Oberkirch

Gesundheitsprojekt für Flüchtlingsfrauen startet

Daniel Wunsch
Lesezeit 4 Minuten
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07. Mai 2015

(Bild 1/2) Heilsames Singen mit Andrea Strauß (rechts) ist eines von vielen Angeboten des »RAuS«-Projekts für Flüchtlingsfrauen. Diese ­sollen dabei die Möglichkeit bekommen, Selbstvertrauen zurückzugewinnen. ©Daniel Wunsch

Einmal im Monat wird das Amphoritas-Zentrum in Oberkirch zum Treffpunkt für alle Frauen, die wegen ihrer Fluchterfahrungen häufig unter Traumata leiden. Mit dem Projekt »RAuS!« soll ein erster Schritt zu ihrer Gesundung geleistet werden.

Das Thema ist aktueller denn je: »Vor allem Frauen leiden an den Folgen der Flucht, dem Verlust ihrer Heimat. Viele haben Gewalt und Missbrauch erfahren, sitzen nach ihrer Ankunft im fremden Land in ihren Zimmern fest und kümmern sich vorwiegend um die Kinder. Begegnungen finden dabei fast ausschließlich in den Wohnheimen statt«, erklärt Eva Woelki. »Der Gang zum Arzt ist zum Dauerthema geworden.« Die Belastungen, die kulturelle Unsicherheit und vieles mehr führen zu verschiedenen Krankheitsbildern: So leiden viele Frauen unter Depressionen, Schmerzen oder Traumata. »Die meisten Flüchtlinge nehmen Medikamente aufgrund psychosomatischer Probleme. Bei dem, was die Menschen erlebt haben, ist das kein Wunder.«

Um diese Situation zu verbessern, sei bei einer Sitzung des Vereins »Paula« die Idee gereift, eine Art Gesundheitsprojekt für und mit Flüchtlingsfrauen und Migrantinnen zu schaffen. Denn: »Nur starke Mütter haben starke Kinder«, erklären Eva Woelki und Dagmar Manz. Von Anfang an ging alles Schlag auf Schlag: »Wir haben den Ansatz unseres Vereins: Produktive Auseinandersetzung und lebendige Anstiftung aufgenommen und haben Helga angestiftet«, sagen die beiden. Damit ist Helga Fischer, Inhaberin des Seminarzentrums Amphoritas, gemeint, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt: »Ich war sofort Feuer und Flamme für das Projekt.« 

Finanzierung über Spende
Die Finanzierung war auch schnell geklärt: »Die Oberkircher Firma KIWI Automations GmbH um Christoph Welle hat uns 1500 Euro für das Frauenflüchtlingsprojekt zu Weihnachten gespendet«. Allen Beteiligten war klar, dass die Frauen von Anfang an mit ins Boot geholt werden, damit sie ihre Wünsche direkt aussprechen können. »Unser Grundprinzip war, nicht immer nur für Flüchtlinge, sondern auch mit ihnen etwas auszuarbeiten – auf Augenhöhe.« Und so wurden Fikreta Mehmeti und Susan Dawod, selbst oder ehemalige Asylbewerberin, gefragt: »Was wollt Ihr?« Und da kam wie aus der Pistole geschossen: »Einfach mal raus!« Somit war der Name »RAuS!« geboren – Regenerieren (Raum und Zeit für mich), Austauschen (erzählen, lachen, zuhören) und Seele baumeln lassen (Tanzen, Singen, Meditieren, Bewegen).

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»Die Frauen stärken ihr Selbstvertrauen, ihre Körperwahrnehmung und lernen Entspannungstechniken kennen. Gleichzeitig findet im Austausch das Lernen der deutschen Sprache statt. Das gibt Energie.«
Immer am dritten Sonntag im Monat treffen sich die Frauen für einige Stunden. Die Seminarleiterinnen des Amphoritas-Zentrums sind Gudrun Herold, Andrea Strauß, Sonja Maier und Daniela Gißler. Sie bieten Tänze, heilsames Singen und Yoga an. Im Anschluss gibt es bei einem Imbiss Zeit für Gespräche.

20 Frauen beteiligt
Seit Februar hat das Projekt »RAuS!« bereits dreimal stattgefunden und erfreut sich großer Beliebtheit, bis zu 20 Frauen aus Oberkirch waren dabei und hatten viel Spaß einmal ganz ohne ihre Männer und Kinder. Das Thema Augenhöhe muss sich jedoch noch entwickeln: »Es ist einfach noch nicht selbstverständlich, dass die Frauen alleine in die Stadt gehen. Wenn sie Vertrauen zu uns aufgebaut haben, dann genießen sie es, sich einmal um nichts kümmern zu müssen. Am Anfang waren viele noch schüchtern, dann haben jedoch alle aktiv mitgemacht.«

Bis Jahresende seien die Termine festgelegt. Und es gebe noch weitere Pläne: Um die Gemeinschaft zu stärken, habe man die Idee, das Angebot möglicherweise um Gesundheitsabende, Koch-, Näh- oder Kreativkurse zu erweitern. Wenn sich die Gruppe stabilisiert hat, seien auch Ausflüge mit Wanderung und Picknick eine Idee. Ein »Krafttankwochenende« mit Übernachtung wäre der »Knüller«, sagt Dagmar Manz. Und Eva Woelki ergänzt: »Dann würden die Frauen wirklich rauskommen!«
Kontakt: evawoelki@online.de oder • 07802/50850.

Hintergrund

Medizinische Versorgung

Die gesundheitliche Versorgung von Menschen im Asylverfahren ist auf akute Erkrankungen  und Schmerzzustände beschränkt. Gerade im Bereich der Zahnheilkunde und chronischer Krankheiten besteht kein Anspruch auf die notwendige Behandlung, wenn diese verschoben werden kann. Für jeden Besuch beim Arzt bekommen die Flüchtlinge einen Kranken-, beziehungsweise Berechtigungsschein vom Landratsamt ausgehändigt, mit dem sie vom Hausarzt zu Fachärzten überwiesen werden. wun

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