Rheinau-Hausgereut

An Hauß kommt keiner vorbei

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 3 Minuten
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16. Januar 2016
In Hausgereut – hier die St. Nikolaus-Kapelle von 1288 als Wahrzeichen des kleinsten Rheinauer Stadtteils – kommt der Familienname Hauß am häufigsten vor. Von den 230 Einwohnern tragen ihn aktuell 19.

(Bild 1/2) In Hausgereut – hier die St. Nikolaus-Kapelle von 1288 als Wahrzeichen des kleinsten Rheinauer Stadtteils – kommt der Familienname Hauß am häufigsten vor. Von den 230 Einwohnern tragen ihn aktuell 19. ©Archivfoto: Ellen Matzat

Wer sich für die Hausgereuter Geschichte interessiert, wendet sich am besten an den Verein »Dorfgemeinschaft Hausgereut«. Hier kennt man nicht nur den gängigsten Familiennamen, sondern weiß auch einiges über dessen Historie im Dorf zu berichten.

Die ersten in Hausgereut erwähnten Namen waren um 1550 Sulzberger, Hottel und Kaiser, wie die Vorsitzende Helga Schley vom Verein Dorfgeschichte Hausgereut sowie Schriftführer Walter Manßhardt zu berichten wissen. Von den Sulzbergers leben derzeit noch zwei im Dorf. Von 1851 bis 1876 war Friedrich Sulzberger Bürgermeister von Hausgereut. 

Von den Hottels gibt es niemanden mehr. In ihrem Anwesen wohnt heute Kurt Kaiser. Die ersten hier ansässigen Kaisers wohnten in dem Gehöft der jetzigen Edelbranntweinbrennerei Friedrich Kaiser. Damals gründete dieser eine Likörfabrik und eine Branntweinbrennerei, die heute von Ur-Enkel Bernd Görig geführt wird. Alle jetzigen Kaisers brennen Schnaps. Dazu gehörte der Ur-Ur-Großvater von Helga Schley (geborene Kaiser), Georg Jakob Kaiser I (1827 bis 1889); er war gebürtiger Bischemer und heiratete Barbara Sulzberger aus Hausgereut. Sie wohnten nach der Hochzeit in dem umgebauten Wohnhaus der jetzigen »Kaiser Edelbrände«. Deren Sohn, Helga Schleys Ur-Großvater Georg II, erwarb ihr Elternhaus von Bürgermeister Friedrich Sulzberger. 

Erster Lacker kam 1703

Um 1703 wanderte Daniel Lacker als erster Lacker und Vorfahre aller Lackers in Rheinau nach Hausgereut ein. Auch der damalige sogenannte Wunderheiler Daniel Lacker aus Memprechtshofen kam aus Hausgereut. Seit 1880 ist der Name Hauß im Dorf heimisch – und heute mit 19 Personen, die diesen tragen, der gängigste in Hausgereut. Von 1891 bis 1899 war Gustav Hauß Bürgermeister von Hausgereut, von 1920 bis 1945 Georg Hauß und von 1956 bis 1969 Sohn Georg Hauß II; er führte den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern weiter. 
In der nächsten Generation trat Sohn Günter Hauß mit Frau Annemarie in die Fußstapfen; deren Sohn Herbert Hauß mit Frau Heike verwaltet heute den Hof. Tochter Bianca Hauß gewährt als Landwirtschaftsmeisterin den Fortbestand des Unternehmens. Der Bruder von Günter Hauß, Harald Hauß, gründete 1965 die Hauss-Transporte, die es heute aber nicht mehr gibt. Der jüngere Bruder von Günter Hauß, Helmut Hauß, war über 30 Jahre lang Feuerwehrkommandant. Dieses Amt hat heute sein Sohn Markus Hauß inne. Die Töchter von Günter und Annemarie Hauß sind heute Vorsitzende zweier Bischemer Vereine: Renate Hauß im Kirchenchor, und Gerlinde Sauer (geborene Hauß) leitet die Jungmusiker des Musikvereins. Manfred Hauß, Sohn von Harald und Paula Hauß, ist Vorsitzender der »Rotkäppchen«, sein Schwiegersohn leitet den Männergesangverein. 

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Stetig ausgewandert

Von 1969 bis 1972 war Friedrich Scherwitz der letzte Bürgermeister vor der Eingemeindung. Seine Vorfahren hießen »Sanschie«, eine alteingesessene Familie, von der Teile 1845, 1854 und 1857 in die USA auswanderten. Familie Scherwitz betrieb von 1929 bis 1956 eine Zementdachziegelfabrik.

Katharina und Karl Stein waren eine der ersten Familien, die in das Gewann Sommerfeld zuzogen. Sohn Armin war einer der Gründungsmitglieder der Rotkäppchen Blech-Bänd. Als Hausgereuter Buben spielten er, sein Bruder Jürgen, Herbert Hauß, Harry Hauß, Claus Kaiser und ein paar Freunde ihrem Besuch aus Amerika ein Ständerle. Der begeisterte Onkel aus Amerika schickte rote T-Shirts und Kappen mit dem Emblem Wolf und Rotkäppchen, damit sie einheitlich aussehen würden die sind bis heute geblieben. Ruhsi ist kein Hausgereuter Name, die Familie der gleichnamigen Schreinerei ist aus Rheinbischofsheim zugezogen. 

Hausgereut ist vor allem für seine St.-Nikolaus-Kapelle von 1288 weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. 1991 wurde sogar unter Mitwirkung der Feuerwehr im Kirchel und auf dem Sulzberger Anwesen der Tatort »Tod im Hächsler« gedreht.

Stichwort

Bedeutung

Der Name Hauß deutet auf ein Amt als Verwalter eines Anwesens hin, während Stein auf die Lage der Wohnstätte an einem Fels oder Stein hinweist. Für die Deutung des Namen Kaiser stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung: ein Bediensteter eines hohen Herrn, ein Angeber oder eine Rolle bei einem Volkstheaterstück. Scherwitz könnte von scheren kommen, während Lacker auf eine Wohnstätte an einer Lache, Pfütze oder Tümpel hindeutet. em

Hintergrund

Häufigste Namen

Die aktuell häufigsten Namen in Hausgereut, mit 230 Einwohnern kleinster Stadtteil in Rheinau, sind 
1. Hauß (19 Personen) 
2. Kaiser (acht)
3. Rushi (sieben)
4. Stein (sieben) em

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