Kustall Freistett

Heinz Klever: frecher und zugleich geistreicher Humor

Autor: 
Regina de Rossi
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
12. Februar 2019

Kabarettist Heinz Klever gastierte am Freitag im Kustall in Freistett. ©Regina de Rossi

Heinz Klever kam als Neuling in den Freistetter Kustall. Liebhabern der Leipziger Pfeffermühle ist er hingegen bestens bekannt, denn seit 15 Jahren gehört er fest zum Ensemble. 
 

Heinz Klever ist ein blitzgescheiter Zeitgenosse, der es versteht, die Dinge um ihn herum genauestes zu analysieren, um dann alles auf den Punkt zu bringen. Sein Tipp zum aktuell konsumierten Zeitgeschehen: »Wer immer mit dem Schlimmsten rechnet, hat immer eine gute Zeit!«  

Auch eine Möglichkeit, mit all dem umzugehen, was Politik und Wirtschaft so anstellen. In einer Zeit, in der man immer durchsichtiger wird. Wie hat man doch den sensiblen Datenverwaltern vertraut, doch: »Seit Snowden sind wir klüger«, weiß  Heinz Klever und erinnert sich, dass man in den DDR-Zeiten den Spitzel noch erkannt hat, denn: »Er besaß einen Fernseher und Pornohefte!« 
Einen Gang zurück

Heinz Klever redet über Gott  und die Welt. Dies in einem Tempo, das durchaus Mühe machte, mitzukommen. Spürbar gewohnt, vor einem großen Publikum zu stehen, musste er hier tatsächlich einen Gang zurückschalten und dies tat er nach der Pause mit Bedacht. 

- Anzeige -

Aber da sind eben auch die vielen Sachen, die einem durch den Kopf marschieren. »Die Polen«, so weiß er, »sie werden immer kleiner, äh, ich meine die Pole«, verbessert er sich und fragt: »Aber, sind die nicht morgen schon Schnee von gestern?«  
Da entrüste ihn die Tatsache weitaus mehr, dass Holland in 20 Jahren von den Meeren überspült werde. »Und dann kommen sie auf ihren Holzbooten und mit ihrem Käse und ihren Wohnwagen. 17 Millionen Holländer!« , das ist für Heinz Klever zuviel, doch er ist sich sicher, Angela Merkel wird es wieder schaffen wollen. 

Und er zeichnet ein Bild einer Bundeskanzlerin, steinalt und Gicht geplagt,  aber immer noch die Raute vor sich hertragend. Er sieht sie durch den Reichstag geistern, an ihrer Seite, krumm gebuckelt, ihr treuer Adlatus Altmaier. Dieser stützt sie auf dem Weg zu ihrem Sitz auf der Regierungsbank und flüstert ihr leise ins Ohr: »The same  procedure as last year, Miss Merkel?« Dieser Humor ist klasse. Er ist frech, aber geistreich, und er trifft den Nerv der Zeit: »Ab 2019 erhalten  alle nordafrikanischen Architekten, Ingenieure, Bauarbeiter unbefristete  Aufenthaltsgenehmigung, solange sie sich bereit erklären, den Berliner Flughafen weiter zu ­bauen!«

Hinter dem Keyboard

Zwischendurch greift er zur Gitarre oder setzt sich hinter das Keyboard und singt. Auch hier hängt man an seinen Aussagen über Macht, Rendite und Geld. Doch besonders beeindruckend sind seine Sketche. Etwa zum Thema alt werden, alt sein: »Heute sind sie flüssig, morgen überflüssig!« Bittersüßer Humor. Heinz Klever beschwört einen gerontologischen Greisentsunami hervor und aktiviert die Lachmuskeln des Publikums. Dieses bedankt sich mit viel Applaus für einen Kabarettabend, der mit glasklarem Verstand vor Augen führte, was nicht so gut läuft in unserer Gesellschaft. Und er hält einen Verdauungsschnaps á la Immanuel Kant bereit:  »Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!« 

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 15.02.2019
    Bars, Musik, Kostümprämierung
    Schon siebenmal fand der Gammlerball in Kehl bislang am Schmutzigen Donnerstag statt. In diesem Jahr ist das anders. Erstmals wird in der Stadthalle am Fasnachtssamstag gefeiert. Neben DJ Vuko sorgen verschiedene Narrenzünfte und die Gammlerbänd Willstätt für die Musik. Mit der Terminänderung aufs...
  • 13.02.2019
    Manufaktur für orthopädische Leistungen
    Sie tragen uns im Laufe unseres Lebens durchschnittlich 180.000 Kilometer – unsere Füße. FUSS ArT, die Manufaktur für orthopädische Leistungen rund um den Fuß, ist seit Anfang Februar 2019 in der Moltkestraße 30-32 in Offenburg am Start und bietet ihren Kunden ein umfassendes Leistungsspektrum und...
  • 04.02.2019
    Offenburg
    Das Braun Möbel-Center bietet Wohnmöbel in vielen Formen, Farben und Materialien. Vom 7. bis zum 9. Februar findet auf dem Gelände die dreitägige Möbelmesse statt. Hier können die Kunden in verschiedenen Themenwelten die aktuellsten Wohntrends entdecken. Neben einem großen Sonderverkauf gibt es...
  • 03.01.2019
    Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Achern / Oberkirch

