amtsgericht Achern

Bewährungsstrafe: Ebay-Betrug einer jungen Frau nachgewiesen

12. Oktober 2017
&copy Archivfoto: Mittelbadische Presse

Sie ist 22, arbeitslos, hat einen Berg von Schulden und ist dreifach wegen Betrugs vorbestraft. Nun hatte sie einem Ebay-Kunden die bereits bezahlte Ware, eine Uhr für 150 Euro, nicht geliefert. Eine Tat, die leicht nachzuweisen ist. Dafür erhielt sie nun eine Bewährungsstrafe. 

Die Angeklagte, aus der Strafhaft kommend und in Handschellen in den Gerichtssaal geführt, begann vor dem Amtsgericht Achern mit einem Wortschwall von Entschuldigungen, dass es ihr leid tue, dass sie sich schäme, und dass sie »so etwas« nie mehr tun wolle. Richter Michael Tröndle gab daraufhin zu bedenken: »Aber es ist ja nicht das erste Mal, dass Sie das getan haben!« Da führte die 22-jährige Altenpflegehelferin ihre familiäre Situation ins Feld, die ihr in der Regel stets Halt gegeben habe, doch diesmal wisse sie nicht, was in diesem Moment in ihr vorgegangen sei.

Das versuchten nun Richter und Staatsanwalt herauszufinden. Die Angeklagte erklärte, dass sie psychische Probleme habe, derzeit auf Arbeitssuche sei, aber sich noch nicht dazu habe aufraffen können, sich arbeitslos zu melden. Sie lebe von Geborgtem und sitze auf einem Berg von Schulden. Eine psychologische Beratung habe sie aber jetzt in Angriff genommen. Den Tatvorwurf des Betrugs hatte die Angeklagte immerhin eingestanden, eingestehen müssen, denn letztendlich war man über ihre Bankverbindung auf sie gestoßen.

Ware kam nicht an

Sie hatte über ebay-Kleinanzeigen eine Uhr angeboten, die 200 Euro kosten sollte, sich mit dem Käufer aber schließlich auf 150 Euro geeinigt. Der schilderte den weiteren Verlauf der Transaktion im Zeugenstand: »Ich habe ihr das Geld sofort überwiesen, aber die Uhr kam nicht bei mir an!«

Nach drei Tagen habe er bei der Angeklagten angerufen, aber nur Ausflüchte zu hören bekommen. Nach sechs Tagen habe er nochmals geschrieben, doch danach habe sie überhaupt nichts mehr von sich hören lassen. Schließlich habe er die Geduld verloren und sie vor die Wahl gestellt: entweder Geld zurück oder Strafanzeige.

Zweimal Uhr angeboten

Der Interessent musste jedoch feststellen, dass dieselbe Uhr noch einmal bei ebay angeboten worden war, was bedeutete, dass die Angeklagte dasselbe Spiel zumindest noch ein zweites Mal getrieben haben musste.

Im Bundeszentralregister ist sie mittlerweile mit drei Eintragungen wegen Betrugs vertreten, und sie war deswegen bereits zu Geldstrafen verurteilt worden. Da sie sie nicht bezahlt hatte, war sie letztlich in Strafhaft genommen worden. Das musste wohl Wirkung gezeigt haben, so dass sie zu guter Letzt dem Zeugen die Uhr hatte zukommen lassen. 

Der Vertreter der Staatsanwalt konnte sich nach eigenen Worten kurz fassen. An der Tatsache, dass die Angeklagte von vornherein nicht vorhatte, die Uhr nach dem Erhalt des Geldes zu liefern, gebe es nichts zu deuteln. Erschreckend sei nur die rasche Rückfallgeschwindigkeit, die die Angeklagte an den Tag gelegt habe. Bereits 14 Tage nach Rechtskraft der ersten Verurteilung habe sie einfach weitergemacht. »Das ist eine schlechte Art, sein Geld zu verdienen«, meinte er und versäumte nicht, auf die schlichte Einfalt dieser Art hinzuweisen. Schließlich komme man bei den so getätigten Bankgeschäften immer dem Täter auf die Schliche.

Exakt angemessen

Er bescheinigte der Angeklagten eine gewisse Einsichtsfähigkeit, musste aber nach Rechtslage diesmal auf eine Freiheitsstrafe plädieren, die er auf zwei Monate auf Bewährung festsetzte – zuzüglich 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Auch für Richter Tröndle kam eine Geldstrafe nicht mehr in Betracht, und er hielt die Forderung des Staatsanwalts exakt für angemessen. 

Autor:
Bodo G. Toussaint

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