Bald soll es wieder losgehen

Gläubige vermissen Messe in Antoniuskapelle Oberachern

Autor: 
Michaela Gabriel
Lesezeit 3 Minuten
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08. August 2020

Ein Ort des Glaubens für Menschen aus der Region ist die Antoniuskapelle in Oberachern. Die Antoniusmesse am Dienstagmorgen findet ab 1. September wieder statt. Wegen der vorgeschriebenen Abstände muss sie in die Pfarrkirche Oberachern verlegt werden. ©Michaela Gabriel

Seit fast 60 Jahren feiern Gläubige dienstagmorgens in der Antoniuskapelle in Oberachern eine Messe – bis Corona kam. Im September soll es wieder los gehen, allerdings an anderem Ort.

Das Coronavirus hat in Oberachern eine sehr lange Tradition unterbrochen. Seit 1961 wurde in der Antoniuskapelle jeden Dienstag Eucharistie gefeiert. Im März war damit Schluss. Mehr als 100 Gläubige, meist Stammgäste, mussten auf ihre lieb gewordene Gottesdienstzeit um 8 Uhr verzichten.

Jetzt hat die katholische Seelsorgeeinheit beschlossen, dass die beliebte Messe weitergehen soll – trotz Corona-Beschränkungen. „Mit den jetzigen Abstandsregeln könnten gerade mal zehn Personen an einer Messe in der Kapelle teilnehmen”, erklärt Vikar Manuel Gärtner. Deshalb werde er bei der Wiederaufnahme der Tradition jeden Dienstagmorgen um 8 Uhr in die Pfarrkirche St. Stefan in Oberachern ausweichen: „Am 1. September geht’s los.”

Heiliger zieht an

Es sind also nur noch wenige Wochen bis zum Neustart nach gut fünf Monaten. Zu Ehren des Heiligen Antonius von Padua wurde die Kapelle beim Oberacherner Friedhof vor 256 Jahren errichtet. Schon um 1700 soll an gleicher Stelle eine Kapelle aus Holz gestanden haben, 1750 wurde ein Ersatzbau geweiht und 1764 das heutige Bauwerk. So hat es Reiner Vogt von der Arbeitsgruppe Dorfgeschichte des Heimat- und Verschönerungsvereins recherchiert. Der Heilige übt in Oberachern also schon seit mehr als 300 Jahren eine besonders Anziehungskraft aus.

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„Viele Menschen besuchen die Kapelle, um ihre Anliegen zu Gott zu bringen und bitten den Heiligen Antonius um Unterstützung. In den Gottesdiensten hier ist eine sehr dichte und gläubige Stimmung zu spüren”, sagt Mesnerin und Sprecherin des Gemeindeteams, Kerstine Bohnert. Die Kapelle sei „ein Ort des Glaubens” und daran habe Corona nichts geändert. Täglich kämen Besucher, um alleine Zeit dort zu verbringen. „Ich habe schon junge Mütter mit ihren Kindern getroffen und viele weinende Menschen.”

„Der Antonius hat mir schon so viel geholfen”, bestätigt eine Oberachernerin, die jeden Dienstag die Messe besucht hat. Seitdem sie nicht mehr stattfinde, fehle ihr etwas. Sobald es die Messfeier wieder gebe – auch wenn sie in der Pfarrkirche stattfinde – werde sie hingehen.

Kerze angezündet

„100-prozentig sind da viele wieder da”, sagt ein älterer Herr aus dem Dorf. In der Zeit ohne Gottesdienst am Dienstagmorgen habe er in der Kapelle hin und wieder ein Kerze angezündet und in der Natur Kontakt zum Schöpfer gesucht. Weiterhin habe er Dienstagmorgens Brötchen vom Bäcker geholt – diese Tradition habe Corona nicht unterbrochen. Eine Messe vor der Kapelle im Freien wäre schön, wünscht er sich und ist etwas skeptisch bei Gottesdiensten mit großem Ab-stand: „Mal sehen, wie es wird in der Pfarrkirche.”

Ein Ehepaar aus dem Ort war seit März gar nicht mehr in einer Kirche, sondern schaut sich seitdem Gottesdienste im Fernsehen an. Die Gesundheit werde es wohl nicht mehr erlauben, wieder jede Woche hinzugehen, sagen sie. Doch die Antoniusmesse besuchten nicht nur alte Menschen. „Zu-nehmend kamen auch Jüngere regelmäßig und das aus der ganzen Region”, weiß Kerstine Bohnert. Ein pensionierter Lehrer fuhr jede Woche aus Ottenhöfen an und war längst nicht der einzige aus dem Achertal. „Da ist jetzt Dienstagmorgens ein Loch”, sagt er und will auch wiederkommen: „Das in der Pfarrkirche zu machen, ist in Ordnung.”

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