Nach den Impfungen
Dossier: 

Es gibt erste Lockerungen in den Pflegeheimen im Raum Achern

Autor: 
Cibis, Andreas
Lesezeit 4 Minuten
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08. Mai 2021
Ein mobiles Impfteam versorgte auch im Pflegeheim Erlenbad die Bewohner und das Personal mit Impfstoff.

Ein mobiles Impfteam versorgte auch im Pflegeheim Erlenbad die Bewohner und das Personal mit Impfstoff. ©Regina de Rossi

Covid 19, noch immer bestimmt das Virus das tägliche Leben. Ein Virus, das besodenrs auch vor den Pflegeheimen nicht Halt gemacht hat. Gerade die Heimbewohner mussten sehr viel Geduld aufbringen. Abgeschnitten zu sein von den nächsten Angehörigen war für viele das Schwierigste, verbunden mit traurigen Schicksalen.

In vielen Pflegeheimen starben alte Menschen einsam. Aus Schutz vor eventuellen Ansteckungen durften sich viele Bewohner nicht mehr besuchen, mussten ihr Essen alleine in den Zimmern einnehmen und auf gemeinsame Aktionen generell verzichten. Nun sind fast alle der Bewohner in den Pflegeheimen rund um Achern geimpft. Eine große Aktion, mit vielen Herausforderungen. Allein die Bürokratie, darin sind sich die Heim- und Pflegedienstleiter einig, war sehr umfangreich. Angehörige und Betreuer mussten kontaktiert, Impftermine koordiniert, die Bewohner vorbereitet ­werden.

Noch keine 100 Prozent

Im Haus am Marktplatz in Kappelrodeck, einem Pflegeheim der Evangelischen Heimstiftung, sind mittlerweile 90 Prozent der Heimbewohner mit einem Vollimpfschutz versorgt. Das heißt, sie wurden von einem mobilen Impfteam bereits zwei Mal geimpft. „Zeitgleich konnten sich auch unsere Mitarbeiter impfen lassen“, so Thomas Becker, Regionaldirektor der Evangelischen Heimstiftung GmbH Kurpfalz-Ortenau. Dass es noch keine hundert Prozent sind, liegt daran, dass neue Bewohner dazu gekommen sind, die noch auf den Impftermin warten. Die übrigen Bewohner aber dürfen sich jetzt wieder gegenseitig besuchen und sogar das Haus verlassen. „Wir sind sehr froh, dass wir so früh geimpft haben, weil es erheblich mehr Freiheit für unsere Bewohner bedeutet“, so Thomas Becker. Er sieht die Evangelische Heimstiftung generell als Vorreiter bei den Forderungen nach sinnvollen und vertretbaren Lockerungen. Schwer nachzuvollziehen hingegen sei für ihn, dass die Pflegerinnen und Pfleger weiterhin nur mit FFP2-Masken arbeiten dürfen und signalisiert: „Da fehlt eindeutig der Mut zu einer klaren Entscheidung!“

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„Super organisiert“

Vorsicht, die lässt man auch in Ottenhöfen walten. Heimleiterin Melanie Roloff zeigt sich dankbar dafür, dass es in ihrem Haus keinen Corona-Ausbruch gab. Jetzt können die Vorsichtsmaßnahmen endlich gelockert werden. Das siebenköpfige Impfteam, dem zwei Ärzte angehören, hat ebenfalls alle Bewohner im „Seniorenheim am Kurpark“ bereits zum zweiten Mal geimpft und somit für einen Vollschutz gesorgt. „Die Aktion wurde positiv aufgenommen“, so die stellvertretende Pflegedienstleiterin Jana Wernebach-Fischer. „Alles war super organisiert“. Auf den Impfstoff selbst hatte man hier, wie in allen anderen Einrichtungen, keinen Einfluss. Man sei froh, dass diese Aktion nun zu Ende ist und noch mehr, wenn die Bewohner wieder ihre Aktivitäten aufnehmen können und einem gemeinsamen Teilnehmen an den Mahlzeiten nichts mehr im Wege stehe. Allerdings, so Melanie Roloff: „Unsere Gesichter, die würden die Bewohner gerne mal wieder richtig sehen“.

Auch das Pflegeheim Erlenbad in Sasbach darf aufatmen. Pflegedienstleiterin Vanessa Schindler ist spürbar erleichtert, dieses Thema abgeschlossen zu haben. „Wir hatten zwar zum Glück keinen Corona-Ausbruch zu verzeichnen, aber jetzt sind wir doch auf der sicheren Seite“. Man sei und bleibe vorsichtig, betont sie. So werden die beiden Wohnbereiche noch nicht durchmischt.

