Geschichten ums Haus Hauptstraße 55 in Oberkirch

Fenster heute ohne Aussicht

Autor: 
red/rüd
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
10. Januar 2014
Frisch restauriert ist das Haus Nummer 55 (r.) in der Oberkircher Hauptstraße. 1691, nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg wieder aufgebaut, gehört es zu den ältesten Gebäuden in der Stadt.

Frisch restauriert ist das Haus Nummer 55 (r.) in der Oberkircher Hauptstraße. 1691, nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg wieder aufgebaut, gehört es zu den ältesten Gebäuden in der Stadt. ©Rüdiger Knie

Geschichte und Geschichtchen lassen sich rund um das Haus Hauptstraße 55 in Oberkirch schreiben, das zu den ältesten in der Stadt gehört. Bei den Restaurierungsarbeiten fand sich beispielsweise ein kleines Fenster in Richtung der benachbarten Greifen-Apotheke.

Das ehemalige Mersihaus in der Hauptstraße 55 ist im vergangenen Jahr umfassend von Rudolf Hans und Roswitha Zillgith saniert worden. Die neuen Eigentümer haben sich in den zurückliegenden Monaten auch mit der Historie des Hauses beschäftigt.
Im September 1689 wurde Oberkirch im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen fast vollständig zerstört. Die Zerstörungen waren katastrophal. Der damalige Oberkircher Amtsschreiber verfasste danach eine »Designation derjenigen Gebäwen so im Ampt Oberkirch in anno 1689 in Zeit die frantzösische Armee darinnen gestanden durch selbige abgebrannt worden«.

Dazu schreiben auch Manuel und Susanne Finner aus Friesenheim auf ihrer Webseite »Baukunst Baden« unter www.badische-wanderungen.de: »Im Pfälzischen Erbfolgekrieg, namentlich am 10. September 1689, ward das arme Oberkirch wie fast alle Ansiedlungen in der (später) badischen Rheinebene planmäßig niedergebrannt (und die Bevölkerung vertrieben)! Das mittelalterliche Oberkirch, es sank dahin, für immer.

Herausragendes Beispiel dieser Kriegstaten ist das zerstörte Heidelberger Schloss. Ein Kerngebiet der Zerstörungen lag um Heidelberg und Mannheim, zu den Randgebieten des Krieges gehörte auch die Ortenau mit den zerstörten Städten Offenburg, Renchen, Oberkirch, Gengenbach. Ein behördlicher Erlass verbot den Wiederaufbau vor dem Frieden von Ryswijk 1697.

Trotzdem bauten einige Oberkircher Bürger ihre Häuser bereits vorher wieder auf. So war man bisher davon ausgegangen, dass die ersten Häuser im Jahre 1696 wieder erstanden. Durch Balkeninschriften ist dies im Gasthaus zur Sonne, der alten Schlosserei Hodapp am Bach, dem Haus Huber in der Gerbergasse und dem »Freche Hus« von Mattis Gebert belegt.

Zerstörung und Aufbau

- Anzeige -

1701 wurde das heutige Amtsgericht durch den Amtmann Johann Evangelista von Bodeck zu Elgau wieder aufgebaut, dessen Vorgängergebäude, von dem die Pläne erhalten sind, gerade ein Jahr vor der Zerstörung errichtet wurde. 1703 folgte das neue Spital in der Löwengasse, 1707 die Gerberei Heermann, während die weiteren Hausbauten überwiegend von 1720 bis 1740 erfolgten. Es hat also fast 50 Jahre gedauert, bis sich die Stadt von der Katastrophe erholt hatte.

Hans-Martin Pillin schreibt im Band I der Oberkircher Stadtgeschichte unter dem Blickwinkel, dass Ludwig XIV.  1701 den Spanischen Erbfolgekrieg vom Zaume brach, unter dem Oberkirch noch einmal zu leiden hatte, die Aufbauleistungen der Oberkircher Bürger in jener Zeit nicht hoch genug zu würdigen sind.

