Achern / Oberkirch

Ein Höllenknecht steht zur Seite

Autor: 
Klaus Huber
Lesezeit 3 Minuten
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06. März 2007
Eine glanzvolle Premiere feierte das Illenau-Theater am Samstag im Maison de France mit »Wenn der Dämon kommt«, einer Tragikomödie von Rudolf Kühnl. Die Inszenierung der in Bühl lebenden Pädagogin Barbara Laskowski gefiel.
Achern. Der Bühnenautor setzt das Faustsche Thema Goethes um und verleiht ihm die Handschrift des heutigen Lebens mit Problemen wie Alkohol und Drogen oder einer gescheiterten Partnerschaft – ganz abgesehen von der chronischen Geldnot. Die Figur des durch seine Süchte völlig heruntergekommenen Wissenschaftlers Thomas Greimeier, alias Tommy, wird sehr überzeugend gespielt von Alexander Schneider. Die Hauptfigur kann einem fast Leid tun. In rasendem Wechsel stellt er Verzweiflung, Mut, Frohsinn oder tiefste Depression dar. Doris, Lebensgefährtin und irdische Freundin (Constanze Fliegel), ist eigentlich eine treue Seele, wird aber durch Tommys Verkommenheit selbst in die Bösartigkeit getrieben. Gift und Galle speiend mutiert sie, nach dem Gang durch die Hölle, zum sanften Lamm.  Lüstern und geldgeil Jean, der Kumpel Tommys (Markus Bertsch), ist wohl die homogenste Figur. Doch auch bei all seiner Gutmütigkeit blitzen menschliche Schwächen auf: Geldgier oder Lüsternheit. Der Elsässer, der Tommy in dieser Situation den Rücken kehrt, hat als herzerfrischendes Original bei allen Turbulenzen immer noch einen Spruch drauf. Der von der Hölle beauftragte Dämon Nebukanbukazar (Uwe Lueb), der sich Tommy kumpelhaft als Nebu anbiedert, verkörpert den Gegenpol zur Helligkeit. Aber auch bei ihm war es der Regisseurin wichtig, Brüche in seinem Wesen zu zeigen. Der Dämon geht als Bote der Unterwelt mit der Zeit: Für ihn ist an die Stelle des Höllenfeuers der stete Umgang mit dem Computer gerückt. Yvonne, die Dämonin, alias Yvonne Baudevoir (Marion Wolf), ist die wohl schillerndste Figur. Hinsichtlich der souveränen Raffinesse im Auftreten steht die sexy gekleidete Assistentin dem Dämon in nichts nach. Durchtrieben, bösartig,  in ihren Bewegungen katzenhaft, ist jedoch auch sie gelegentlich auf der Suche nach Wärme – ihre Kostüme wechseln dementsprechend. Barbara Laskowski arbeitet die Doppelschichtigkeit des Stückes heraus. Alle Figuren besitzen mindestens zwei Seiten. Auch wenn der Schutzengel (Ulrike Grollmann) das Gute verkörpert, zeigt er Zorn, Biss und Ironie. Die Ausdruckskraft der Farbe war der Regisseurin auch bei der effektvollen Bühnenausstattung sowie der von Eva-Maria Löser getroffen Kostümwahl wichtig. Licht- und Tonspiele Auch in der Lichtregie spiegelt sich die Polarität des Stückes: Der erste Akt ist überwiegend düster gehalten, der zweite Akt strahlend hell. Pit Ferch an der Technik setzt eindrucksvolle Lichteffekte ein, schummriges Halbdunkel oder Blitzgewitter inklusive. Auch die Akustik spielt eine tragende Rolle: Nebelschwaden kommen einher mit dunklen Klängen des Didgeridoos, ein Glockenspiel kündigt wiederum den Schutzengel an. Egal wie der Konflikt zwischen Tommy und dem Dämon ausgeht – am Ende sehen sich beide Seiten als Sieger. Die hingerissenen Besucher quittierten das Stück, das auch vom Textumfang her eine große Herausforderung für die Darsteller bedeutete, mit lang anhaltendem Beifall. In der Reihe spontaner Stimmen von Zuschauern äußerte sich unter anderem eine Besucherin überaus angetan von dem »unerwarteten Ausgang« des Stücks.  

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