Amtsgericht Achern

Frau wegen Spuckattacke auf Neffen zu Geldstrafe verurteilt

Autor: 
Edgar Gleiss
Lesezeit 3 Minuten
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12. September 2019
Weil sie ihren Neffen bespuckt hatte, musste sich eine 69-jährige Frau vor dem Amtsgericht verantworten. Nicht das erste Mal saß sie hier auf dem Anklagestuhl.

Weil sie ihren Neffen bespuckt hatte, musste sich eine 69-jährige Frau vor dem Amtsgericht verantworten. Nicht das erste Mal saß sie hier auf dem Anklagestuhl. ©Archivfoto: Andreas Cibis

Zu einer Geldstrafe von 55 Tagessätzen zu 25 Euro verurteilte Richter Thomas Röber am Dienstag eine 69-jährige Frau aus Achern. Diese hatte in einer Auseinandersetzung ihrem Nachbarn und Neffen ins Gesicht gespuckt und stand nicht das erste Mal vor Gericht. Das nächste Mal laufe es auf eine Freiheitsstrafe hinaus, warnte sie der Richter.

In ihrer Anklageschrift erläuterte die Staatsanwältin, dass es an einem Juninachmittag zwischen der Angeklagten und ihrem Neffen zu einem Streit kam, in dessen Verlauf sie diesem ins Gesicht gespuckt hätte. Dies entspräche einer Beleidigung, die zu ahnden sei. Die Angeklagte widersprach diesem Vorwurf; sie habe nie gespuckt, vielleicht wäre es eine feuchte Aussprache gewesen, da sie im Mund Implantate habe. 
Massiv beleidigt?

Ihr Gegenüber habe sie massiv und auf obszöne Weise beleidigt und sie als Alkoholikerin bezeichnet, erklärte die Frau. Nach dem Wortwechsel sei sie Richtung eigenes Haus gegangen. Eigentlich wollte sie nur zu ihrem Auto laufen, weil sie ihren Geldbeutel vergessen hätte. Jedes Mal, wenn sie zu ihrem Auto ginge, würde der große Hund des Kontrahenten bellen, was sie maßlos ärgere. Dass sie auf diesem Weg mit einem anderen Nachbarn an diesem Tag eine lautstarke Diskussion hatte, führte den Geschädigten dazu, so seine Aussage im Zeugenstand, jenem zu helfen. Er wollte, dass die Angeklagte diesen in Ruhe lasse. Daraufhin habe sie ihm mitten ins Gesicht gespuckt. 

Wie die Frau erklärte, habe der Mann sie daraufhin gefragt: »Bist du noch sauber?« Die von der Angeklagten genannten Schimpfwörter habe er nie gesagt. Dies wurde auch vom Nachbarn im Zeugenstand so bestätigt. Er müsse immer wieder von ihr Vorwürfe anhören, wolle aber mit ihr nichts zu tun haben. Auf jeden Fall habe er von seinem Hof aus gesehen, wie sie ihrem Neffen ins Gesicht gespuckt habe. 

Auch ein weiterer Zeuge, den die Angeklagte als abhängig bezeichnete, da er bei ihrem Kontrahenten beschäftigt ist, bestätigte den Spuckvorfall. Er stellte heraus, dass es keine feuchte Aussprache gewesen sei, sondern eine Spuckattacke, zu der sie noch auf die Fußspitzen gestanden sei. Thomas Röber appellierte an die Angeklagte, ein Geständnis abzulegen, was zu einem milderen Urteil führen könne, denn die Zeugenaussagen seien eindeutig. 

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In der folgenden kurzen Pause einigten sich Rechtsanwalt Tobias Schach und seine Mandantin auf das Eingestehen des Tatvorwurfs. Allerdings schränkte die Angeklagte das Ganze auf ihre feuchte Aussprache ein. Nachdem der Amtsrichter die vorliegenden Eintragungen der Angeklagten verlesen hatte, die allesamt aus den Streitigkeiten mit ihrem Nachbarn resultierten und wegen Beleidigungen, Sachbeschädigung und Körperverletzung seit 2018 zu Stande kamen, forderte die Staatsanwältin aufgrund der Zeugenaussagen eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu 40 Euro und die Übernahme der Verfahrenskosten. 

Nicht mildernd

Tobias Schach betonte in seinem Plädoyer, dass seine Mandantin die Tat gestanden hätte und darum auch ein milderes Urteil erhalten sollte. Sie habe bei ihren Anzeigen nie die notwendige Unterstützung erhalten, da sie alle zu einer Einstellung geführt hätten.  Thomas Röber sprach die Angeklagte schuldig, relativierte jedoch das Eingeständnis als vermeintlich und deshalb als nicht mildernd. Er habe den Tagessatz gegenüber der Forderung der Staatsanwältin um 10 Tage erhöht, die Kosten hierfür aber aufgrund der Einkommensverhältnisse der Frau auf 25 Euro fixiert. 

Mit mahnenden Worten forderte der Amtsrichter, diese Streitigkeiten einzustellen und sich in professionelle Behandlung zu begeben.

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