19-Jähriger vor dem Amtsgericht

Fahrt nach Achern im Alkoholrausch endete am Baum

Autor: 
Edgar Gleiß
Lesezeit 4 Minuten
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08. April 2021
Ein 19-Jähriger führ alkoholisiert auf einen Baum. Nun stand das Verfahren vor dem Acherner Amtsgericht an.

Ein 19-Jähriger führ alkoholisiert auf einen Baum. Nun stand das Verfahren vor dem Acherner Amtsgericht an. ©Andreas Cibis

19-Jähriger fuhr trotz 2,27 Promille noch mit dem Auto nach Achern. Amtsrichterin Jule Jantzen spricht von einer einmaligen Verfehlung. Der Führerschein bleibt noch drei Monate eingezogen.

Nachhaltig in Erinnerung bleiben wird für einen nunmehr 19-jährigen Schüler seine Fahrt am 4. Oktober des vergangenen Jahres, als er in Achern von der Straße abkam und auf einen Baum fuhr. Dabei wurde an seinem Auto ein Totalschaden von 10 000 Euro registriert. Dafür darf er nunmehr nach dem Urteil noch weitere drei Monate warten, bis er erneut seine Fahrerlaubnis beantragen darf.

Vorgeworfen wurde ihm von Oberamtsanwalt Schäfer, dass er in jener Nacht gegen 3 Uhr in der Kaiser-Wilhelm-Straße alkoholbedingt die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hatte und einen Baum „rasierte“, der im Vergleich zum Totalschaden mit 700 Euro noch billig war. Im Klinikum habe man danach einen Blutalkoholgehalt von 2,27 Promille festgestellt. So habe sich der Angeklagte fahrlässig als Verkehrsteilnehmerverhalten und sei deswegen für das Führen eines KFZ ungeeignet.
Für den jungen Mann aus einer Umlandgemeinde Acherns gab es in jener Nacht, wie er ausführte, erhebliche Erinnerungslücken. Er habe sich anlässlich des Weinfestes mit Kumpels ab 18 Uhr getroffen, um etwas Abstand vom Lockdown zu gewinnen und mal ausgiebig coronakonform zu feiern. Dabei ging es wohl mit alkoholischen Getränken erheblich zur Sache. Auf Nachfrage der Amtsrichterin meinte er, dass neben Bier und Wein auch Schnaps und Mixgetränke konsumiert wurden. Er hätte aber an diesem Tag bereits ab 13 Uhr alkoholische Getränke zu sich genommen. Die Menge der Getränke könne er allerdings nicht mehr beziffern.

Im Anschluss daran ging es zu Fuß nach Hause in die Kellerbar. Dort wurde weiter alkoholischen Getränken zugesprochen. Es sei ein extremer Trinkabend gewesen, wie er ausführte. Warum er danach in das Auto einstieg und nach Achern fuhr, wisse er nicht mehr. Er habe vom Ablauf des Unfalls keine Ahnung und nur leichte Anhaltspunkte vom Klinikaufenthalt.

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Leicht lallend

Sein Verteidiger Sven Wilhelm verwies in diesem Zusammenhang, dass sich sein Mandant selbständig und freiwillig einer MTU unterzogen hätte, um diese Problematik zu lösen. Bei den kurzfristigen anberaumten Urinproben habe sich gezeigt, dass er in Abstinenz von alkoholischen Getränken lebe. Amtsrichterin Jule Jantzen verlas aus dem Arztbericht, dass er leicht lallend sprach und ihm der Alkoholgenuss deutlich anzusehen war.

Da von der Jugendgerichtshilfe niemand anwesend war, zitierte sie aus dem Bericht der Sachbearbeiterin. Er sei gut integriert im Verein seines Heimatortes, selbstkritisch und reflektiert. Sie schlage jedoch dem Gericht eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht vor.

Der Oberamtsanwalt hob in seiner Strafmaßforderung hervor, dass der Angeklagte Glück im Unglück hatte, weil niemand persönlich zu Schaden kam. Der starke Alkoholkonsum hätte sein Schuldfähigkeit minimiert, so dass man von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit ausgehen müsse. Allerdings sehe er im Gegensatz zur Jugendgerichtshilfe keinen Grund, das Jugendstrafrecht anzuwenden. Wer mit 18 Jahren einen Führerschein erwerbe, wisse, wie man sich im Verkehr zu verhalten habe.
Bei seiner finanziellen Situation als Schüler forderte er eine Geldstrafe von von 20 Tagessätzen zu 20 Euro. Da er bereits fünf Monate ohne Führerschein sei, sollte er noch zwei weitere Monate auf diesen verzichten müssen. Verteidiger Wilhelm hob in seinem Plädoyer auf das umfassende Geständnis, auf die gezeigte Reue und seinen freiwilligen Kontakt zur Betreuungshilfe ab. Er sehe aber die Urteilsfindung im Jugendstrafrecht, ansonsten könne er sich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft anschließen.
Der junge Mann erklärte im Schlusswort, er wisse um seinen Fehler, zumal er zum damaligen Zeitpunkt den Führerschein erst einen Monat hatte. Er hätte seine Grenzen nicht gekannt. Amtsrichterin Jule Jantzen sprach in ihrem Urteil den Angeklagten schuldig und eine Verwarnung aus. Zusätzlich habe er binnen sechs Monaten 60 Arbeitsstunden in einer sozialen Einrichtung abzuleisten. Sie habe sich entschieden nach dem Jugendstrafrecht zu urteilen, weil sie die Fahrt als einmalige Verfehlung betrachte. Strafmildernd sei auch die Aufarbeitung seiner Fahrt gewesen. Er müsse jedoch noch weiter drei Monate warten, bis er die Fahrerlaubnis wieder beantragen könne. Auf die Übernahme der Verfahrenskosten verzichte sie bei seinem Status als Schüler.

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