Achern

Frieden ist auch in Achern keine Selbstverständlichkeit

Autor: 
Roland Spether
Lesezeit 3 Minuten
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02. Mai 2017

Das Bild zeigt Referentin Barbara Henze mit Oberbürgermeister Klaus Muttach und Patrik Schneider (links), der den Vortrag ermöglichte. ©Roland Spether

»Wir könnten uns doch gegenseitig die Geschichten erzählen, wie aus den Erbfeinden Deutschland und Frankreich Freunde wurden«. Eine interessante These, die Barbara Henze von der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg in ihrem Vortrag zur Veranstaltungsreihe der Stadt »Sieben Jahrzehnte Frieden am Oberrhein« vertrat. Mehr noch, denn die Theologin und Historikern setzte auf das Prinzip Hoffnung, dass dies der moderne und realistischere Weg zum Frieden sei, als etwa auf die Sprache der Waffen zu setzen.
Der beste Beweis
Den historischen Beweis erbrachte sie damit, dass in den vergangenen 70 Jahren das geschafft wurde, was für die Vorfahren undenkbar war. Denn ab 1870 wurden in einem Zeitraum von siebzig Jahren drei Kriege geführt, in denen gerade die Menschen in der Grenzregion entlang des Oberrheins hart getroffen wurden. Doch nach 1945 begann eine andere Zeit. Die Geschichte Deutschlands und Frankreichs im Herzen Europas sei dafür der beste Beweis.  
»Die Stadt Achern will Zeichen setzen und eintreten für ein friedvolles Miteinander der Menschen beidseits des Rheins«, so Oberbürgermeister Klaus Muttach. In dieser Intention finden einige Veranstaltungen statt, um Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wertvoll der Friede ist.
Nun fand im Festsaal der Illenau dank der Vermittlung von Patrik Schneider ein sehr interessanter Vortrag von Barbara Henze statt zum Thema »Frieden - durch Waffen allein nicht zu schaffen. Die Verantwortung der Brückenregion Oberrhein«. Wie Klaus Muttach deutlich machte, sei gerade die Illenau der beste Beleg dafür, »wie aus Feinden Freunde wurden« und dass die »Brücke« von Frankreich und Deutschland gerade auch in der Ortenau bestens funktioniert.
Dies konkretisierte die Referentin an Persönlichkeiten wie Josef Schofer, Robert Schumann, Albert Schweizer oder christlichen und ökumenischen Initiativen wie die des Gründers von Taizé, Roger Schütz oder dem Bau des Bühler Friedenskreuzes. 
»Wann wird dein Rauschen guter Vater Rhein zur Friedensmelodie werden, wie wird dies gehen?« Der Bühlertäler Priester und Zentrumspolitiker Josef Schofer schrieb dies 1930 und veröffentlichte im »Konradsblatt« ein Tagebuch über seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg und bei der Friedenskonferenz mit französischen Bürgern 1923 in Freiburg. Solche ganz konkreten Initiativen von lokalen Persönlichkeiten machten den besonderen Akzent dieses sehr fundierten Vortrages von Barbara Henze aus.
Lage wurde brenzlig
»Oft stellte ich mir auf den Heldengräbern die Frage, soll es so weiter gehen. Müssen sich Deutschland und Frankreich hassen, sollen Menschenopfer weiterhin auf dem Altar einer solchen Politik dargebracht werden«. Er schrieb dies deshalb, weil die Lage »brenzlig« wurde und die NSDAP in Baden zunehmend Punkte in der Feindschaft gegenüber Frankreich machte. 
Die Leute damals dachten, die Franzosen seien schuld, dass es ihnen schlecht gehe: »Es haben damals die NSDAP gewählt, die etwas zu verlieren hatten und nicht die, die nichts oder wenig hatten«. Dies wurde dann Bestandteil der NSDAP-Propaganda, die ganz gezielt dieses wirtschaftliche Problem aufgriff und damit den Hass schürte. Die Anklänge an heutige Hasstiraden waren nicht zu überhören.

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