Verfahren vor dem Amtsgericht Achern

Erhöhten die Medikamente den Alkoholspiegel?

Autor: 
Edgar Gleiss
Lesezeit 3 Minuten
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15. Oktober 2019

Noch kein Urteil wurde bei einer Verhandlung in Achern um eine Trunkenheitsfahrt gefällt. ©Archivfoto: Andreas Cibis

Unterbrochen wurde die Verhandlung zu einer Trunkenheitsfahrt, da sowohl Verteidiger Hans Busch als auch Amtsrichter Thomas Röber bis zum richterlichen Urteil die Anhörung eines medizinischen Sachverständigen der Rechtsabteilung wünschten. 

Vorgeworfen wurde einem 56-jährigen Monteur aus einer Nachbargemeinde von Staatsanwalt Norbert Fischer, am 23. Juni um 1.54 Uhr  mit einem Promillewert von 1,11 mit seinem Fahrzeug in der Obersasbacher Straße in Sasbach unterwegs gewesen zu sein. Deshalb sei er wegen einer fahrlässigen Trunkenheitsfahrt anzuklagen. 

Der Verteidiger hob im Anschluss an den Tatvorwurf heraus, dass der Wert des erfassten Blutalkoholgehalts 0,02 über der 1,09 Grenze liege, die einen längeren Führerscheinentzug nach sich ziehe. Grenzwerte seien eben Grenzwerte und könnten nicht nach Beliebigkeit  verschoben werden, so der Amtsrichter. Die erfassten Werte seien eine klare Angelegenheit und nicht im Ermessen von Beliebigkeit. 

Der Verteidiger stellte dar, dass sein Mandant in der besagten Zeit aufgrund einer Erkrankung relativ viele Medikamente zu sich nehmen musste und die Rechtsmedizin den Einfluss des Alkoholgehaltes widersprüchlich werte, zumal die angegebene Trinkmenge nicht auf den ermittelten Wert schließen lasse. Der Angeklagte erwähnte, dass er bis 23.30 Uhr gearbeitet habe und nach Feierabend gegen Mitternacht noch in eine Kneipe in Achern fuhr. Dort habe er zwei oder drei Weißweinschorle getrunken  und gegen 1.45 Uhr sei er nach Hause gefahren. Man habe ihn dann wie vom Staatsanwalt dargestellt in Sasbach kontrolliert.

Er sei im Juni wegen einer Erkrankung zwei Wochen krankgeschrieben worden. Um wieder arbeiten zu können, habe er Schmerzmittel zu sich genommen, die rezeptfrei waren. Tabletten und Cremes hätten ihm beim Heilungsprozess helfen sollen. Auf Nachfrage des Amtsrichters konnte er jedoch die verwendeten Medikamente nicht benennen. Allerdings habe er die meisten Medikamente am besagten 23. Juni nicht mehr eingenommen. Während der Arbeit würde er auch keine alkoholhaltigen Getränke zu sich nehmen. 

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Der im Zeugenstand erschienene Polizeikommissar schilderte, dass es eine reine Routinekontrolle war, in deren Verlauf er Alkoholgeruch feststellte. Daraufhin wurde ein Atemalkohol von 0,4 mg/l gemessen. Man fuhr mit ihm aufs Revier. Dort erhöhte sich der Wert bei der zweiten Kontrolle auf 0,53 mg/l. Daraufhin wurde im Krankenhaus eine Blutprobe entnommen. Das Messergebnis erbrachte den doch hohen Promillewert. 

Auf Nachfrage legte der Angeklagte noch einmal dar, dass er kaum alkoholische Getränke zu sich nehme.  Nach einer Sitzungspause, in der sich der Amtsrichter mit der Rechtsmedizin in Freiburg in Verbindung setzte, um ein Sachverständigengutachten anzufordern, verständigte sich der Verteidiger mit seinem Mandanten, diese Gutachten ebenfalls einzufordern, wenn auch eine Zeitverkürzung bei der Dauer des Führerscheinentzugs marginal werde. 

Auskunft des Arztes

Für das Gutachten müsse der Angeklagte seinen Hausarzt von der ärztlichen Schweigepflicht entbinden, um die Wirksamkeit der eingenommenen Medikamente bewerten zu können. 

Dies sei im Allgemeinen aber nur der Fall, wenn die Medikamente selbst Alkohol enthielten, meinte der Richter.  Mit dem Einverständnis des Staatsanwaltes und der Verteidigung fasste Amtsrichter Thomas Röber den Beschluss, die Verhandlung zu unterbrechen und am 22. Oktober wieder fortzusetzen.

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