Achern / Oberkirch

Hermann Burkard starb vor 120 Jahren.

Autor: 
Roland Spether
Lesezeit 4 Minuten
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08. April 2021
Der Alisi-Beck starb vor 120 Jahren, die Stadt ehrte den Witzbold, Bäcker und Revoluzzer mit einem Brunnen und der Darstellung des Gauklers, bei dem die drei Knaben in den Dreck flogen.

(Bild 1/2) Der Alisi-Beck starb vor 120 Jahren, die Stadt ehrte den Witzbold, Bäcker und Revoluzzer mit einem Brunnen und der Darstellung des Gauklers, bei dem die drei Knaben in den Dreck flogen. ©Roland Spether

„Alisi-Beck“ lautete sein Spitzname, er hieß allerdings Hermann Burkard, war als Witzbold stadtbekannt und starb vor 120 Jahren in seiner Heimatstadt Achern. Als dem Ersten in der Reihe der Alt-Acherner Originale wurde ihm die Ehre zuteil, dass ihm die Stadtväter ein „Denkmal“ in Form eines Brunnens auf dem 1984 neu gestalteten Marktplatz unmittelbar neben dem Rathaus bauen ließen.

Der Karlsruher Künstler Robert Günzel hielt einen seiner originellsten und bekanntesten Streiche fest, den Max Jörger in seinem 1958 erschienen Buch mit „Anekdoten, Schnurren, Geschichten“ bekannter Originale beschreibt.
So war der Alisi-Beck bestens dafür bekannt, dass er sich an Fasnacht einen Streich ausdachte, um die Bürger zu linken. So lud er wieder einmal als „Teigbildhauer Aloysius Burkardini“ zu einem sensationellen Seiltanz ein, den er zwischen dem früheren Gasthaus „Engel“ und dem Adlerplatz vorführen wollte.

Alisi erschien in einem „grellfarbenen Trikot“ im Speicherfenster, setzte seinen Fuß auf das Seil und rief einigen Buben zu, das Seil noch fester zu ­spannen.

Just in dem Moment zückte er ein Messer, schnitt das Seil durch und die verdutzten Buben landeten im hohen Bogen im Dreck. „Wonach der Alisi die mit einer Pfauenfeder gezierte Schellenkappe vom Kopfe riss, sie herunter grüßend schwang, die Zunge herausstreckte und den Menschen seine Rückseite zeigend, in Richtung Speicher verschwand“, so Max Jörger. Diese herrliche Szene ist seit 37 Jahren auf dem Marktplatz verewigt und dies soll auch nach der Neugestaltung des Platzes bleiben, über dem die Figur des Alisi mit schallendem Gelächter thront.

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Doch den Alisi nur als Spaßvogel und Witzbold darzustellen, würde der Person und dem engagierten Menschen Hermann Burkard nicht gerecht werden, wie dies seine Enkelin Gertrud Clemens Mitte der 1980er Jahren feststellt. Denn wer weiß schon, dass er politisch aktiv und 1848 ein führender badischer Revoluzzer war, mit dem Renchener Amand Goegg für Einigkeit, Recht und Freiheit kämpfte und deshalb mit Kampfgefährten im „Loch“ beim Klauskirchel eingesperrt wurde.

Gegen die Obrigkeit

Vielleicht hielten die tapferen Republikaner im Gasthaus „Zur Republik“ (heute „Zur Hoffnung“) freiheitliche Reden und hegten kämpferische Absichten gegen die Obrigkeit. Doch es gelang ihm vielleicht mit einem Gauklertrick auszubüxen und mit Bürgermeister Franz Anton Peter und dem Regierungsrat Josef Ignaz Peter nach Amerika zu fliehen. Nach einem Jahr kehrte er in die Heimat zurück und heiratete Antonie Fehrenbach aus Kenzingen, die ihm sieben Kinder schenkte. Sie starb im Wochenbett, ebenso seine zweite und dritte Frau Appolonia Dürr aus Oppenau und Karoline Krässig aus Oberachern. Erneut heiratete der leidgeprüfte Alisi, mittlerweile Vater von 23 Kindern (viele starben in früher Kindheit), Wilhelmine Peter aus Achern.

Hermann Burkard wurde am 20. November 1825 als Sohn von Alois Burkard geboren. Dieser war französischer Abstammung, kämpfte als Husar mit Napoleon in Russland, heiratete 1817 „Lindenwirts-Tochter“ aus Ottersweier und gründete in Achern eine Bäckerei. Nach seinem Sohn führte sein Enkel Adolf Burkard diese am Platz des ehemaligen Gasthauses „Zum Rössel“ als gutgehende Konditorei und erstklassiges Speiselokal bis 1932 weiter.

Neben seinem Hitzkopf war Alisi durch seine Wecken stadtbekannt, die zwar gut schmeckten, aber nach Meinung der Kunden viel zu klein ausfielen. Neben seiner Bäckerei besaß Hermann Burkard, der 1853 Mitbegründer der Feuerwehr und lange stellvertretender Kommandant war, eine gutgehende, große Landwirtschaft, in der neben Knechten und Mägden der Pferdekutscher und Dienstmann „Andres“ arbeitete.

Auch war Alisi, so erzählte seine Enkelin, wegen seiner Pferde berühmt, die wie ihr Herr nur so von Temperament und Feuer sprühten. So herrschte immer Leben im Haus, denn alle Burkards hatten etwas „unruhiges Blut“. Wo etwas in der Stadt los war, hatte der Alisi seinen Kopf als Erster dabei, sei es beim Anbringen der Fahnen nach den siegreichen Schlachten des 1870/71iger Krieges oder im Stadtrat. Durch seinen Feuereifer und noch mehr durch seine Persönlichkeit war er bei den Bürgern sehr geachtet, denn er hatte auch eine Richterfunktion inne. Er war auch ein Weltmann und Freigeist, er glaubte an die Seelenwanderung und ließ es nicht zu, dass ein Tier gequält wurde. Er starb am 16. Juni 1901 und lebt im „Alisi-Brunnen“ weiter.

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