vor 24 Minuten
Fahrten nach Kehl
Wer von Honau oder Diersheim vormittags mit dem Bus nach Kehl fahren will, muss seit der Inbetriebnahme des Kehler Stadtverkehrs ziemlich flexibel sein. Die derzeit vierstündige Lücke zwischen den Verbindungen soll schnellstmöglich geschlossen werden, so die Forderung.
vor 1 Stunde
Wagshurst/Rheinbischofsheim
Schwer verletzt wurde ein Mann am Freitagmorgen zwischen Wagshurst und Rheinbischofsheim. Sein Golf war aus noch unklarer Ursache von der Fahrbahn abgekommen und überschlug sich.
vor 3 Stunden
»Villa Nikolaus« soll aufwendig saniert werden
Die um 1900 im Jugendstil errichtete »Villa Nikolaus« in der Oberkircher Eisenbahnstraße soll aufwendig saniert werden. Das erklärte Stadtbaumeister Peter Bercher am Montagabend in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses.
vor 4 Stunden
Werben um Verständnis
Beim Oberkircher Fasnachtsumzug am Sonntag, 24. Februar, ab 13.30 Uhr, müssen die Teilnehmer auf Stroh und Konfetti verzichten. Pressesprecher Ulrich Reich begründet, warum die Stadt das Verbot erlassen hat.
vor 5 Stunden
Internationaler Tag der Muttersprache
Weltweit ist die Hälfte aller Sprachen vom Aussterben bedroht. Deshalb hat die Unesco im Jahr 2000 den Internationalen Tag der Muttersprache eingeführt. Zum Gedenktag, der immer am 21. Februar begangen wird, hat die Mittelbadische Presse mit vier Renchtälern gesprochen, denen der heimische Dialekt...
vor 6 Stunden
Bislang zehn Kommunen im Boot
Die Stadt Rheinau gehört künftig dem Mobilitätsnetzwerk Ortenau an. Das beschloss am Mittwoch der Gemeinderat. Der Zusammenschluss von bislang zehn Kommunen bringe einige Vorteile, war zu hören.  
vor 8 Stunden
Rund 1000 Quadratmeter Fläche
Großzügig zeigte sich der Ortschaftsrat Großweier bei der zur Verfügung Stellung von gemeindeeigenen Flächen zum Anlegen von Blumenwiesen. Gleich vier Grundstücke mit fast 1000 Quadratmetern Gesamtfläche sollen hier beim Projekt »Blühender Naturpark« zur Verfügung gestellt werden.   
vor 8 Stunden
Sanierungsarbeiten an ehemaliger Achertalschule
Die Stadt Achern hat laut einer Pressemitteilung die räumlichen Gegebenheiten für das ehemalige Gebäude der Achertalschule (Gebäude 7), das jetzt von den Grundschulklassen 1 und 2 der Gemeinschaftsschule sowie der Musik- und Kunstschule genutzt wird, verbessert.  
vor 8 Stunden
Apenweierer Dorffasnacht geht in erste Runde
Am morgigen Samstag, 23. Februar, geht die Dorffasent in die erste Runde. Die Narren laden ab 19.30 Uhr zum Brauchtumsabend »Abbewihr im Narrenspiegel« ein. Lange haben die Mitglieder geprobt und neue Ideen entwickelt, um der Gemeinde wieder einen kurzweiligen, närrischen Abend zu präsentieren.
Seit November 2015 stehen die Senioren-Internet-Helfer mit Rat und Tat zur Verfügung. Die Aufnahme zeigt von links: Felicitas Bohnert, Jürgen Lucht, Chantal Ruf, Michael Papp, Martin Ruf und Wolfgang Lacherbauer. Es fehlt auf dem Bild Theo Meier.
vor 8 Stunden
Seniorennetzwerk Oberkirch
2005 schlug die Geburtsstunde des Oberkircher Seniorennetzwerks »Von Mensch zu Mensch«. Inzwischen ist es unter den Angeboten für Senioren nicht mehr wegzudenken. Wir stellen das Seniorennetzwerk in einer Serie vor. Heute: die Senioren-Internet-Helfer.
Den Sagenrundweg sowie den gesamten Komplex Allerheiligen will die Renchtal Tourismus GmbH touristisch aufwerten.
vor 8 Stunden
Tourismusprojekte im Fokus
Angetan von den Projektideen der Renchtal Tourismus GmbH zeigte sich der Gemeinderat Oppenau. So soll unter anderem der Sagenrundweg in Allerheiligen aufgewertet werden.
vor 8 Stunden
Dreijährige Probephase
Mit zwei Gegenstimmen hat der Gemeinderat Appenweier am Montag beschlossen, für eine Probephase von drei Jahren dem Mobilitätsnetzwerk Ortenaukreis beizutreten. Dabei ließ sich die Mehrheit von Sarah Berberich vom Planungsbüro »Endura kommunal« in ihrem Vortrag überzeugen. Mobilität ende nicht an...