Achern/Sasbach

"Gurki": Rätsel um kurioses Gurken-Begräbnis ist gelüftet

Roland Spether
Lesezeit 4 Minuten
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17. Juni 2016
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Das Mysterium um das Begräbnis von „Gurki“ ist gelöst. Die „Waldkinder“ vom Tagesheim der Heimschule Lender hatten eine kreative Idee zur Entsorgung der letzten Gurke im Glas. ©Roland Spether

»Älterer Mann beerdigt verschimmelte Gurke«, titelte die Mittelbadische Presse vor einer Woche. Die kuriose Polizeimeldung über das skurrile Begräbnis von »Gurki« rief riesiges Interesse auf den Online-Plattformen unserer Zeitung hervor und machte national Schlagzeilen. Nun erzählen wir die Geschichte dahinter.

Der Gurki-Begräbnisfall ist aufgeklärt. Es handelte sich um den harmlosen Scherz einer Schülergruppe von der Heimschule Lender. Der ältere Mann, den die Zeugin bei dem Gurkengrab gesichtet und der Polizei gemeldet hatte, war rein zufällig vor Ort und hatte mit der Gurke überhaupt nichts zu tun. Patrick Bergmann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg legte den jungen Bestattern ans Herz: »Wenn ihr wieder eine kreative Idee habt, dann überlegt sorgsam, ob sie anderen Menschen nicht Angst und Schrecken einjagt«.

Doch alles schön der Reihe nach – was war geschehen?

Laut einer Polizeimeldung vom 10. Juni hatte eine Frau am Abend zuvor gegen 21 Uhr die Polizei alarmiert, nachdem sie einen älteren Mann beobachtete, wie der offensichtlich etwas zwischen Bäumen vergrub und sich dann wieder entfernte. Die Frau wählte den Notruf, denn sie erschauderte vor dem, was sie sah: Ein kleines Grab mit einem Holzkreuz. Nach dem Absetzen des Notrufs schickte die Polizei eine Streife. Die Polizisten inspizierten den vermeintlichen Tatort, exhumierten und öffneten behutsam eine kleine Holzkiste und trauten ihren Augen nicht. Denn darin lag eine kleine, verschimmelte Gurke. Auf einer handschriftlichen Grabbeigabe stand der Name "Gurki". Die Polizisten entsorgten das dahin geschiedene Gemüse und setzten ihre Streife fort.

Jetzt zeigt sich aber: »Täter« war nicht der ältere Mann, sondern eine Schar fröhlicher Kinder vom Tagesheim der Heimschule Lender. Dort wird Schulkind- oder Hausaufgabenbetreuung nicht nur für Lenderschüler angeboten. Eine Gruppe Buben geht jeden Donnerstagnachmittag in den Illenauer Wald. Der neunjährige Leander aus Obersasbach gehört dazu, er hatte die Idee zu dem Begräbnis.

Gurki schaffte es bis nach Berlin

»Wir sind die Waldkinder, die jeden Donnerstag zum Spielen in den Wald gehen«, erzählen die Erzieherinnen Christiane Schnurr und Sabine Zink. Sie waren auch an besagtem Donnerstag vor einer Woche dabei und können sich den Medienrummel eigentlich nicht wirklich erklären. Die Meldung vom Gurkenbegräbnis erreichte selbst große Zeitungen in Berlin.

Das später vergrabene Essiggürk­lein fristete zuvor ein trauriges Dasein in einem einst randvollen Glas in der Küche des Tagesheims. Irgendjemand hatte zudem Seifenlauge in das Glas mit der übrig gebliebenen und auch noch angebissenen Gurke geschüttet – offensichtlich ein Streich. Jedenfalls sah die Gurke leicht mumifiziert aus, berichten die jungen Gurkenexperten im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse.

Leander erzählt von seiner Blitzidee: »Ich wollte die Gurke im Wald begraben, einfach so, und dann kam eben die Beerdigung zustande.« Philipp, Jannik, Maurice und die anderen »Waldkinder« waren begeistert und bauten die Idee aus. »Wir sind halt Jungs, wenn einer die Idee für Blödsinn hat, dann machen alle mit«, sagt Maurice.

Leander baute die Holzkiste, andere fertigten ein kleines Kreuz und ritzten als Inschrift ein: »Gurke Gurki vom 2.6. bis 9.6.2016«. Nach einem lustigen Trauerzug inklusive fachgerechter Bestattung wurde »Gurki« an jenem Donnerstagnachmittag unter die Erde gebracht. Abends dann kam die Zeugin an die »Grabstätte« und brachte einen zufällig vorbeilaufenden älteren Mann damit in Verbindung – und alles nahm seinen Lauf.

Den guten Rat von Polizist Bergmann wollen die Kinder beherzigen. Schließlich könnte dies nicht die letzte kreative Idee in ihren Köpfen gewesen sein.

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Soziale Netzwerke feierten die kuriose Meldung

Auch in den sozialen Netzwerken wurde die Meldung des Offenburger Polizeipräsidiums zu einem Phänomen. Dutzende Kommentare gingen über Twitter, Facebook und Co. ein. Eine Auswahl:

 

 

Patrick Bergmann, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Offenburg legte den jungen "Bestattern" auf Nachfrage ans Herz: "Wenn ihr wieder eine kreative Idee habt, dann überlegt sorgsam, ob sie anderen Menschen nicht Angst und Schrecken einjagt".

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