Aus Sicht Zillgiths sei dies denjenigen ins Stammbuch geschrieben, »die als Abriss- und Verdichtungsfanatiker es heute an jeglichem Respekt für die Leistungen unserer Vorfahren und dem Willen zur Erhaltung unserer historischen Altstadt fehlen lassen«. Durch die Restaurierung des Mersihauses sei nun eine noch ältere Inschrift entdeckt worden, nämlich die Jahreszahl 1691, die bisher die älteste nach der Stadtzerstörung darstellt. »FG (Franz Gönner)/ 1691/I.M.V.I. (Jesus, Maria und Josef)« heißt es dort. Bei den Res-
taurierungsarbeiten fand sich ein kleines Fenster in das Gässchen zwischen dem Mersihauses und der daneben liegenden Greifen-Apotheke, was augenscheinlich keinen Sinn macht, wenn man nach 50 Zentimeter Abstand auf die Wand des Nachbarhauses blickt. Die Erklärung erscheint einfach. Das Haus zum Greifen wurde nach bisherigen Erkenntnissen 1734 gebaut. Als der mutmaßliche Erbauer des Mersihauses, Franz Gönner, sein Haus 1691 baute, hatte man bis 1734 freie Sicht in die Hauptstraße und die Kirchgasse, bis diese 1734 zugebaut wurde.

STICHWORT

»Tote Zeit«

Als der frühere Eigentümer des Hauses Hauptstraße 55, Franz Gönner, 1691 wohl ohne Rücksicht auf einen behördlichen Erlass sein Häuschen aufbaute, wurde Innozenz XII. in Rom zum Papst gewählt. Eine seiner vielen Reformen befasste sich mit kalendarischen Fragen. Er war es, der den letzten Tag des Jahres auf den 31. Dezember – benannt nach Papst Silvester I. – und den ersten Tag eines Jahres auf den 1. Januar – als Neujahrstag – verbindlich festlegte. Bis zu diesem Zeitpunkt galt der 6. Januar als Jahresanfang und der 24. Dezember als Jahresende. Die »Zeit zwischen den Jahren« war eine »tote Zeit«.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

