Der "Thoma des Saschwaller Tales"

Gedächtnisausstellung an Conrad Kayser in Sasbachwalden

Autor: 
Roland Spether
Lesezeit 3 Minuten
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18. Februar 2019

Die Menschen nannten Conrad Kayser den »Thoma des Saschwaller Tales«. Vor 65 Jahren verunglückte er mit einem Bild unter dem Arm in Achern. Links ein Bild vom Murberg mit Ulrich Kayser, Valentin Doll und Willy Scheurer. ©Roland Spether

Der Kunstverein Conrad Kayser widmete dem »Thoma des Saschwaller Tals« eine große Ausstellung im Kurhaus »Zum Alde Gott«, die eine Gedächtnisausstellung an den 1954 in Achern verunglückten Maler und eine Premieren-Ausstellung ist. 
 

 »Ich war oft mit meinem Onkel Conrad Kayser unterwegs, wenn er hinaus in die Natur ging und dort malte«. Noch sehr genau erinnerte sich Ulrich Kayser, der letzte Neffe des Malers und Ehrenbürgers von Sasbachwalden, an seinen Onkel, der in der Illenau geboren wurde, im Haus Felseneck wohnte, vor 65 Jahren starb und dank seiner Kunst unvergessen und »lebendig« ist. 

Das Besonderes an der Ausstellung in Sasbachwalden ist: Viele Bilder mit Motiven rund um die hiesigen Täler und Orte sind Leihgaben von Privatpersonen und werden erstmals öffentlich gezeigt, wofür sich der Vorsitzende Valentin Doll bei allen Leihgebern bedankte, besonders bei den Organisatoren um Willy Scheurer und der Gemeinde und deren Bauhof für die gute Unterstützung.

 
Den feinen musikalischen Farbtupfer der Vernissage setzte das Hornquartett der Musik- und Kunstschule mit den Hornisten Dominik Kist, Johannes Noss, Cedric Nosko und Arno Venter. Die über 100 Gäste mit Bürgermeisterin Sonja Schuchter freuten Valentin Doll sehr, bestätigte diese Resonanz die Bedeutung von Conrad Kayser (1880 – 1954) und dessen künstlerisches Können. »Den Saschwallern wurde der Kayser-Moler zu einem der Ihren«, so Valentin Doll, und dies zeige sich in der engen Verbundenheit mit den Menschen, deren Leben und Arbeiten und der Natur am Fuße der »Grinde«. 

Aspekt der Weite

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Viele der ausgestellten Bilder lenken den Blick des Betrachters in die Ferne, hinunter in ein Tal, hinaus in die Ebene, hinauf in den Himmel. Dieser Aspekt der Weite, sehr natur- und heimatverliebt eingefangen und in bunten Farben festgehalten, ist ein Kennzeichen der Arbeiten, an denen sich der Betrachter gar nicht satt sehen kann. 

Wovon das Mädchen mit blauem Trägerkleid und blonden Zöpfen gerade träumt, verrät das Bild »Blick ins Tal« nicht. Aber der ausschweifende Blick bis hinein in die Rheinebene lässt erahnen, dass junge Leute Anfang des 20. Jahrhunderts und in den heraufziehenden Kriegs- und Notjahren viele Träume hatten. So sind auf den farbenfrohen Frühlingsbildern auf der Brandmatt und am Breitenbrunnen teils schemenhafte Menschen zu sehen, die immer wieder hinunter in die Ebene blicken. Vielleicht auch deshalb, weil das Leben hoch oben auf den Bauernhöfen sehr beschwerlich war, die Menschen tagein und tagaus für ihr Brot hart arbeiten mussten und die Kinder einen langen Fußweg in Schule und einen noch längeren hinauf auf den Berg hatten. Deshalb gewähren die Bilder von Conrad Kayser wie das Bild »Blick über den Murberg« auch einen Blick zurück in eine Zeit, in der Frauen mit Sensen in der Hand saftige Wiesen in Steillage mähten und Heu machten. 

Tragischer Tod

Ein Laufer Ratschreiber hatte Conrad Kayser als »Malerdichter des Acher- Laufbach- und Sasbachtales« bezeichnet: »Er hat dieses Land nicht nur studiert, sondern hat sich in dieses hinein geliebt«. Deshalb war es mehr als tragisch, dass er mit einem Bild vom Murberg unter dem Arm am 20. Februar 1954 in Achern direkt vor ein Motorrad lief. »Ich bin schuld« waren seine letzten Worte und vier Tage später trug man ihn zu Grabe.
▸ Die Bilder sind  bis zum 24. Februar mittwochs, freitags und samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.   

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