Über Kanalschiffer nach dem Krieg

Historischer Verein Rheinau bringt neue Broschüre heraus

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 3 Minuten
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15. November 2019

Wolfgang Kasper vom Historischen Verein Rheinau zeigt die neue Broschüre. ©Ellen Matzat

Von der „Entschädigung der badischen Kanalschiffer nach dem Ersten Weltkrieg“ handelt die neue Broschüre des Historischen Vereins Rheinau. Zu haben ist sie im Heimatmuseum.
 

„Es ist eine Ergänzung unserer letztjährigen Broschüre Rheinschiffer mit dem Interview des kürzlich verstorbenen Willi Ulrich, die die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg beschreibt“, erklärt Vorsitzender Wolfgang Kasper. Die neue Broschüre reicht von 1919 bis 1932. In diesem Zusammenhang stieß Kasper auf die 1968 beim Heimatbund erschienene Broschüre „Aufstieg und Niedergang der badischen Kanalschifffahrt“ von Friedrich Schmidt X. Er gründete nach dem Ersten Weltkrieg den Oberrheinischen Kanalschifferverband, die erste Standesvertretung dieser Berufsgruppe in Baden. „Das war eine Art kleine Gewerkschaft für die winzige Gruppe der Kanalschiffer“, meint Kasper. 

Beschrieben werden in der neuen Broschüre Schmidts vergebliche Versuche, die Interessen der durch den Ersten Weltkrieg geschädigten Schiffer zu vertreten. Zu dieser neuen Broschüre überließ vor rund zwei Jahren Rainer Lutz aus Kittersburg dem Historischen Verein umfangreiches, inzwischen von Klaus Fritz digitalisiertes Material. 

Es handelte sich dabei um Aufzeichnungen und Dokumente von Friedrich Schmidt X. aus der Zeit, in der er die Entschädigungsverhandlungen für die hiesigen Kanalschiffer führte. Er vertrat rund 200 Schiffer von Greffern bis Auenheim. Mit dieser Gruppe schloss sich Schmidt der übergeordneten „Binnenfahrt-Treuhand-Gesellschaft“ mit Sitz in Duisburg an. Allerdings hielt Kasper die auf 500 Seiten enthaltenen Tabellen, Listen und Statistiken für die Leser für wenig unterhaltsam. Für Interessierte steht das komplette Werk in gebundener Form zum Ausleihen in der Bibliothek des Vereins bereit. 

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Der Staat habe nach dem Ersten Weltkrieg gleich mit den Entschädigungen begonnen, wusste Kasper, allerdings zuerst bei den Groß- und Hochseeredereien. Aus heutiger Sicht sei die Binnenschifffahrt zu spät im Entschädigungsverfahren berücksichtigt worden.  Als es endlich ab 1921 zu ersten Auszahlungen kam, war schon die durch den Versailler Friedensvertrag (1919) ausgelöste Inflation im Gange und fraß die Entschädigungsgelder auf. „Zuletzt gingen die Beträge in die Hunderttausende, machten die Schiffer zu Inflationsmillionären und doch zu Habenichtsen“, schrieb er. 

Ton der damaligen Zeit

Das Kapitel „Die Notzeit der badischen Kanalschiffer nach 1918“ wurde in die neue Broschüre integriert, damit der Leser genügend Hintergrundwissen bekommt. Beim Durchschauen der Dokumente fielen Kasper auch eine Denkschrift von 1926 sowie fünf sehr umfangreiche, lebhafte und politisierende Zeitungsartikel im Ton der damaligen Zeit in die Hände, so dass das Thema der Entschädigung in der Broschüre im Licht der damaligen Presse erscheint. 
„Es ist dieses Jahr ein sehr spezielles Thema und keine leichte Kost“, meint Kasper.

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