Achern

Erstmals Kommunalwahlen ab 16

Kristina Droll
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22. April 2014
Fast alle Schüler dieser zehnten Klasse des Gymnasiums Achern sind im Mai alt genug zum Wählen. Nur ein Bruchteil der Schüler plane jedoch, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Fast alle Schüler dieser zehnten Klasse des Gymnasiums Achern sind im Mai alt genug zum Wählen. Nur ein Bruchteil der Schüler plane jedoch, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. ©Kristina Droll

Bei der Kommunalwahl am 25. Mai dürfen erstmals Jugendliche ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben. Um das Politikverständnis zu fördern, werden die Wahlen in Schulen aufgegriffen.

Der Schulleiter der Grund- und Werkrealschule Achern, Edgar Gleiß, versucht, seine Schüler so gut er kann zum Wählen zu animieren. Seiner Meinung nach müssen Wahlen in den Schulen gut vorbereitet werden, damit sich die Jugendlichen bei der Stimmabgabe sicher fühlen. Daher würde er es stark befürworten, wenn der Politik im Lehrplan mehr Bedeutung zukäme.

Im Fach WZG (Welt-Zeit-Gesellschaft), das die Schüler ab Klasse fünf haben, werden die wirklich politischen Themen erst ab Klasse sieben besprochen. Gleiß findet, dass man das Augenmerk weniger auf das Erklären der Institutionen als auf die aktive politische Beteiligung legen sollte.

So habe Gleiß seine Zehntklässler eigenständig, aber mit vorgebebenen Materialen eine Pro-und-Contra-Liste zum Thema Wahlen ab 16 erstellen lassen. Das Ergebnis habe ihn jedoch überrascht: Bis auf zwei Schüler hätten alle Jugendlichen erklärt, dass sie sich nicht ausreichend vorbereit fühlen, um ihre Stimme abzugeben.

Unterschiede erarbeitet
Aktuell werden in den zehnten Klassen auch die EU-Wahlen thematisiert und Unterschiede zwischen den Wahlen, gerade auch im Bezug auf die Altersfrage, herausgearbeitet.
Wie viele seiner Schüler sich letztendlich an der Wahl beteiligen werden, könne Edgar Gleiß schlecht voraussagen, denn letztlich, betont er, spiele auch immer eine Rolle, ob die Eltern eine aktive Wahlbeteiligung vorleben oder nicht. 
In der Robert-Schumann-Realschule in Achern wird Politik bereits ab Klasse 5 im Fach EWG (Erdkunde, Wirtschafts- und Gemeinschaftskunde) behandelt, zum Beispiel der Aufbau der Gemeinde. Der Fokus in Klasse 9 gelte verstärkt der Politik auf höherer Ebene und dem Ablauf der Wahlen, so Schulleiterin Karin Kesselburg.

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Zur Veranschaulichung besuchen die jüngeren Schüler das Rathaus, wo ihnen die Aufgaben des OB und der Gemeinde erklärt werden. Auch beim Jugend-Neujahrsempfang der Stadt seien Realschüler vertreten gewesen und hätten sich konkret mit der Frage, wie sie in die Gemeinde eingebunden sind, beschäftigt.

Karin Kesselburg betont, dass der Unterricht heutzutage fächerübergreifend stattfinde. So spreche sie die Kommunalwahlen durchaus auch in ihrem Deutsch-Unterricht an.
Mehr Interesse

Bei Schülern, die die Möglichkeit nutzen, die Demokratie mitzugestalten, erlebe Kesselburg durch das herabgesetzte Wahlalter definitiv mehr Interesse an politischen Themen. Der Politikverdrossenheit werde so entgegengewirkt. 
An den Gymnasien sei das Fach Gemeinschaftskunde durch die Einführung von G 8 von der neunten in die achte Klasse vorgerutscht, erklärt Stefan Weih, Leiter des Gymnasiums Achern. Damit stehe die Kommunalpolitik in der achten Klasse auf dem Lehrplan, in der neunten die Politik auf Bundesebene. Am Inhalt habe sich aber nichts geändert.

Gut angekommen
Um das politische Interesse der Schüler zu fördern, hat sich das Gymnasium am bundesweiten Projekt »Juniorwahl« beteiligt. Dabei fand an den teilnehmenden Schulen eine fiktive Bundestagswahl zeitgleich zur echten Wahl statt (die ARZ berichtete). Diese sei bei seinen Schülern gut angekommen, glaubt Weih. 

Auch Besuche von Gemeinderatssitzungen wurden bereits unternommen. Diese seien zwar keine Pflicht, gäben jedoch einen guten Einblick in das politische System auf kommunaler Ebene, so Weih.
Wenn sich der Schulleiter und seine Kollegen unter den Schülern umhören, erleben sie gemischte Reaktionen auf das herabgesetzte Wahlalter. So begegne ihnen neben Begeisterung auch Skepsis, überraschend viele Schüler seien sich nicht sicher, ob sie bereit für eine Stimmabgabe sind.

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