Hat ein zweites Leben geschenkt bekommen, Ziegendame „Elli“ wurde von der Schlachtbank gerettet und erfreut sich mit ihrem Nachwuchs „Robert“ und „Carmen“ auf dem Ziegenhof „An der Rench“ in der kleinen Ziegenherde großer Lebensfreude.
vor 13 Minuten
Ziegenhof "An der Rench" in Wagshurst
Der Ziegenhof „An der Rench“ von Klaus Eckstein ersparte „Elli“ aus Ottersweier den Gang zum Metzger. Statt dessen wurde die Zwergziege Mutter zweier gesunder Zicklein.
Das Oberkircher Krankenhaus soll zum 30. September geschlossen und in ein Gesundheitszentrum umgebaut werden.
vor 15 Stunden
Kritik vom Runden Tisch
Die geplante Schließung des Oberkircher Kreisklinikums macht die Sprecher des Runden Tisch Krankenhaus Oberkirch wütend. Sie vermissen ein „funktionierendes Nachfolge-System“.
Die Corona-Pandemie verursachte im Tourismus Kappelrodeck starke Rückgänge.
vor 18 Stunden
Im Gemeinderat
Die Gemeindeverwaltung Kappelrodeck zog in der Gemeinderatssitzung am Montag Bilanz über das erste Corona-Jahr. Der starke Herbst konnte die sonstigen Einbußen nicht mehr ausgleichen.
Den Beschluss der Vorplanung zur Umgestaltung von Rathaus- und Marktplatz in Achern kommentiert Andreas Cibis.
vor 18 Stunden
Kommentar
Der Gemeinderat Achern hat die Vorplanung zur Umgestaltung von Rathaus- und Marktplatz beschlossen, ein Teil der Wilhelm-Schechter-Straße wird für den Verkehr gesperrt. Dazu ein Kommentar.
Mithilfe einer neuen Propellerdruck-Kanone– hier der in Oberachern entwickelte Prototyp – soll Kunstschnee künftig bei Temperaturen bis plus 5 Grad erzeugt werden. Das dürfte den Wintersportlern völlig neue Perspektiven bieten.
vor 19 Stunden
Erfindung aus Oberachern
Dauerschnee möglich? Wintersportler erwarten im Skiurlaub bestens präparierte Pisten mit dicken Schneedecken. Um das auch bei wenig Schneefall zu gewährleisten, gibt es ein probates Mittel: die Erzeugung von sogenanntem „technischen Schnee“ beziehungsweise Kunstschnee.
Mithilfe einer neuen Propellerdruck-Kanone– hier der in Oberachern entwickelte Prototyp – soll Kunstschnee künftig bei Temperaturen bis plus 5 Grad erzeugt werden. Das dürfte den Wintersportlern völlig neue Perspektiven bieten.
vor 19 Stunden
Erfindung aus Oberachern
Kunstschnee bei bis zu plus 5 Grad – das stellt eine neuartige Propellerdruck-Kanone in Aussicht. Entwickelt hat sie ein Tüftler aus Oberachern.
vor 21 Stunden
Bewährtes Konzept in Corona-Zeiten
Die Jugendarbeit der Stadt Rheinau hat ihr digitales Angebot erweitert. Sie setzt damit weiterhin auf Online-Angebote in der Corona-Zeit.
Im August 2016 bewies der VfR Achern beim Benefizspiel der KSC-Traditionsmannschaft, dass er größere Spiele organisieren kann. Heute soll ein Test mit deutschen Altinternationalen stattfinden.
vor 21 Stunden
Bei Spiel von Altinternationalen
Wie kann Fußball mit Sicherheitskonzept und Zuschauern funktionieren? Das testet der DFB im Acherner Hornisgrindestadion.
Die vielbefahrene Autobahn A5 erhält auf Höhe Renchen eine weitere Ausfahrt. Damit soll der überörtliche Verkehr in die Grimmelshausenstadt und weiter in den Schwarzwald besser gesteuert werden.
vor 21 Stunden
Behördenzusage noch nicht offiziell
Darauf hatte die Stadt Renchen schon viele Jahre gedrängt, bislang aber stets erfolglos: Die Grimmelshausenstadt erhält nach Recherchen der Acher-Rench-Zeitung wohl bald einen eigenen, direkten Anschluss an die Autobahn.
Ein Vorfall in einer Asylbewerberunterkunft beschäftigte das Amtsgericht Achern.
vor 21 Stunden
Verfahren vor Amtsgericht Achern
Wegen gefährlicher Körperverletzung muss sich ein 21-jähriger Asylbewerber aus Eritrea verantworten.
Die Wilhelm-Schechter-Straße soll künftig Teil des Rathausplatzes sein und somit nicht mehr als Straße fungieren.
vor 21 Stunden
Gemeinderat stimmt für Vorplanung
Die Weichen sind gestellt: Der Acherner Gemeinderat stimmte am Montag für die Vorplanung zur Neugestaltung von Rathaus- und Marktplatz. Von vier Varianten entschied man sich für das Modell „Tulpenbaum“.
Am Zusenhofener Altensteg entspringt der bei Radfahrern beliebte Marktweg (rechts) Richtung Müllen. Er soll einige Hundert Meter von dieser Stelle entfernt unter der Umfahrung Zusenhofen hindurchgeführt werden. 
vor 21 Stunden
Umfahrung Zusenhofen
Der Oberkircher Gemeinderat lässt an der Umfahrung Zusenhofen am Marktweg eine weitere Radwegunterführung bauen. Die Überzeugungsarbeit hatte auch im Rathaus gefruchtet.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Patrick Kriegel ist Steuerberater und Geschäftsführer.
    09.04.2021
    Steuerberatungsgesellschaft Patrick Kriegel GmbH: Die aktiven Berater und Gestalter
    Die Kanzlei wurde vor 14 Jahren gegründet und besteht mittlerweile aus einem 25-köpfigen Team, das die Mandanten in allen Themen rund ums Steuerrecht und darüber hinaus unterstützt. Im Vordergrund stehen die individuelle Betreuung und Beratung der Mandanten. Dies ist die Philosophie der Kanzlei.
  • Sichern Sie sich Ihr Jeep-Teen-E-Bike zum Aktionspreis mit einer Ersparnis von 650 Euro
    07.04.2021
    Mit Rückenwind ins Frühjahr starten
    Was machen wir in den Ferien? Über dieser Frage grübeln aktuell wohl viele Familien. Eine spannende Alternative zum üblichen Reisen könnten in diesem Jahr Fahrradausflüge mit E-Bikes sein. Mit dem exklusiven Aktionspreis von Baden Online und der Elektro Mobile Deutschland GmbH sind auch die Teens...
  • Nur der Fachmann bietet Raumgestaltung aus einem Guss.
    27.03.2021
    Bester Service Ortenau, März 2021
    Wohnen und Leben bedeutet Individualität in allen Facetten, und das ist am schönsten in einem wertigen Umfeld. Die SCHORN MÖBEL GmbH in Fischerbach ist der ideale Partner fürs Wohnen und Arbeiten, denn der Experte für Holzverarbeitung bietet individuelle, nachhaltige und umweltfreundliche Möbel...
  • Urlaub zu Hause? Mit dem eigenen Pool kein Problem!
    27.03.2021
    Bester Service Ortenau, März 2021
    Machen Sie Ihr Zuhause zur Wellnessoase – mit eigenem Pool oder Whirlpool im Garten, einer Sauna oder Infrarotkabine in Wohnung oder Keller. Egal, welche Pläne Sie schmieden: Herfurth Pool & Co. in Appenweier ist der richtigen Partner.