Achern-Mösbach

Ein Amerikaner in Mösbach

Autor: 
Roland Spether
Lesezeit 5 Minuten
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01. September 2015
Der Stammbaum von Matt Miller reicht bis zur achten Generation zurück und brachte zum Vorschein, dass Mösbachs Ortsvorsteherin Sonja Schuchter und David Panther aus den USA über fünf Ecken verwandt sind.

(Bild 1/3) Der Stammbaum von Matt Miller reicht bis zur achten Generation zurück und brachte zum Vorschein, dass Mösbachs Ortsvorsteherin Sonja Schuchter und David Panther aus den USA über fünf Ecken verwandt sind. ©Roland Spether

Sonja Schuchter und David Panther haben gemeinsame Vorfahren in dem Ehepaar Moritz Panther und Elisabeth Birk aus Mösbach. Ein ausführlicher Stammbaum zeugt von der weitläufigen Verwandtschaft

Wie man über fünf Ecken hinweg verwandt sein kann und dies mehr oder weniger durch Zufall erfährt, hat Sonja Schuchter aus Mösbach unlängst erlebt. Eines schönen Tages in den Sommerferien meldete sich David Panther aus Muscatine im US-Bundesstaat Iowa und kündigte auf der Suche nach den Ahnen seinen Besuch im Kirschendorf an.

Ortsvorsteherin Sonja Schuchter empfing den Besucher, der im Rahmen einer Europareise auch in Mösbach einen Stopp einlegte. 

Dass sich David Panther und Sonja Schuchter suchten und fanden, hat seinen Grund in dem umfangreichen Buch des Ahnenforschers Matt Miller aus Amerika, der darin den Stammbaum der aus Mösbach stammenden Familie Panther penibel genau aufgelistet hat. Er war vor einigen Jahren ebenfalls in dem Kirschendorf, ebenso Mike Panther und dessen Ehefrau Mary Panther aus den USA. Mittlerweile hat sich Matt Miller auch mit der Ahnenforschung von Ludwig Doll beschäftigt, der mit Josefine Panther verheiratet war und deshalb auch zum Stammbaum „Panther“ dazugehört.

Die Stammbäume gehen sieben bis acht Generationen zurück und reichen bis ins frühe 17. Jahrhundert. Matt Miller, hat seine umfangreichen Arbeiten der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und Sonja Schuchter die Arbeiten auf der Homepage unter »Auswanderer Amerika« eingestellt.

Bewegende Begegnung

Die gemeinsamen Wurzeln von Sonja Schuchter und David Panther liegen darin, dass Moritz Panther und Elisabeth Birk den Söhnen Philipp Panther und Aloys Panther das Leben schenkten. Philipp Panther, geboren 1834 in Mösbach, heiratete Luise Schott und blieb in Mösbach. Diese hatten drei Kinder: Vincentius, Alphonsius und Rosa. Vincentius Panther war der Ur-Großvater von Sonja Schuchter, seine Tochter Josefine Panther ihre Oma.

Aloys Panther, geboren 1837 in Mösbach, heiratete Monika Hahnle und wanderte mit ihr am 14. September 1872 nach Amerika aus. Er starb am 6. Juni 1908 in Mount Pleasant/Henry County im Staat Iowa im Alter von 70 Jahren. Einer seiner Nachfahren ist David Panther, der nun in Mösbach war. Weitere unmittelbare Nachfahren sind Matt Miller und Mike Panther, der 2011 mit seiner Frau Mary Panther auf historischer Spurensuche in Mösbach weilte.

Erstmals kam auch David Panther in die Heimatgemeinde seiner Vorfahren und es war ihm anzumerken, wie ihn diese Begegnung längst vergangener Familiengeschichte bewegte. Er ist 67 Jahre, beruflich im kardiologischen Bereich tätig, hat zwei Söhne im Alter von 25 und 28 Jahren und war sehr glücklich, im Land seiner Vorfahren zu sein.

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Ein großes Lob sprach er den hiesigen Ortschaften aus, die alle sehr gepflegt und sauber seien. Man sehe, dass die Bevölkerung großen Wert auf ihre Häuser und Anwesen legten, so David Panther. Auch von der wunderbaren Gegend mit den Reben und Obstbäumen war er hellauf begeistert, doch ganz besonders von dem Bild des alten Fachwerkhauses am Ortsausgang in Richtung Ulm, aus dem seine Vorfahren stammen.

Auf der Flucht vor Hunger und Armut

Vor mehr als 160 Jahren verließen viele Menschen die hiesigen Dörfer und suchten in Amerika ihr Heil

Vor über 150 Jahren spielten sich in Mösbach, Sasbachwalden, Wagshurst und vielen Gemeinden ähnliche Szenen von Menschen auf der Flucht ab, wie sie heute fast die ganze Welt in Atem halten. Vor über 150 Jahren waren es Hunger, Armut, Ausweglosigkeit, Krankheiten und Krieg, die restlos verzweifelte Menschen ihr Glück in der Neuen Welt suchen ließen. Welche persönlichen und familiären Dramen in der Wahl zwischen Leben und Tod sich in den Bauernhäusern hiesiger Orte abspielten, lässt sich nur  erahnen. Das Elend war jedenfalls so groß, dass zwischen 1851 und 1861 ein Drittel der Einwohner von Mösbach, in dem damals etwa 950 Menschen lebten, nach Amerika auswanderte.

Regenjahre hatten dafür gesorgt, dass die Ernte auf den Feldern verfaulte und die oft kleinen Bauernhöfe die Familien nicht mehr ernähren konnten. So kam es zu Missernten und danach zum großen Aderlass in Mösbach, den die Gemeinde in der Weise unterstützte, dass sie einen außerordentlichen Holzschlag vornahm und den Auswanderern Geld für die Überfahrt auszahlte. Dies war auch in Gemeinden wie Wagshurst, Sasbach und Sasbachwalden der Fall, denn die Verantwortlichen in den Dörfern sahen darin die einzige Chance, ihren Bürgern den Weg zu einem hoffentlich guten Leben zu ermöglichen. In Wagshurst wanderten zwischen 1840 und 1860 etwa 40 Familien nach Amerika aus, rund 400 »Saschwaller« erhielten von der Gemeinde das Geld für die Überfahrt am 26. November 1854 mit dem Schiff Isabella.

Angesichts der bitteren Not war es für die »Fluchthelfer« und Agenten der Schifffahrtsgesellschaften ein leichtes Spiel, den hoffnungslos verlorenen Dorfbewohnern ein wahres Schlaraffenland jenseits des Ozeans vorzugaukeln, überliefert der Mösbacher Oberlehrer Josef Fahrländer.

Zu den von der Gemeinde und dem Bezirksamt Abgeschobenen gehörten insbesondere die »armen ledigen Weibsleute mit ihren unehelichen Kindern« und jene, die ihnen als Arme früher oder später finanziell zur Last fallen würden. Für diese unfreiwilligen Auswanderer nach Amerika musste die Gemeinde Mösbach von 1851 bis 1854 die stolze Summe von 8000 Gulden aufbringen.

Eine Agentur der Schiffslinie zwischen Havre und New York hatte ihren Sitz in Kehl und im Verkündigungsblatt des „Ortenauer Boten“ wurde der notleidenden, einfachen Bevölkerung der Mund nach einem Leben im Paradies wässrig gemacht. Doch Realität war, dass viele Kinder und Erwachsene auf der wochenlangen Reise starben.

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