Keine Konzerte

Von Konzerten und gemeinsamen Gottesdiensten sieht man weiterhin ab. Doch innerhalb der beiden Bereiche essen die Bewohner gemeinsam, besuchen sich gegenseitig und gehen auch wieder nach draußen. Auch Heimleiter Martin Meier ist über die Entwicklung erfreut. „Zwar hatten wir hier keinen Ausbruch und nur drei unserer Mitarbeiterinnen waren in der ganzen Zeit in Quarantäne, doch das kann sich ja alles schnell ändern!“ Man ist und bleibt vorsichtig und damit die moderaten Besuchszeiten erhalten bleiben können, hält man auch nach wie vor an der Testung der Besucher fest. „Doch auch wir und somit das Personal werden zwei Mal in der Woche getestet und man ist immer froh wenn der Test negativ ist“, so Martin Meier.

Info

Umgang mit geimpften Personen

Das Robert Koch-Institut hat seine Empfehlungen zum Umgang mit geimpften Personen aktualisiert. Auch die Empfehlungen zum Umgang mit geimpften Personen in stationären Pflegeeinrichtungen.
Die Landesregierung hat beschlossen, diese Empfehlungen in Baden-Württemberg umzusetzen. Sie gelten für stationäre Pflegeeinrichtungen mit einer Bewohner-Impfquote ab 90 Prozent.

Sofern in einer Einrichtung 90 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner vollständig geimpft beziehungsweise genesen sind, kann beispielsweise die Besucherzahlbeschränkung auf zwei Besuche pro Tag aufgehoben werden. Auch können dann innerhalb der Einrichtung für die Bewohner wohnbereichsübergreifende Gemeinschaftsaktivitäten stattfinden.
Die Hygienemaßnahmen, insbesondere die qualifizierte Maskenpflicht und die Testung vor Zutritt für Besucherinnen, Besucher und Externe gelten aber weiterhin fort. Ausnahmen von der Testpflicht für geimpfte Personen sind derzeit nicht vorgesehen.

Hintergrund

So läuft es im Pflegeheim St. Franziskus

„Bei uns hat die erste Impfung 2021 stattgefunden. Davor war von uns ein hoher bürokratischer Aufwand zu leisten“, berichtet Sabine Fronz, Geschäftsführerin des Pflegeheims St. Franziskus in Achern. Nur wenige Bewohnerinnen und Bewohner hättn dals die Impfung abgelehnt.
Nach der ersten Impfung seien einige Bewohnerinnen und Bewohner an Corona erkrankt. „Ihr hohes Alter, ihre Vorerkrankungen und die Coronainfektion führte bei manchen zu schweren Krankheitsverläufen“, so Sabine Fronz. „Einige sind auch nach der Covid-19-Infektion bei uns verstorben.“

Höheres Risiko

Dass ältere pflegebedürftige Menschen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf hätten und die Menge der Kontakte im Heim das Risiko der Verbreitung erhöhe, das war und sei allen im Pflegeheim bewusst. „Wir waren erleichtert, als die zweite Impfung abgeschlossen war – wohlwissend, dass es keine absolute Sicherheit gibt – aber mit der Hoffnung, dass sich Infektionen vermeiden lassen und die Symptomatik und Schwere von Krankheitsverläufen bei Bewohnern mit einer Corona-Infektion durch die Impfungen reduziert. Heute wissen wir, dass auch Geimpfte an Corona erkranken können“, so Sabine Fronz. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen biete kein Impfstoff einen 100-prozentigen Schutz, mildere aber die Krankheitsverläufe ab. „An unseren Hygiene- und Schutzmaßnahmen im Pflegeheim haben wir, trotz Impfung, nichts verändert. Auch die Schnelltests für Besucher und Mitarbeiter haben sich durch die Impfung nicht erübrigt“, meint Sabine Fronz und betont weiter: „Die Pflegeheime sind durchgeimpft, so heißt es in den Medien und im gleichen Atemzug werden Lockerungen gefordert. Tatsache ist, dass die Pflegeheime trotz stattgefundener Impfung nicht durchgeimpft sind. Viele sind geimpft, aber längst nicht alle.“
Es liege in der Natur der Sache, dass in Pflegeheimen Menschen versterben und neue Bewohner einziehen. Diese seien in der Regel noch nicht geimpft. Ein erneutes Risiko also. Erst wenn die Hausärzte die Möglichkeit bekommen, ihre impfwilligen Patienten zu impfen, bevor sie ins Pflegeheim einziehen können, werde sich das ändern.

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